Unterwössen – Mit 42 Einsätzen und auffällig vielen Verkehrsunfällen blickt die Feuerwehr Unterwössen auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. Gleichzeitig endete 2025 ein besonderer Status der Wehr: Mit der Aufnahme der ersten Frau in den aktiven Dienst verliert Unterwössen ein langjähriges Alleinstellungsmerkmal im Landkreis Traunstein.
Viele Unfälle
und eine Premiere
Kommandant Michael Klauser stellte in der Jahresversammlung im Gebirgsschützenheim die Bilanz vor. Den Schwerpunkt bildeten 25 technische Hilfeleistungen, darunter allein zehn Verkehrsunfälle. Auffällig: Sieben dieser Unfälle waren Motorradstürze im benachbarten Schleching.
Weitere Einsätze entfielen auf Unwetter, Türöffnungen sowie eine Tierrettung, bei der eine Eule am Balsberg geborgen wurde. Hinzu kamen 17 Brandalarmierungen. Acht davon stellten sich als Fehlalarme durch Rauchmelder oder Brandmeldeanlagen heraus. Besonders fordernd waren ein B4-Alarm in Reit im Winkl sowie ein Brandeinsatz im Dezember in Schleching.
Zum Jahreswechsel zählt die Wehr 50 Aktive, darunter 49 Männer und nun eine Frau. Die Jugendfeuerwehr umfasst 13 Mitglieder, bestehend aus fünf Mädchen und acht Buben. „Das ist nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig“, fasste Klauser die personelle Situation zusammen.
In der Ausbildung verfügt die Wehr über 18 Atemschutzgeräteträger, 20 Maschinisten sowie zehn Gruppenführer und zwei Zugführer. Im Übungsbetrieb setzte die Feuerwehr auf eine neue Struktur: Die Gruppenführer organisierten und leiteten die Hauptübungen eigenständig. Damit wurden die Kommandanten entlastet und konnten regulär an den Übungen teilnehmen. Den MTA-Lehrgang (Grundausbildung) führte Unterwössen gemeinsam mit der Feuerwehr Oberwössen durch. Im November beteiligte sich die Wehr zudem an einer Katastrophenschutzübung in Pförring. Für das laufende Jahr kündigte Klauser eine Leistungsprüfung Wasser an.
Ein Höhepunkt wird die groß angelegte B5-Übung am Alten Bad am 11. Mai sein. Zu diesem Termin werden Einsatzkräfte von Rottau bis Oberwössen alarmiert. Kreisbrandmeister Thomas Mayr bot hierfür bereits seine Unterstützung an und verwies zudem auf das Jugendfeuerwehr-Zeltlager in Taching am See im Juli.
Auch im Vereinsleben gab es Entscheidungen mit Signalwirkung. Die Hallenparty wird 2026 nicht mehr stattfinden. Laut dem Vorsitzenden Michael Weikl seien die Besucherzahlen zuletzt kontinuierlich gesunken. Der immense Aufwand eines ganzen Wochenendes stehe nicht mehr im Verhältnis zum Ertrag.
Für das Jahr 2027 soll ein völlig neues Konzept entwickelt werden. Dennoch wächst der Verein weiter: Acht neue Mitglieder wurden aufgenommen. Das Dorffest soll am 27. Juni erneut stattfinden. Zudem beteiligt sich die Feuerwehr am Jubiläum des Trachtenvereins und besucht das Gründungsfest in Bergen.
Der Bau des neuen Vereinsstadels schreitet voran. Die Außenarbeiten sind abgeschlossen, nun folgt der Innenausbau. Bis zum Sommer soll das Obergeschoss nutzbar sein. Kassier Wolfgang Kentzia bezifferte die Gesamtkosten auf rund 74.500 Euro.
Die Gemeinde beteiligte sich mit 30.000 Euro, weitere Mittel stammen aus Spenden und Rücklagen. Die Eigenleistungen der Feuerwehr schätzt Kentzia auf zusätzliche 15.000 bis 20.000 Euro. Trotz der hohen Investitionen steht der Verein auf finanziell stabilen Beinen, auch wenn die sinkende Rentabilität der Feste spürbar wird.
Aus für die
Hallenparty
Zweiter Bürgermeister Johannes Weber würdigte die Einsatzbereitschaft, die an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr gewährleistet sei. Er unterstrich das hervorragende Miteinander zwischen den Ortsfeuerwehren Unterwössen und Oberwössen sowie der Gemeinde.
Zum Abschluss gab es eine Anregung von Gemeinderätin Gabi Neubert, jüngere Kinder mit einem Schnuppertag an die Wehr heranzuführen. Kommandant Klauser zeigte sich offen für Angebote, schloss eine eigene Kinderfeuerwehr jedoch aus. Der organisatorische Aufwand sei mit der vorhandenen Mannschaft derzeit schlicht nicht leistbar.