Übersee – Der Gemeinderat Übersee beschloss jüngst einstimmig die schrittweise Umgestaltung des Gemeindefriedhofs Übersee. Seit Langem wünschen sich viele Menschen im Todesfall für sich oder ihre Angehörigen keine Erdbestattungen mehr, sondern alternative Formen wie Baum- oder Wiesenbestattungen.
Der Gemeinderat will diesem Wunsch gerecht werden. Bereits im Januar des Vorjahres beauftragte er das Friedhofskompetenzzentrum Rosenheim, einen Plan für die Umgestaltung zu erarbeiten. Auch der Sozialausschuss hatte sich mehrfach mit dem Thema befasst und zahlreiche alternative Friedhöfe im In- und Ausland besucht.
Überarbeitung in
drei Bauabschnitten
In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellte der Geschäftsführer Michael Hartl ausführlich anhand einer Bilddokumentation die Pläne für die Überarbeitung des Friedhofs in drei Bauabschnitten vor. Bürgermeister Herbert Strauch (FBL) sagte, dass viele andere Gemeinden bereits alternative Bestattungen anbieten und Übersee glücklicherweise genug Platz für eine Umgestaltung habe. Wichtig sei es, dass die Pflege nicht zu teuer werde, da der laufende Unterhalt eins zu eins auf die Nutzungsgebühren umgelegt werden müsse.
Michael Hartl beschrieb den ersten Bauabschnitt im zentralen Bestattungsbereich, der derzeit noch eine Freifläche ist. Hier können drei Wiesen- oder Baumgrabfelder mit je 24 Urnenplätzen entstehen, insgesamt also 72 Urnenplätze. Dazu sollen zwei Beete mit Gehölzen, Gräsern, Stauden und Bodendeckern errichtet werden, sogenannte Staudengräber.
Ein neuer Brunnen oder Wassertrog ist angedacht, eventuell sogar ein Wasserspiel. Außerdem soll eine Natursteinmauer als Sitzgelegenheit mit einer Länge von sieben Metern entstehen. Der Friedhof solle den Bedürfnissen der Anlieger vor Ort entsprechen und „ein Ort der Begegnung“ sein. Ziel insgesamt sei es, den Friedhof zu beleben, sodass der „Friedhof Übersee als Teil des Lebens“ empfunden werde.
Dafür spiele auch das optische Empfinden eine große Rolle. Für die Trauerarbeit der Kinder könnten Tafeln aufgestellt werden, die von den Kleinen selbst gestaltet werden. Außerdem ist ein Trauerbriefkasten mit bereitliegenden Karten und Stiften geplant. Die Karten könnten später beispielsweise beim Osterfeuer verbrannt werden.
Ein einladender
Eingangsbereich
Im Eingangsbereich soll die jetzige Mauer zurückgebaut und der Weg verbreitert werden. Eventuell entstehen eine Laube oder ein Rosenbogen als neue Eingangssituation. Der Fahrradständer wird versetzt, die bestehende Eibe gerodet und die Hecke ergänzt.
Der zweite Bauabschnitt betrifft den Stelenbereich neben dem Eingang und die Umverlegung in das nordöstliche Eck des Friedhofs.
Kosten und Finanzierung
der Umgestaltung
Sehr wichtig sei es, dass ein ordentlicher Eindruck entstehe, wozu die regelmäßige Pflege und Überwachung gehören. Keines der laufenden Nutzungsrechte solle gestört werden, aber jeder solle die Möglichkeit haben, neue Angebote zu nutzen. Bei Umsetzung des Gesamtkonzepts fallen Kosten in Höhe von rund 261.000 Euro brutto an. Die Kosten für den laufenden jährlichen Unterhalt konnten noch nicht ermittelt werden.
Der Bürgermeister betonte, dass der Friedhof zu den kostenrechnenden Einrichtungen der Gemeinde gehört. Investition und Wartung sollten auf die Grabinhaber umgelegt werden. Auf keinen Fall dürfe es dazu kommen, dass sich die Bürger durch zu hohe Gebühren die Grabangebote nicht mehr leisten könnten. Michael Hartl ergänzte hierzu, dass Urnenbestattungen für Angehörige viel günstiger seien als klassische Erdbestattungen.
Friedhof als sozialer
Treffpunkt für Senioren
Wegen des demografischen Wandels gebe es einen zunehmend höheren Bedarf an Gräbern. Bürgermeister Strauch sprach sich dafür aus, den Mittelteil erst einmal komplett umzusetzen. „Heute fällt dafür der Startschuss“, so der Rathauschef. Gemeinderätin Uschi Geiger (GfÜ) schlug vor, bei der Umsetzung ein Bausteinsystem anzuwenden.
Einstimmiger Beschluss
für neues Konzept
Für besonders wichtig hielten viele Gemeinderäte den Bau eines Pavillons. Für viele ältere Leute sei der Gang zum Friedhof oft wie ein kleiner Ausflug, bei dem sie soziale Kontakte pflegen können. Auch Marco Ehrenleitner (CSU) hielt den Unterstand für „wichtig und richtig“.
Einstimmig beschloss der Gemeinderat das Konzept. Die Pflege der neuen Flächen soll für einen Zeitraum von vier Jahren ausgeschrieben werden, während die Baumpflege bei der Gemeinde verbleibt.