Chieming – Das Frühjahrskonzert der Chieminger Blasmusik war voller Überraschungen. Der musikalische Leiter Hans Schnell baute seine Visionen in das Konzertprogramm ein und entlockte seinen Musikanten alles. Schnell ist nicht nur leidenschaftlicher Taktgeber, sondern auch Musikant und spielt bevorzugt im hohen Blech. Er griff selbst zum Flügelhorn und dirigierte gleichzeitig bei „Pop Giants for Bugle“. „Das ist Multitasking auf höchstem Niveau“, befand Moderator und Bürgermeister Stefan Reichelt. Das Medley für Solo-Flügelhorn und Blasorchester vereinte die Pop-Klassiker „How Deep Is Your Love“, „What A Wonderful World“ und „Music“ zu einem einfühlsamen Gesamtkunstwerk.
Zuvor eröffnete die Chieminger Jungbläsergruppe den Abend mit „Eine kleine Nachtmusik“. Bemerkenswert ist, dass die jungen Musiker erst seit vergangenem September mit Dirigent Hans Schnell proben. Das folgende Stück „Hänsel rockt die Polka“ zeigte, wie viel Spaß Blasmusik machen kann. Moderator Stefan Reichelt bemerkte: „Hänsel und Gretel hätten bei diesem Beat garantiert den Weg aus dem Wald gefunden.“ Die große Blasmusik knüpfte mit dem schwungvollen Veteranen-Marsch von Ernst Mosch und Frank Pleyer an. Ein Highlight war die Bravourpolka „Mnoschil“ von Thomas Gansch, eine musikalische Achterbahnfahrt zwischen Tradition und Jazz. Während die Blechbläser gefühlvolle Melodien spielten, meisterte das Holzregister ungewöhnliche Einwürfe. Das jazzige Arrangement „Swinging Offenbach“ mit bekannten Operettenmelodien sorgte für Ohrwürmer. Reichelt kommentierte: „Wer glaubt, Blasmusik sei immer nur Marsch und Polka, wird hier eines Besseren belehrt.“ Als nächste Überraschung trat ein Tenorhornist als Sänger auf. Beim Walzer „Ich bin verliebt in deine schönen Augen“ gesellte sich Wasti Wallner als verkleidete Frauengestalt zum romantischen Gesangsduo hinzu. Die zweite Konzerthälfte begann im abgedunkelten Saal mit Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“. Nach dem durch den Film „Odyssee im Weltraum“ bekannten Intro folgte eine funkige Pop-Version. Anschließend ehrte Alfred Wimmer vom Musikbund Ober- und Niederbayern langjährige Mitglieder. Die diamantene Verdienstmedaille erhielten Andreas Steiner (25 Jahre Erster Vorsitzender) und Thomas Steiner (25 Jahre Kassier). Die bronzene Ehrennadel ging an Christina Klughammer (15 Jahre aktiv, zehn Jahre Schriftführerin), die bronzene Verdienstmedaille an Bärbel Baumgartner (Öffentlichkeitsarbeit). Hans Schnell und Bernhard Meier erhielten die silberne Ehrennadel für 25 Jahre musikalisches Mitwirken. Zweiter Vorstand Hermann Probst dankte Andreas Steiner zusätzlich für seinen jahrzehntelangen Einsatz.
Musikalisch ging es weiter mit dem „Premiere-Marsch“ von Otto M. Schwarz, der den Blechbläsern eine Melodie im Filmmusikcharakter bot. „The Best of Herb Alpert“, eine Mischung aus Mariachi-Klängen, Jazz und Funk, sorgte für gute Laune. Mit „Alma Latina“, einem Medley aus drei lateinamerikanischen Pophits, legten die Chieminger nach. ABBA-Melodien bildeten den Abschluss des anspruchsvollen und unterhaltsamen Konzerts im voll besetzten Saal des Chiemseer Wirtshauses. Das begeisterte Publikum forderte mit langanhaltendem Applaus zwei Zugaben. Die Musiker spielten „Johnny’s March“ sowie die Polka „Auf die Vogelwiese“. zaa