Chiemsee/Fraueninsel – Jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit rund um die Bürgermeisterwahl auf der Fraueninsel, die nun wiederholt werden muss: Wahlrechts-Experte Thomas Wagner erklärte im „Inselbräu“ den zahlreichen Insulanern, wie es jetzt weitergehen kann und muss, damit die Gemeinde Chiemsee ab dem 14. Juni 2026 wieder einen Bürgermeister bekommt.
Experte rät zur Klärung
rechtlicher Mythen
Während Wagner sich auf rechtliche Vorgaben konzentrierte und komplizierte Sachverhalte handfest zusammenfasste, zeichnete sich eine überraschende Wende ab: Neben Armin Krämmer erwägt Georg Klampfleuthner, ein Gemeinderats-Urgestein, eine Kandidatur als ehrenamtlicher Bürgermeister. Beide befinden sich jedoch auch nach der Veranstaltung noch in der Findungsphase.
Der „Inselbräu“ hatte extra für den Informationsabend aufgesperrt, der hervorragend besucht war. Die Veranstaltung war auf Initiative von Michael Lanzinger bei der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig beschlossen worden. Wagner, Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn/Gstadt/Chiemsee, räumte gleich zu Beginn mit „Behauptungen am Stammtisch“ auf. So sei Armin Krämmer als Bürgermeister keineswegs „abgewählt“. Er habe am 8. März die absolute Mehrheit lediglich um vier Stimmen verpasst. Seine reguläre Amtszeit läuft noch bis zum 30. April. Außerdem bleibe der Wahlvorschlag der Freien Wählergemeinschaft mit Krämmer bestehen, es sei denn, er zöge seine Kandidatur aktiv zurück. Auch ein bereits gewählter Gemeinderat könne sehr wohl als Bürgermeister-Kandidat aufgestellt werden, widersprach Wagner einem weiteren Gerücht.
Egal ob neue Kandidaten antreten oder nicht: „Die Wiederholungswahl findet auf jeden Fall am 14. Juni statt“, stellte Wagner klar. Er wies eindringlich auf die einzuhaltenden Fristen hin. Der 16. April ist der entscheidende Stichtag, um einen offiziellen Wahlvorschlag einzureichen.
Wagner erläuterte die Besonderheiten der Freien Unorganisierten Wählergemeinschaft und die Möglichkeit, eine völlig neue Liste zu gründen. Hierfür seien 40 Unterstützungs-Unterschriften notwendig. Ein Privileg genießen dabei die im bayerischen Landtag vertretenen Parteien: Aufgrund ihrer vorherigen Akkreditierung benötigen sie diese Unterschriften nicht.
Gerade bezüglich einer neuen Liste und der rechtlichen Voraussetzungen kamen viele Fragen auf. Über eine Identitätsprüfung müsse ausgeschlossen werden, dass Unterzeichner nicht bereits auf der bestehenden Liste aus dem Jahr 2020 unterschrieben haben.
„Ausgeschlossen sind sich bewerbende Personen oder Ersatzpersonen“, erklärte Wagner mit Blick auf die vergangene Wahl. Um es den Insulanern leicht zu machen, ergänzte er: „Wenn Sie bei der Aufstellungsversammlung 2025 einen farbigen Zettel unterschrieben haben, dann geht es nicht mehr!“ Dr. Dieter Melchart, Wahlrechtsbeauftragter der Gemeinde, lobte Wagners Ausführungen als „ganz toll“, was sich im großen Applaus der Anwesenden widerspiegelte.
Am Ende der Versammlung ließ eine persönliche Erklärung aufhorchen: „Ich habe mir jetzt 14 Tage überlegt, ob ich mich bewerben sollte. Sobald ich es weiß, werde ich Armin anrufen“, erklärte Georg Klampfleuthner. Der erfahrene Gemeinderat betonte, dass seine Familie bei dieser Entscheidung maßgeblich sei.
Wunsch nach
klaren Verhältnissen
„Ich bin Sportler, ich verkrafte auch eine Niederlage“, so Klampfleuthner. Er wolle jedoch vermeiden, dass das Ergebnis bei der Wahlwiederholung genauso unklar ausfällt wie beim ersten Mal. „Die Insel hat für die Zukunft Ruhe und Frieden verdient“, so sein Plädoyer. Armin Krämmer unterstrich, dass er dies genauso sehe. Auch er werde sich noch Zeit für eine endgültige Entscheidung nehmen, betonte jedoch: „Jeder kann gern auf mich zukommen und fragen.“