Chieming – Im Saal des Chiemseer Wirtshauses fand am Sonntag, 22. März, die dritte von drei Bürgerversammlungen statt. Bürgermeister Stefan Reichelt begrüßte über 80 Bürger, die sich für das Gemeindeleben interessieren und aktiv daran teilhaben.
Ortsheimatpfleger und Vorstand des Heimathauses, Hubert Steiner, stellte mit seinem Stellvertreter Andreas Beer Inhalte der gemeindeeigenen Topothek vor. In diese haben sie bereits über 900 historische Fotos aus der Gemeindegeschichte mit Begleittext, Schlagwortverzeichnis und Verortungsplan eingepflegt. Betrieben und finanziert wird die Topothek durch die Gemeinde Chieming. Entsprechend sind auch Urheberrechte mit der Gemeinde zu klären, sagte Reichelt nach der Vorstellung des kommunalen geschichtlichen Bilderbuches. Wer aus dem Gemeindebereich über historische Dokumente verfügt, die in die Topothek eingepflegt werden könnten, wird gebeten, in Kontakt mit dem Heimatverein zu treten, so Reichelt.
Details zum
Gemeindeleben
Anschließend spannte der Bürgermeister einen weiten Bogen über unzählige Details rund um das Gemeindeleben des vergangenen Jahres und um Projekte, die in diesem Jahr weitergeführt oder abgeschlossen werden. Zum Stichtag 30. Juni 2025 hatte Chieming 4.789 Bürger mit Haupt- und 419 Personen mit Nebenwohnsitz. 390 Zuzüge standen 383 Wegzügen gegenüber. Innerhalb der Gemeinde zogen 89 Personen um. 320 Personen stellten eine schriftliche Wohnsitzanfrage an die Gemeinde und waren somit auf der Suche nach Wohnraum in der Chiemseegemeinde. 35 Geburten standen 38 Todesfällen gegenüber.
Eineinhalb Stunden referierte Reichelt. Vortragsthemen waren unter anderem die gebaute Löschwasserzisterne mit einem Fassungsvolumen von 600 Kubikmetern und etwa 90.000 Euro Baukosten in Ising, die sich Gemeinde, Hotel Gut Ising und das Landschulheim Schloss Ising teilen. Ebenso wurden der Klimaschutz in Form eines Wärmeplanungskonzepts, der Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen und das 25-jährige Dienstjubiläum des ehemaligen Schulhausmeisters Peter Roth behandelt.
Über Aktuelles vom Quartiersmanagement berichtete Simone Unterauer. Aus den Strukturen und den Aktionen der Kindertagesstätte Kunterbunt berichtete Reichelt ebenso wie aus dem Schulverband, in dem derzeit 87 Schüler die offene Ganztagsschule besuchen. Auch an der Ferienbetreuung in Kooperation mit dem Kreisjugendring werde gearbeitet, so Reichelt.
Erwähnung fanden laufende und abgeschlossene Verfahren der Bauleitplanung, die wichtigen Wasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsanlagen sowie die Verwaltung gemeindeeigener Liegenschaften. Die personelle, inhaltliche und fahrzeugtechnische Situation des Bauhofes wurde ebenso erläutert wie Details rund um die Tourist-Info. Mit über 200.000 Übernachtungen im Jahr 2025 ist Chieming eine touristisch geprägte Kommune, betonte Reichelt. Er wies auf das Social Media-Angebot hin, das möglichst viele Gemeindebürger nutzen sollten. Auf diesen Kanälen werden aktuelle Nachrichten wie kurzfristige Straßensperren oder ein Wasserrohrbruch bekannt gegeben, informierte Reichelt.
Als größte wiederkehrende Ausgaben im Gemeindehaushalt nannte Reichelt für 2025 die Personalausgaben in Höhe von gut drei Millionen Euro sowie die Kreisumlage, die sich im vergangenen Jahr auf knapp 3,9 Millionen Euro bezifferte. Die Pro-Kopf-Gesamtverschuldung 2025 lag bei 979,31 Euro. Wegen der Finanzierung der katholischen Kindertagesstätte wird die Verschuldung 2026 von circa drei Millionen Euro auf über 4,5 Millionen Euro steigen, reguliert sich aber nach Eingang der Fördermittel 2027 wieder auf 2,5 Millionen Euro, so Reichelt. Auch die Schuldenstatistik des Schulverbands ist nach dem kostenintensiven Umbau wieder absteigend, lag aber 2025 bei etwa 5,5 Millionen Euro. Hingewiesen hat Reichelt auf den Energie-Monitor, der über die Gemeinde-Web-Site alle 15 Minuten aktualisiert wird. Der Kreisverkehr in Egerer soll in diesem Sommer gebaut und fertiggestellt werden. Dafür sei mit einer zweimonatigen Vollsperre der Staatsstraße 2095 im August und September zu rechnen.
Das 2025 in Betrieb genommene Car-Sharing-Auto, das über die Tourist-Info buchbar ist, sei durchschnittlich an elf bis 15 Tagen pro Monat vergeben, in den Sommermonaten August und September sei es sogar täglich gebucht gewesen. Der Bedarfsverkehr „Traudl“ nehme im Juni den Betrieb auf. Damit sind die Gemeinden Chieming, Grabenstätt, Übersee und Grassau grundsätzlich erreichbar. Da „Traudl“ nicht in Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr stehen dürfe, sei ein Zubringer zur nächstmöglichen Bus- oder Bahnverbindung stets als vorrangige Option zu sehen. Soweit eine solche Verbindung nicht besteht, kann „Traudl“ auch gemeindeübergreifend genutzt werden, erklärte Reichelt. Eine Informationsbroschüre werde von der Mobilitätsabteilung im Landratsamt erarbeitet, so Reichelt.
Die anschließende Fragerunde beschränkte sich auf drei Wortmeldungen. Alois Ortner sagte, er sei darauf angesprochen worden, ob an der Chieminger Straße in Stöttham eine Geschwindigkeitsüberwachung durchgeführt werden könnte, analog zur Isinger Straße. Ob als Radarüberwachung oder als Geschwindigkeitsanzeiger in Form eines Smileys sei dabei offen, so Ortner. Reichelt antwortete: „Das nehmen wir gerne auf.“ Conny Karrasch beanstandete, dass die erweiterte Landwirtschaft in Schützing zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen bei der Durchfahrt in Stöttham führe. Der zunehmende Durchgangsverkehr führe zu einer „hochgradigen Gefährdung“. So stellte sich für Karrasch die Frage nach einem Radweg zwischen Schützing und Stöttham, und ob der Schützinger Großlandwirt dafür Grund abtreten sollte. Außerdem wollte Karrasch wissen, ob es eine Möglichkeit gebe, Zweitwohnungen zugunsten bezahlbaren Wohnraums zu ersetzen.
Fahrradwege
Diskussionsthema
Reichelt antwortete, dass die Landwirtschaft in Schützing privilegiert sei und es grundsätzlich eine Herausforderung sei, Grundstücke für Fahrradwege zu gewinnen. Hinsichtlich Zweitwohnungen nahm Reichelt auf die Zweckentfremdungssatzung Bezug. Bereits 2020 wurde in Chieming die Zweitwohnungssteuer auf den Höchstsatz von 20 Prozent geschraubt, so Reichelt. Ein kategorischer Ausschluss in Chieming sei schon deshalb nicht möglich, weil Chieming ein definierter touristischer Bereich sei. Brigitte Maier schloss sich thematisch an. Sie kritisierte, dass Zweitwohnungen oft monatelang im Jahr leer stehen. Maier sprach sich dafür aus, dass bestehende Mietwohnungen einen Bestandsschutz haben sollten und nicht zu Ferienwohnungen umgewidmet werden dürften.
Reichelt antwortete, dass solche Forderungen in einer touristisch geprägten Gemeinde kaum durchsetzbar sind. Die einzige Möglichkeit bestehe darin, bei vorhabenbezogenen Bebauungsplänen Zweitwohnungen auszuschließen. Bürgermeister Reichelt nutzte die Gelegenheit, um auf seine erste Amtszeit von sechs Jahren zurückzuschauen, in der viel auf den Weg gebracht wurde, obwohl der Einstieg mit Corona widrig war.
Zweiter Bürgermeister Markus Brunner zollte Reichelt Respekt für dessen Arbeitspensum und das Herzblut, mit dem er sein Amt ausfülle.