Bruder Andreas teilt beim Starkbierfest kräftig aus

von Redaktion

Unterwössner Fastenprediger rechnet mit Wahlkampf, Gemeinderat und Vereinsidylle ab – Publikum zollt viel Lob und Beifall

Unterwössen – Mit Seitenhieben auf Wahlkampf, Gemeinderat und Vereinsleben zog Bruder Andreas, Andreas Steiner, beim Starkbierfest des Trachtenvereins „D‘ Achentaler“ in der Achentalhalle die Lacher auf seine Seite. „Diese verschissene Dreckseinigkeit“, setzte Bruder Andreas in seiner Starkbierpredigt den Ton. Was als ruhiges Jahr mit Wahlkampf und Vereinswechseln begonnen habe, sei für einen Fastenprediger unerquicklich gewesen: zu wenig Reibung, zu viel Einigkeit. „Aber dann dasitzen und auf eine Predigt warten. Ich habe immer geglaubt, so eine Predigt ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit“, hadert Andreas mit dem Publikum.

Den designierten Bürgermeister Johannes Weber beschrieb er als jemanden, der „alte Werte mit modernen Ansichten verbinden“ müsse und machte das an einem Detail fest: am geerbten Trachtenanzug des Großvaters, der nicht mehr ganz passe. Bürgermeisterkandidat Harald Beyer nahm er über dessen Engagement am Balsberglift in den Blick, verbunden mit einem Lob für das gesamte Team. Ehrenvolle Arbeit vor dem Risiko, dass es wieder nicht schneit. „Heuer war die Arbeit nicht umsonst: Der Winter ist auf einen Sonntag gefallen!“ Beyers Wahlkampfforderung, Erster und Zweiter Bürgermeister sollten nicht aus einer Partei kommen, zieht bei Bruder Andreas nicht. „Denk nur an die eingangs erwähnte Wessner Einigkeit.“ Vor diesem Hintergrund sei es egal, aus welcher Partei jemand kommt. Vor einer Ortsentwicklung warnt der Prediger. Jetzt sei der Ortsteil Kruchenhausen für zwei Wahlperioden mit dem Greinerhof des Bürgermeisters Entfellner der Nabel der Welt gewesen. Wenn die Kommunalwahlen den Regierungssitz nun in den Hammerergraben in Brem (Oberwössen) verlegt haben, bestehe die Gefahr, dass sich Kruchenhausen wieder zu dem entwickelt, was es einmal war: „ein Randbezirk, beschaulich und rindviecherfreundlich“. Bruder Andreas weiß auch von der verpassten Christmette und von der Lebensrettung durch die Bürgermeistersekretärin Regina Zeißl. Weil die Uhr nicht umgestellt war, kommt der Bürgermeister verspätet nach Hause, der Esstisch ist leer, der Hunger groß. Die Telefonhotline zur Sekretärin begleitet den Bürgermeister durch die Prozedur, die Tiefkühlpizza zuzubereiten.

Auch die Vereine bekommen ihr Fett weg. Philip Weißenbacher versuche erneut, seinen Posten als Vorsitzender des SV Unterwössen loszuwerden. Für den Baldpensionär hat Steiner den Rat: Lieber der Frau ganztägig aus dem Weg gehen und im Verein mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Mit dem neuen Kreuzweg zur Antoniuskapelle vor der Tür rät Bruder Andreas, das Schützenheim der Gebirgsschützen zur Pilger-Einkehr zu wandeln. „Ich denke da an Kerzen in Karabinerform oder selbst gemachte Sankt- Georgs-Pralinen mit Schießpulverfüllung, die der Schießstatt-Eremit Georg Haslberger“, der Kompaniehauptmann, an die Pilger verkaufen könnte.

„Eine forstgrüne Joppe sei keine Schwimmweste und ein vollgesaugtes Dirndlgwand kein Rettungsmittel“, erinnert Bruder Andreas an das vergangene Seefest des Unterwössner Trachtenvereins. Vielleicht werde das nun als Straßenfest zum „Foglwuid“ verlegt, weil es dort zu gefährlich sei.

Bei der Musikkapelle würdigt er das Ende einer Ära: Franz Aberger habe nach über 60 Jahren seine Trompete an den Nagel gehängt. Als der Schlaipfer Schorsch die Nachricht in die Whatsapp-Gruppe geschrieben habe, sei die Kapelle innerhalb von 20 Minuten in Mannschaftsstärke angetreten, dem Franz einen anständigen Ausstand zu bereiten.

Ansonsten bot das Starkbierfest alles, was das bayerische Herz begehrt. Das begann mit dem spritzigen Fassanstich von Bürgermeister Ludwig Entfellner. Und setzte sich in einem gelungenen Standkonzert der Musikkapelle Wössen unter Leitung von Rupert Fladischer fort. Trachtenvorsitzender Otto Dufter betonte in der Begrüßung, dass das Starkbierfest bewusst hinter die Kommunalwahl verlegt worden sei, den Frieden im Dorf nicht vorab zu gefährden.

Nach einer guten Stunde Musik gehörte die Bühne den Aktiven des Trachtenvereins. Unter der fachkundigen Anleitung des Bauerntheaters adaptierten sie Ludwig Thomas Klassiker „Ein Münchner im Himmel“ auf lokale Verhältnisse. Felix Gropper stellte als „Engel Luckius“ den Unterwössner Bürgermeister Ludwig Entfellner dar, wie der im Sketch über das fade Manna im Himmel und die fehlenden Zigaretten wettert. Besonders der Disput mit dem „grünen Gemeinderatsengel“ (Carmen Kurz-Hörterer) sorgte für Lacher, bevor Luckius als göttlicher Bote schließlich doch lieber beim Schmiedbräu bei mehreren Mass hängen blieb. Wir kennen das: Seitdem wartet der Wössner Gemeinderat auf die göttlichen … Als Nebendarsteller bekamen Sofia Wimmer, Kilian Auer und Tobias Blösl als Engel, Lukas Größ als Petrus, Wolfgang Kaindl als Gott und Lisa Gasteiger als Schmiedbräu-Bedienung ebenfalls großes Lob und viel Beifall.lfl

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