Prien/Rimsting – Das Kinder- und Jugendtheaterfestival in Prien und Rimsting war ein voller Erfolg. Sei es eine Geschichtenreise, Märchenerzählungen oder Workshops – das Programm sorgte bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei den Eltern für positive Resonanz. Doch wie kann man regelmäßig ein niederschwelliges Kulturprogramm für die junge Generation im Raum Prien etablieren?
Kultur muss mehr
als Ehrenamt sein
Dieser Frage gingen kurz nach dem Festival zahlreiche Vertreter aus Politik und Kultur sowie interessierte Besucher nach. In einer Folgedebatte in der Galerie im Alten Rathaus wurden nun erste Ergebnisse präsentiert. Bereits bei der ersten Veranstaltung hatte Anke Hellmann, Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, betont, dass Kunstgenuss „heilsam und präventiv“ sei. Einig war sich die Runde auch darin, dass es für den Erfolg Vorbilder brauche und Kultur nicht umsonst zu haben sei.
Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Finanzierung. Kultur dürfe nicht, wie so oft, ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis geleistet werden. Winni Wolke, Kulturbeauftragter der Gemeinde Aschau, verwies darauf, dass Kultur keine gesetzliche Pflichtaufgabe einer Gemeinde sei. Um die Förderung dennoch zu sichern, setze der Verein Kulturbühne Aschau bewusst auf ein attraktives Familienprogramm. Der Landtagsabgeordnete Josef Lausch betonte ergänzend, dass Bayern ein echtes „Kulturvolk“ sei. Die Theater in Bad Feilnbach, Bad Endorf oder Kiefersfelden zählten immerhin zu den ältesten Bühnen in ganz Deutschland. Das Fazit der Expertenrunde: Kultur braucht mehr Wertschätzung und zielgerichtetere Förderung. Zudem seien eine bessere Anbindung an den ÖPNV, geeignete Räumlichkeiten und gemeindeübergreifende Kulturpartnerschaften essenziell für die Zukunft.
Bezüglich der Suche nach geeigneten Räumen konnte Tobi Huber, Leiter für Tourismus, Marketing und Wirtschaftsförderung der Gemeinde Prien, Neuigkeiten vermelden. Aktuell wird geprüft, ob das Atrium am Sportplatz Prien für kulturelle Zwecke ertüchtigt werden kann. Eine Arbeitsgemeinschaft soll hierfür ein Nutzungskonzept samt Kostenaufstellung erarbeiten und der Gemeinde vorlegen.
Leonie von Bomhard brachte zudem die Idee eines Erweiterungsbaus an der Franziska-Hager-Grundschule ein. Ein multifunktionaler Raum könnte von mehreren Schulen genutzt werden und die interschulische Zusammenarbeit stärken. Landtagsmitglied Martin Brunnhuber hieß diesen Vorschlag gut und verwies auf positive Beispiele aus Skandinavien. Dort sei es völlig selbstverständlich, dass Schulräume auch außerhalb der Unterrichtszeiten für die Gemeinschaft genutzt werden.
Kritische Töne gab es zur aktuellen Situation im Jugendzentrum. Michael vom Jugendrat berichtete, dass kreative Angebote im „PrienaYou“ nur eingeschränkt angenommen werden. Viele Jugendliche fühlen sich dort nicht ausreichend angesprochen oder willkommen. Das Problem sei bekannt und man arbeite bereits intensiv an Lösungen, erklärte Karina Dingler, Kulturreferentin der Gemeinde Prien.
Dani Wolf vom Verband freier Kinder- und Jugendtheater Bayern sowie die Designerin Roberta Ragonese berichteten von einer regen Nachfrage an Workshops. Besonders in praxisorientierten Formaten wie Graffiti, Musik oder Theater sehen die Experten großes Potenzial. Einig war man sich, dass Eltern wieder stärker für den Wert kultureller Teilhabe sensibilisiert werden müssen.
Auch Schulen sollten, etwa durch den Ganztagesausbau, stärker als Partner in die Kulturförderung einbezogen werden.
Jugendliche vermissen
spezifische Angebote
Ein weiterer Wunsch der Beteiligten war eine stärkere Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander. Anke Hellmann verwies in diesem Zusammenhang auf den geplanten Kulturatlas des Landkreises. Zudem brauche es bezüglich staatlicher Förderungen mehr Transparenz und eine zentrale Plattform, die Möglichkeiten im ländlichen Raum übersichtlich zugänglich macht.
Erste „zarte Pflänzchen“ für ein dauerhaftes Kulturprogramm sind somit gesetzt. In einigen Monaten wollen sich die Kultur-Macher erneut treffen, um die Fortschritte der Projekte im Raum Prien zu bewerten.