Schleching – Das ist eine der großen Überraschungen bei der Kommunalwahl: Die erst vor einem Jahr gegründete Wählergruppe „Bürger für Schleching“ (BfS) zieht mit sieben von zwölf Sitzen in den Gemeinderat ein und lässt CSU und SPD deutlich hinter sich. Mit 4.451 Stimmen erreichte die BfS mehr als doppelt so viele Stimmen wie die CSU (2.209) und die SPD (356). Auch bei der Bürgermeisterwahl setzte sich BfS-Kandidat Thomas Müllinger klar durch: Er erhielt 76 Prozent der Stimmen. Seine Mitbewerberin Katharina Gasteiger (CSU) lag deutlich zurück. Amtsinhaber Josef Loferer (CSU) war nicht mehr angetreten.
Authentizität
und Zusammenarbeit
„Das Vertrauen der Bürger bedeutet mir sehr viel“, sagte Müllinger nach der Wahl. Er dankte insbesondere seinem Team und seiner Familie für die Unterstützung. Wichtig sei ihm, trotz des Erfolgs authentisch zu bleiben: „I muss I bleiben.“ Der künftige Rathauschef bringt Verwaltungserfahrung mit: Seit Jahren arbeitet er als Geschäftsleiter in der Nachbargemeinde Unterwössen und verfügt über ein breites Netzwerk in der Region. Er meinte: „Vielleicht war es auch ,ein bisserl‘ mein Engagement bei den Streichenfreunden zum Erhalt des Berggasthofs und mein Schwiegervater, Altbürgermeister Fritz Irlacher.“
Nach dem Wahlkampf setzt Müllinger auf ein konstruktives Miteinander. „Mir ist ein gutes Klima im Rathaus und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Gemeinderäten wichtig.“ Ebenso wolle er den direkten Austausch mit den Bürgern stärken. Inhaltlich will er sich zunächst der „Baurechtskultur“ widmen. Geplant sind unter anderem Schulungen für Gemeinderäte sowie die Entwicklung langfristiger Konzepte für die Ortsentwicklung. Ein besonderer Fokus soll auf der Ortsmitte liegen – auch im Hinblick auf den derzeit zum Verkauf stehenden Gasthof Post.
Besonderer Fokus liegt
auf der Ortsmitte
Inhaltlich unterschieden sich die Programme der drei angetretenen Gruppierungen kaum: Bezahlbarer Wohnraum, medizinische Versorgung, gesicherte Nahversorgung, Angebote für Jung und Alt sowie nachhaltiger Tourismus standen bei allen auf der Agenda. Für die neu gewählten Gemeinderäte der BfS liegt der Wahlerfolg daher vor allem in anderen Faktoren. In Gesprächen verweisen sie auf ihre starke Verwurzelung im Ort: Viele von ihnen engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich in Vereinen und Initiativen.
Ein Beispiel ist die Nahversorgung: Gemeinderätin Martina Hammerl-Tiefenböck ist im Vorstand des Dorfladens aktiv und brachte neue Ideen aus vergleichbaren Gemeinden ein. Diskutiert wird etwa ein Hybrid-Modell mit Bedienung am Vormittag und Selbstbedienung am Nachmittag und Abend – ein Konzept, das Kosten senken und gleichzeitig die Verfügbarkeit verbessern könnte. Auch personelle Veränderungen spielten eine Rolle: Bisherige Gemeinderäte waren nicht mehr zur Wahl angetreten, wodurch sich Stimmen neu verteilten. Ein weiterer entscheidender Faktor sei jedoch das Auftreten im Wahlkampf gewesen. „Wir waren eine starke Truppe und haben als Team sehr gut zusammengearbeitet“, so Gemeinderätin Elisabeth Forte. „Vielleicht ist genau dieser Spirit bei den Bürgern angekommen.“
Konkrete Pläne für
die Zukunft Schlechings
Für die kommenden Monate hat sich die neue Mehrheit bereits erste Ziele gesetzt. Dazu zählt unter anderem die Verbesserung der Mobilität, etwa durch ein Carsharing-Angebot. Der Dorfladen soll wohlwollend von der Gemeinde unterstützt werden. In der Ortsentwicklung planen die Räte, sich intensiv mit vergleichbaren Gemeinden auszutauschen und gezielt externe Impulse einzuholen.
Ein weiteres Thema sind die teilweise sanierungsbedürftigen Straßen. Hier soll gemeinsam mit einem Ingenieurbüro eine Prioritätenliste erarbeitet und schrittweise umgesetzt werden. Darüber hinaus legen die neuen Gemeinderäte großen Wert auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vereine und Veranstaltungen sollen stärker unterstützt, neue Angebote für Jung und Alt angestoßen werden. Auch ein Seniorenkonzept ist geplant – insbesondere, um Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken. Dieses soll in Zusammenarbeit mit dem Ökomodell und Nachbargemeinden entwickelt werden.
Bei sensiblen Themen wie der Geigelsteinbahn oder der Wuhrsteinalm, die sich in privater Hand befinden, setzt die neue Mehrheit vor allem auf mehr Transparenz und Dialog. Mit ihrem deutlichen Wahlerfolg steht die Wählergruppe „Bürger für Schleching“ nun vor der Aufgabe, ihren Anspruch auf Bürgernähe und Zusammenarbeit im politischen Alltag einzulösen.