Hat der Partyband-Schlagzeuger auf einer Hochzeit in Chieming „Sieg Heil“ gerufen?

von Redaktion

Nach einer langen Verhandlung spricht das Amtsgericht Traunstein den Musiker frei – Gäste hatten den angeblichen Vorfall angezeigt

Chieming/Traunstein – Der Prozess gegen den Schlagzeuger einer Partyband fand nach zwei Verhandlungstagen nun ein Ende: Der 37-Jährige wurde vor dem Traunsteiner Amtsgericht freigesprochen. Angeklagt war er wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Der Hintergrund: Bei einer Hochzeitsfeier in Chieming am 10. Mai 2025 soll er in einer Pause zwischen zwei Liedern am Ende des Weinstüberls „Sieg Heil“ ins Mikrofon gerufen haben.

An die 200 Leute feierten auf der Hochzeit in Chieming. Das angebliche „Sieg Heil“ des Schlagzeugers übers Mikrofon hörte dagegen höchstens eine Handvoll Gäste. Eine 33-jährige Lehrerin war es, die am nächsten Tag zur Polizei ging. Sie stand nur wenige Meter von der Bühne entfernt. In der Urteilsbegründung nach dem Freispruch sagte Richterin Sandra Sauer schließlich: „Ich glaube, sie hat sich verhört.“ Auch Staatsanwalt Thomas Wüst forderte am Ende Freispruch. Die 33-Jährige sei zwar glaubhaft und ihre Anzeige zeuge von Zivilcourage, „aber die Zweifel sind zu groß“.

Der Schlagzeuger selbst wies die Vorwürfe von Beginn an von sich: „Mir ist‘s eiskalt den Buckel hinuntergelaufen, als ich das gehört habe“, so der Angeklagte. Ihm würde nie einfallen, „so etwas“ zu sagen, und gleich dreimal nicht auf einer Hochzeit. „Das ist eine hochprofessionelle Band mit 80 Auftritten im Jahr, auch am Münchner Oktoberfest“, so Verteidiger David Mühlberger. Auch er forderte einen Freispruch.

Mühlberger und der Angeklagte konnten es sich nur so erklären: Über den Tag seien immer wieder Mitglieder vom Schützenverein auf der Bühne gewesen und hätten den Schützengruß „Schützen Heil“ zum Besten gegeben. Ein zweiter Erklärungsansatz: Die Band coverte in Chieming den Hit „Go West“ der „Pet Shop Boys“ und sang im Refrain „Schitt‘ ei, weil heid Hochzeit is“, ähnlich wie die Kapelle Josef Menzl – und am Ende des Weinstüberls wollte der Schlagzeuger die Gäste schließlich zum Austrinken animieren: „Wie war das vorher? Schitt‘ ei!‘“

Der Verteidiger war sich in seinem Plädoyer sicher: „Das Lied ‚Schitt‘ ei‘ haben die nicht gekannt, aber es wurde nachweislich gespielt. Damit wurde es dann vermischt.“ Hochzeitsgäste mit einem „Sieg Heil“ zum Austrinken zu bewegen, mache auch gar keinen Sinn. Auch Richterin Sauer meinte: Die Anzeigeerstatterin habe wohl versucht, „eine Erklärung für etwas zu finden, das sie nicht kannte“. In ihrer Zeugenaussage schloss die Frau eine Verwechslung aber aus.

Anders die Band-Mitglieder vor Gericht: „Ich kann zu tausend Prozent ausschließen, dass so eine Aussage gefallen ist“, meinte beispielsweise der Ziehharmonikaspieler. Der Fall hat im Umfeld der Hochzeitsgesellschaft viel Staub aufgewirbelt. Ein Mitglied der Schützen, die bei der Hochzeit zu Gast waren, zeigte sich zuletzt noch immer „sprachlos“. Auch der Bräutigam äußerte sich am Rande des Prozesses: „Ich finde das alles ungeheuerlich. Mich trifft das schwer.“ Denn eigentlich sei die Hochzeit absolut gelungen gewesen. Aber Rücksprache hielt man mit ihm nicht, bevor die Strafanzeige aufgegeben wurde.

Langjährige Freundschaften zwischen ihm und dem engsten Kreis der Anzeigeerstatterin sind seitdem auf Eis gelegt.

Auch Staatsanwalt Wüst zeigte Verständnis: „Das sollte der schönste Tag ihres Lebens sein, aber ihre Erinnerungen wurden kaputt gemacht. Für sie ist das maximal blöd gelaufen.“ xe

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