Aufruf zu mehr Engagement

von Redaktion

Kameraden aus Chiem- und Rupertigau mahnen in Grassau zum Frieden und sorgen sich um den Nachwuchs

Grassau – Die Gauversammlung der Krieger- und Soldatenkameradschaft Chiem- und Rupertigau fand im großen Heftersaal statt und wurde von der Grassauer Soldaten-, Reservisten- und Kriegerkameradschaft bestens organisiert und bewirtet. Gauvorsitzender Anton Linner freute sich über einen vollen Saal und die Anwesenheit vieler Kameraden der über 40 Mitgliedsvereine sowie über die musikalische Begleitung durch die Grassauer Blasmusi.

„Kraftvoll für
den Frieden eintreten“

Bürgermeister Stefan Kattari hieß die Gäste willkommen und stellte die Marktgemeinde als Kulturhauptstadt des Landkreises vor, der das Ehrenamt und die Vereine sehr wichtig seien. Er sei überzeugt, dass den Veteranenvereinen eine weithin unterschätzte, aber äußerst wertvolle Funktion des Andenkens und des Einsetzens für den Frieden zukomme. Vom Krieg habe er, Kattari, keine Ahnung, wohl aber von den Folgen von Flucht und Vertreibung aus Erzählungen seiner Großeltern. Er wisse, dass dies auch 80 Jahre nach Kriegsende nachwirke. In 80 Jahren werden in der Ukraine ebenfalls Kinder die Folgen des jetzigen Krieges spüren, prophezeite Kattari und rief auf: „Lasst uns gemeinsam kraftvoll für den Frieden eintreten.“

Den gastgebenden Verein SRK Grassau stellte Vorsitzender Martin Maier vor, der erst vor einem Jahr die Führung des 105 Mitglieder starken Vereins übernommen habe, weil ihm dieser am Herzen liege. Die große Zahl der Vereine wertete Maier als Ausdruck für die Lebendigkeit des Gaus. Die Traditionsvereine seien aus der Kameradschaft und der Verantwortung füreinander und für die Heimat entstanden. Werte wie Kameradschaft, Pflichtbewusstsein und Einsatzbereitschaft seien zeitlos und aktueller denn je. Maier betonte, dass aufgrund der sicherheitspolitischen Fragen den Soldaten- und Reservistenvereinen wieder besondere Bedeutung zukomme.

Unverständlich sei, dass nicht mehr Mitglieder eintreten. Er sprach die schwierige Nachwuchsgewinnung, die Ehrenamtskrise und die damit einhergehende Schwierigkeit, Vorstände zu finden, an. Dies sei schade, da die KSK-Vereine meistens die ältesten Vereine im Dorf sind, so wie der Grassauer, den es bereits seit 1830 gebe. „Unsere Vereine leben nicht von den Satzungen oder Fahnen, sondern von den Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen.“

Appelle für
Heimatpflege

Auf die Veranstaltungen im vergangenen Jahr gingen gemeinsam im Wechsel Vorsitzender Anton Linner und zweiter Vorsitzender Markus Schupfner ein. Linner erinnerte an die Vorbereitungen für die Gedenkmesse auf der Kampenwand, aber auch an die besondere Feier zur goldenen Hochzeit von Gauehrenvorstand Michi Bernauer. Der Gau war bei verschiedenen Jahrtagen sowie bei besonderen Festlichkeiten, so in Gollenshausen zum 150-jährigen Bestehen, anwesend und nahm am Fackelzug in Baumburg sowie am Buchenwaldgedenken teil. Ein Höhepunkt sei die Wallfahrt nach Maria Eck gewesen, die die KSK Kienberg organisierte. Leider falle auf, so Linner, dass immer weniger Kameraden teilnehmen. Bei einer Gelöbnisfeier und beim Gedenkgottesdienst auf der Kampenwand war der Gau vertreten. Hier bat Linner, auch künftig pünktlich zu erscheinen und die Abfahrtszeiten einzuhalten. Besonders im Herbst und im Januar häuften sich dann die Versammlungen und es wurde versucht, so viele Vereine wie möglich zu besuchen. Die Liste war sehr lang und die Vorsitzenden informierten auch über Änderungen in der jeweiligen Vereinsführung.

Mit dem Zitat „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“ wandte sich der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser an die Kameraden. Er betonte, dass die Soldaten- und Kriegervereine für wichtige Werte stehen, für Kameradschaft, Verantwortung und Heimatverbundenheit und einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ganz persönlich dankte Konhäuser für die Arbeit, die alle in den Vereinen leisten. Als Sohn von Heimatvertriebenen wisse er, wie wichtig es sei, sich für Frieden und Sicherheit einzusetzen und die Hände in die Wunden zu legen.

Landtagsabgeordneter Konrad Baur meinte, Ehrenamt sei nicht nur Theaterverein, Sport oder Trachtenverein, sondern auch Heimatpflege, Kulturpflege und Identitätspflege. Gerade im Kampf gegen den Extremismus sei es wichtig, Leute zu haben, die sich anständig und ehrlich mit der Geschichte auseinandersetzen. „Wir dürfen stolz auf unsere Geschichte und doch nicht geschichtsvergessen sein, dürfen unser Vaterland lieben, Patrioten sein, ohne völkisch und nationalistisch zu sein“, betonte Baur.

Die Wallfahrt nach Maria Eck ist für Jahre gesichert. Nachdem im vergangenen Jahr kein Ausrichter für die Wallfahrt nach Maria Eck im Jahr 2027 gefunden werden konnte, kündigte Johann Wolff, Vorsitzender der KSK Siegsdorf, an, die Wallfahrt auszurichten. Für die Wallfahrt 2028 bat Vorsitzender Helmut Löw der KSK Albertaich darum, dies organisieren zu dürfen, und auch für die Wallfahrt 2029 bewarb sich die KSK Seeon in Vertretung von Anton Linner, der Schriftführer Hans Huber.

Anstehende Wallfahrten
und Jubiläen

Schließlich warben einige der über 40 Vereine für ihre Jubiläumsfeste, darunter die KSK Altenmarkt mit Vorsitzendem Wolfgang Losert, die heuer ihr 200-jähriges Bestehen sowie das 225-jährige Bestehen der Gedenkstätte Buchenwald feiert. Gauehrenvorstand Michael Bernauer kündigte das 150-jährige Jubiläum der KSK Ising-Truchtlaching am Samstag, 25. Juli, an und die KSK Seeon feiert ihr 150-jähriges Bestehen am Freitag, 7. August.

Mit einem Hinweis auf kommende Termine, darunter die Wallfahrt nach Maria Eck am Freitag, 21. Juni, die ebenfalls von der SRK Grassau ausgerichtet wird, und die Gedenkmesse auf der Kampenwand am Freitag, 30. August, organisiert von den Vereinen Aschau und Höslwang, wurde die Versammlung mit der Bayernhymne traditionell beendet.

Artikel 1 von 11