Grabenstätt – In seiner jüngsten Sitzung hat sich der Gemeinderat intensiv mit der zukünftigen Nutzung des mittlerweile größtenteils leer stehenden sogenannten Fossil-Gebäudes im Gewerbegebiet Oberwinkl (Oberwinkl 1) unweit der Autobahn A8 beschäftigt. Anschließend beschlossen die Räte einstimmig, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Chiemsee – Revitalisierung des Fossil-Gebäudes in Oberwinkl“ aufzustellen.
Auch Reisende
zählen zur Zielgruppe
Die kritische Haltung des Landratsamts Traunstein als Bauaufsichtsbehörde und Untere Naturschutzbehörde hinsichtlich der vom Vorhabenträger „Aurigia Immobilien GmbH & Co. KG“ in Grabenstätt angedachten Fassadengestaltung wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber sogleich auf die gemeindliche Planungshoheit verwiesen. In dem von weitem sichtbaren Gebäudekomplex befindet sich nur noch der Fossil-Shop im Erdgeschoss und einige verbliebene Büros der Firma Fossil im Obergeschoss. Anfänglich ist das 2009 errichtete Gebäude ganz von der Firma Fossil genutzt worden. Da 2025 die ehemalige „Kantine“ („Wimmer-Catering“) in eine Nachbargemeinde verlagert wurde, hat sich der Leerstand noch weiter vergrößert. Die Gemeindeverwaltung spricht von einem „schleichenden Prozess in den vergangenen fünf Jahren“.
Bürgermeister Gerhard Wirnshofer (Bürgergruppe) berichtete nun erstmals öffentlich im Gemeinderat, dass mithilfe eines Marketingbüros und eines Cima-Gutachtens untersucht und geprüft worden sei, wie der Standort erhalten werden könne. Laut den Planungen des Antragstellers und Vorhabenträgers „Aurigia Immobilien GmbH & Co. KG“, die seit 2021 als Eigentümerin auftritt, soll das zukünftige Angebot im sogenannten Fossil-Gebäude von Gastronomie über Kleinflächen für Einzelhandel bis hin zu Tagungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten in Verbindung mit einem Hotel reichen.
Mit einer höherwertigen gastronomischen Ausrichtung könne sich ein Angebot, das auch Reisende als Zielgruppe anspreche, effektiv von standardisierten Autobahn-Raststätten abheben, so Wirnshofer vor der Abstimmung. Aber auch Kundschaft aus der Region sollte angesprochen und angezogen werden.
Detaillierte Pläne für
Innen- und Außenbereich
Für das Erdgeschoss sind ein „Marktplatz“ mit hoher Aufenthaltsqualität, Gastronomiebetriebe mit unterschiedlicher Ausprägung inklusive Café und Außenbereichen, Kleinflächen für Einzelhandelsbetriebe, Pop-up-Stores und Regionalvermarktung sowie Zugänge zum Hotel und zu Büros und eine direkte Anbindung an die Freiflächen vorgesehen. Im ersten und zweiten Obergeschoss sind der Gastrobetrieb, die Hotellobby und die Hotelzimmer, der Seminarbereich und Büroräume, ein Indoor-Kinderbereich, ein Küchenstudio „Akademie – Kochkurse“ sowie Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereiche geplant. Auch die Firma Fossil soll dort weiterhin mit Büros vertreten sein.
Die Planungen für die Freiflächen sehen Parkflächen für Pkw und Busse, einen Outdoor-Spielplatz für Kinder und einen Hundebereich vor. Zudem sollen dort die notwendigen Voraussetzungen für eine reibungslose Anlieferung, Versorgung und Entsorgung geschaffen werden. Da der Geltungsbereich des neuen Bebauungsplans nicht größer sein wird als jener des alten von 2008, werden östlich des Gebäudes auch keine zusätzlichen Parkplätze entstehen. Die vorhandenen Stellplätze werden nur etwas umgestaltet.
Laut Wirnshofer soll in Abstimmung mit der Gemeinde überwiegend im Bestand umgebaut und die Wirkung des Gebäudes durch die textile Außenfassade erreicht werden. An der Kubatur des Gebäudes ändere sich kaum etwas, allenfalls im Südosten werde eine Erweiterung in Form einer Außenterrasse entstehen. Laut Wirnshofer werde auch darauf geachtet, dass keine zusätzlichen Flächen versiegelt werden und man die Außenanlagen landschaftsgerecht gestalte. Die umgebenden Grünstrukturen und Retentionsflächen beabsichtigt der Antragsteller in das Gesamtkonzept zu integrieren. Von Vorteil sei, dass die Flächen bereits über die A8 und die Staatsstraße 2096 erschlossen seien und die vorhandene Infrastruktur genutzt werden könne.
„Ein weiterer Leerstand würde weder für den Antragsteller noch die Gemeinde positive Auswirkungen haben“, gab Wirnshofer vor der Abstimmung zu bedenken. Vielmehr könnte mit diesem Projekt die wirtschaftliche Entwicklung angeschoben werden. So sei mit der Schaffung von Arbeitsplätzen in den verschiedensten Bereichen zu rechnen. Auch die zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.
Wirtschaftsimpulse und einstimmiges Votum
Nachdem das Objektplanungsbüro „Ankner Buchholz“ aus Ulm in Rücksprache mit dem Büro „Begs Traunstein“ die Inhalte der Planungsunterlagen für einen Aufstellungsbeschluss ausgearbeitet hatte, wurde dieser von den Räten nun einstimmig gefasst – und zwar auf Grundlage des künftigen Geltungsbereichs des vorhabenbezogenen Bebauungsplans und der eingereichten Unterlagen. In einem städtebaulichen Vertrag zwischen der Antragstellerin „Aurigia Immobilien GmbH & Co. KG“ und der Gemeinde soll die Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung der geplanten Revitalisierungsmaßnahmen genau geregelt werden.