Berufstausch mit Gipfelblick

von Redaktion

Priener Klinikchefin wird Hüttenwirtin auf 3.105 Metern

Prien – Bisher war es ein Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag: raus in die Natur, rauf auf den Berg – am liebsten beim Ultratrailrunning. Für Julia Tamborini wird das bald Alltag, denn sie wird zusammen mit ihrem Partner Sebastian Archut die Pacht des Zittelhauses am Hohen Sonnblick übernehmen. Für Tamborini ein spektakulärer Wechsel: Seit November 2024 ist sie Klinikleiterin der „Schön Klinik Roseneck“ in Prien. Diesen Führungsposten gibt sie zum Mai auf, ab dann wird sie auf der Hütte des Österreichischen Alpenvereins leben.

Neues Domizil als
perfekter Trainingsort

„Wir sind beide noch in unseren alten Jobs, das wollen wir noch vernünftig abschließen und eine Übergabe machen“, sagt Tamborini im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Deswegen seien beide aktuell nur an den Wochenenden auf der Hütte, die auch nur dann geöffnet ist. Mit dem Gedanken hätten die beiden bereits länger gespielt: „Wir sind schon sehr lange in den Bergen unterwegs und haben immer gedacht, wie cool es wäre, unsere eigene Hütte aufzumachen.“ Da beide in Jobs unterwegs seien, in denen die Stunden nicht reduziert werden können, kam nur eine Hütte infrage, die auch im Winter offen habe. „Dann war das Zittelhaus ausgeschrieben, wir haben uns drauf beworben und es hat gepasst mit der Sektion Rauris“, führt Tamborini aus. Der Wunsch habe schon länger bestanden, jetzt kam die passende Hütte dazu.

„Wir sind zur Besichtigung hochgefahren und unser Herz hat gleich höher geschlagen. Es ist einfach wunderschön dort, genau wie wir uns das vorgestellt haben: Eine ganz tolle, alte Hütte, mit viel Holz und für uns perfekt gelegen“, schwärmt sie von ihrem neuen Arbeits- und Lebensort. Das Zittelhaus auf 3.106 Metern über dem Meer ist am kürzesten über das Rauriser Tal im Bundesland Salzburg zu erreichen, die Hütte liegt nahe der Grenze zu Kärnten.

„Wir sind bergbegeisterte Ultratrailrunner, klettern gerne und machen gerne Hochtouren. Wir freuen uns auf Gleichgesinnte“, teilt Tamborini mit. Der neue Lebensmittelpunkt wird so auch zum „perfekten Trainingsort“, auch wenn beide erst mal schauen müssen, wie viel Zeit dafür im Alltag bleiben wird: „Wir haben nicht jeden Monat durchgehend geöffnet. Das wird sich schon ausgehen, dass wir unserer Leidenschaft nachgehen können.“ Dafür blieb bisher ohnehin nur am Wochenende, bei gutem Wetter und weiteren passenden Rahmenbedingungen Zeit. Als Klinikchefin war Tamborini im Job vielseitig gefordert.

Was kann sie aus dem jetzigen in den neuen Job mitnehmen? „Auf den ersten Blick ist es was ganz anderes, aber vieles lässt sich erstaunlich gut übertragen: Organisation, Verantwortung übernehmen und auch in stressigen Situationen den Überblick behalten“, und fügt mit einem Grinsen im Gesicht an: „Der Unterschied ist, dass die Arbeit dort oben viel direkter und unmittelbarer ist und der Ausblick ist besser.“ Dabei fiel es ihr nicht leicht, die Geschäftsführung der Klinik zu verlassen: „Da schlagen natürlich zwei Herzen. Insbesondere die Arbeit mit unseren Chefärztinnen für den Jugendbereich war natürlich herausfordernd und hat uns als Team zusammengeschweißt in den vergangenen Jahren. Wir haben viele Betten eröffnet, die Villa am See gekauft und das Projekt in Vogtareuth steht in den Startlöchern. Ich bin schon ein bisschen traurig, weil mein Herz für diese Projekte besonders geschlagen hat, gerade den Jugendbereich auch zu erweitern.“

Sie und ihr Team haben den Bedarf gesehen, wie viele Jugendliche Hilfe brauchen und dass das Angebot einfach nicht da sei. Deshalb gehe sie mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“. Wer zukünftig im Zittelhaus welche Aufgaben übernimmt, ist auch schon klar: „Mein Freund geht in die Küche und ich mache alles drumherum, also das Organisatorische und den Service.“ Zwar haben die beiden auch eine Wohnung im Raurisertal, ab Mai wollen die beiden aber viele Sonnenauf- und -untergänge vom Zittelhaus aus erleben.

Wie lange die Pacht dauert, ist zunächst offen: „Wir machen das so lange, wie es uns Spaß macht.“ Die Gäste können sich zukünftig vor allem auf regionale Küche freuen: „Wir legen sehr viel Wert auf gute Qualität bei den Lebensmitteln und auf regionale Produkte.“

Lachendes und
weinendes Auge

Aktuell lebt das Paar bei Bad Aibling. Große Sorge vor der fehlenden Zivilisation hat Tamborini nicht: „Wir sind schon immer gerne in den Bergen unterwegs, haben eine Alpenüberquerung mit dem Zelt gemacht und sind viel außerhalb der Zivilisation unterwegs. Im Moment haben wir in unserem Berufsleben sehr viel Kontakt zu Menschen, deshalb stellen wir uns das recht erholsam vor.“

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