Ein Zittersieg und zwei Überraschungen

von Redaktion

Mit nur 40 Stimmen Vorsprung verteidigt Justus Pfeifer bei der Stichwahl sein Amt in Ruhpolding, sieht sich aber Kritik ausgesetzt. In Rimsting und Bergen gab es Überraschungen: Hier setzten sich Christian Moser und Andreas Schultes gegen die favorisierten CSU-Kandidaten durch. Für Schultes gab es gleich doppelten Grund zur Freude.

Ruhpolding/Bergen/Rimsting – 3.754 gültige Stimmen wurden in Ruhpolding bei der Stichwahl abgegeben, winzige 40 Stimmen retteten am Ende Justus Pfeifer sein Bürgermeister-Amt im Duell gegen Herausforderer Xaver Utzinger. Genau wie die insgesamt vier Gegenkandidaten im ersten Wahlgang ein deutliches Signal, dass im deutschen Biathlon-Mekka nicht alle zufrieden mit der Amtsführung des jung-dynamischen Ortschefs sind.

Das unterstrich auch sein knapp unterlegener Kontrahent Utzinger in einer ersten Reaktion nach der Stichwahl am gestrigen Sonntagabend.

„Nicht mit der Breitaxt durch den Ort rennen“

„Es gab jetzt sechs Jahre einen Monarchen, der durchregieren wollte. Aber man muss den Leuten im Ort zuhören, empathischer wirken, nicht mit Scheuklappen durch die Gegend rennen oder mit der Breitaxt durch den Ort marschieren und alles niedermähen“, sagte Utzinger dem OVB: „Es gibt nicht nur eine Meinung. Diskussionen brauchen mehr Zeit, aber die müssen wir uns in Ruhpolding nehmen.“

Niederlage als „Schlag
in die Magengrube“

Die hauchdünne Niederlage bezeichnete der Freie-Wähler-Kandidat im ersten Moment als „brutalen Schlag in die Magengrube“. Andererseits sei er als Außenseiter ins Rennen gegangen und habe sein Ziel erreicht, die Freien Wähler und seine Person als starke Kraft in Ruhpolding zu etablieren.

Utzinger meldete seinen klaren Anspruch auf den Posten hinter Pfeifer an: „Ruhpolding kann nur weiterkommen, wenn die wichtigsten Kräfte in Verantwortung sind und zusammen für den Ort arbeiten. Ich will Zweiter Bürgermeister werden.“

Einen Anspruch, den der neue und alte Bürgermeister grundsätzlich nachvollziehen kann.

So reagiert der alte und neue Bürgermeister Pfeifer

Allerdings wollte Justus Pfeifer am Wahlabend nicht über die Posten-Vergabe sprechen, die in Absprache mit allen Fraktionen im Gemeinderat entschieden werde: „Zusammenarbeiten werden wir auf alle Fälle. Schließlich geht es nicht um Parteigeplänkel, sondern um unseren Ort.“ Seinen knappen Vorsprung – 50,5 Prozent gegen 49,5 Prozent für Utzinger – bezeichnete Pfeifer als dünn, aber knapp sei es im Landkreis Traunstein in den Stichwahlen fast überall so gewesen.

Sein Ziel für die nächsten sechs Jahre im Bürgermeisteramt: die in der ersten Amtszeit gestarteten großen Projekte sauber umzusetzen. „Wir gehen die Grundprobleme im Ort wie das Kurhaus an. Schwimmbad-Sanierung und Festsaal sind weitere Themen“, so Pfeifer zum OVB.

Durch den Wahlkampf habe die parteiübergreifende Zusammenarbeit gelitten, jetzt gehe es darum, die unterschiedlichen Lager wieder zusammenzuführen: „Ich will ein parteiübergreifender Bürgermeister sein.“ Es dürfte allerdings spannend werden, wie Pfeifer künftig mit dem erstarkten Chef-Kritiker Utzinger auf eine Linie kommen will.

Während sich in Ruhpolding der CSU-Kandidat hauchdünn durchsetzen konnte, gab es in Rimsting eine herbe Niederlage.

In Rimsting gewinnt
der Außenseiter

Christian Moser (UWG) konnte das Blatt in Rimsting spektakulär wenden. Mit 52,9 Prozent der Stimmen schlug er im Finale Thomas Schuster (CSU), der auf 47,1 Prozent kam. Zwei Wochen zuvor hatte Schuster wegen eines Vorsprungs von über neun Prozentpunkten (45,4 Prozent zu 36,1 Prozent) noch wie der sichere Sieger in diesem Duell ausgesehen. Aber in Rimsting herrschte nach dem Abschied von CSU-Bürgermeister Andreas Fenzl ganz offenbar der Wunsch nach Veränderung.

„Ich bin Viertel nach 6 ohne Erwartung ins Gemeindehaus gegangen – und war dann sehr geplättet, als mir zum Wahlsieg gratuliert wurde“, sagte Rimstings neuer Bürgermeister Moser dem OVB. Wichtigstes Anliegen ist ihm, dass im Ort weiter gut zusammengearbeitet wird. Diverse Pflichtaufgaben wie der Neubau des Feuerwehrhauses Greimharting, die Schul-Sanierung und der Wasserhochbehälter stünden im Mittelpunkt: „Alles andere ist Zugabe.“ Mit der Bewerbung als Bürgermeister, so erklärte Moser, habe er seine Komfortzone verlassen: „In den vergangenen 25 Jahren bin ich nach München gependelt, war im Journalismus tätig. Jetzt schlage ich ein neues Kapitel meines Lebens als Bürgermeister auf und will Rimsting dienen.“ Zuerst wurde jedoch mit seinen Parteikollegen, Freunden und Familie in der Pizzeria gefeiert.

Schultes feiert in Bergen Sieg und Geburtstag

Hoch her ging es erst in einer Wirtschaft und dann auch daheim bei Bergens neuem Bürgermeister Andreas Schultes – er hatte gleich doppelt Grund zum Feiern. „Ich habe am Montag Geburtstag, da feiern wir rein. Meine ganze Familie ist da, das ist einfach alles grandios“, sagte Schultes dem OVB.

Mit 54,4 Prozent setzte sich der amtierende Geschäftsleiter des Ortes ebenfalls gegen einen CSU-Kandidaten durch. Der aktuelle Zweite Bürgermeister Josef Gehmacher (45,6 Prozent) hatte im ersten Wahlgang prozentual noch vor ihm gelegen. Schultes ist Nachfolger des seit zwölf Jahren amtierenden Grünen-Bürgermeisters Stefan Schneider. Sein Amt als Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Bergen Vachendorf wird Schultes zum 30. April abgeben, damit er in der neuen Periode ab 1. Mai das Bürgermeister-Amt antreten kann. „Für den Geschäftsleiter-Posten gibt es natürlich eine Stellenausschreibung, aber ich werde geeignete Kandidaten natürlich animieren, sich zu bewerben“, so der 53-Jährige. Wichtigste Projekte in Zukunft seien Schwimmbad- und Schulhaus-Sanierung sowie das Wohnungsprojekt Gelbhaus.

Adelholzener bleibt
in Bergen Dauerthema

Und dann ist da natürlich noch das Dauer-Streitthema Adelholzener – derzeit wartet die Gemeinde auf das Ergebnis der behördlichen Prüfung des umstrittenen Wasserrechtsantrags. „Bis das Ergebnis vorliegt, wird es noch einige Zeit dauern. Dann müssen wir als Gemeinde entscheiden, wie wir weiter vorgehen“, so der neue Bürgermeister Schultes. Es bleibt also nicht nur in Ruhpolding spannend in der Chiemgauer Kommunalpolitik.

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