Siegsdorf – „Mit einem dankbaren Herzen sagen wir heute: Das Papillon ist leider ab sofort geschlossen. Wir sind selber ganz betroffen und können es noch nicht ganz glauben.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich das Team des Papillon auf Facebook von seinen Gästen. Ein kurzer, emotionaler Satz – und zugleich das plötzliche Ende eines Projekts, das in Siegsdorf erst vor gut eineinhalb Jahren neu begonnen hatte.
Blick auf die
Anfänge
Noch im Oktober 2024 war das Café-Restaurant gegenüber dem Höpflinger Bahnhof mit viel Euphorie wiedereröffnet worden. Zuvor hatte das Gebäude seit dem Sommer 2022 leer gestanden.
Damals war der langjährige Wirt Robert Krininger überraschend verstorben – ein Ereignis, das im Ort große Bestürzung auslöste und das Papillon zunächst verstummen ließ.
Erst mit Pächterin Andrea Fenninger kam Bewegung in die Zukunft des Standorts. Ihr Ziel: Ein Ort, „wo man runterkommen kann“ – mit Frühstück, hausgemachten Speisen und einer Mischung aus bodenständiger und kreativer Küche. Gemeinsam mit Eigentümer Bernhard Sailer wurde das Gebäude dafür umfassend modernisiert.
Sailer, Seniorchef des Hofbräuhauses Traunstein, investierte nach eigenen Angaben erheblich in die Sanierung. Neue Küchentechnik, energetische Maßnahmen und eine komplett überarbeitete Einrichtung sollten die Grundlage für einen langfristig erfolgreichen Betrieb schaffen. Die Ausgangslage galt als vielversprechend. Doch nur rund eineinhalb Jahre nach der Neueröffnung ist das Kapitel bereits wieder beendet.
Die Gründe für die Schließung benennt Andrea Fenninger gegenüber chiemgau24.de mit einer kurzen Stellungnahme: „Die anfallende Pacht und vor allem die zunehmend steigenden Betriebs- und Heizkosten für dieses Gebäude konnten leider trotz steigender Auslastung und steigenden Umsatz nicht erwirtschaftet werden.“ Damit verweist die Betreiberin auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die aus ihrer Sicht den Weiterbetrieb unmöglich machten.
Die Eigentümerseite beschreibt die Entwicklung aus einer anderen Perspektive. Pressesprecherin Katharina Gaßner vom Hofbräuhaus Traunstein betont den hohen Aufwand, der nach dem Tod Kriningers in die Wiederbelebung des Standorts gesteckt wurde. Man sei „voller Euphorie“ in die Zusammenarbeit gestartet. Das Konzept sei zunächst gut angenommen worden, habe sich jedoch nicht wie erhofft weiterentwickelt.
„Dass sie dann so schnell die Reißleine zieht, damit hat bei uns im Haus auch keiner gerechnet. Es hat sich leider alles scheinbar negativ entwickelt“, so Gaßner.
Aus ihrer Sicht habe sich wohl bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet, dass der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt. „Unterm Strich ist anscheinend das Konzept dann einfach wirklich nicht aufgegangen“, erklärt die Sprecherin. Die Schließung sei letztlich dennoch überraschend schnell erfolgt.
Unter dem Abschiedspost des Papillon zeigt sich auch in der Bevölkerung ein geteiltes Bild. In den Kommentaren wird teils kritisch über die Ausrichtung der Speisenkarte diskutiert. Einige Nutzer bemängeln, dass klassische, bodenständige Gerichte gefehlt hätten. „Die Speisenkarte mit diesem teuren Schickimicki healthy Food Gedöns ist nicht das, was wir in Siegsdorf brauchen“, schreibt ein Nutzer.
Andere Gäste widersprechen dieser Darstellung deutlich. Ein Besucher berichtet von klassischen Speisen wie Rindergulasch mit Knödeln und betont, dass „Schickimicki“ dort nicht zu finden gewesen sei. Auch Preis und Qualität seien aus seiner Sicht angemessen gewesen. Schnitzel und Currywurst, so ein anderer Kommentar, gäbe es ja bereits sonst überall, und könne man sich auch zu Hause kochen. Auch im Restaurant-Check von Chiemgau24.de fiel die Bewertung der Tester im Papillon durchweg positiv aus.
Gäste sind
betroffen
Neben der Diskussion über das Konzept überwiegt bei vielen Kommentaren jedoch die Enttäuschung. Zahlreiche Gäste zeigen sich betroffen über die Schließung und erinnern sich an positive Erlebnisse im Papillon.
„Ich bin so traurig – so ein schönes Bistro mit einem wunderbaren Flair“, heißt es in einem Beitrag. Auch das Frühstücksangebot wird mehrfach gelobt. Viele bedanken sich beim Team für die gemeinsame Zeit und wünschen ihm alles Gute.
Wie es mit dem Standort weitergeht, ist derzeit noch offen. Laut Gaßner laufen bereits Gespräche über eine mögliche Nachfolge. Ziel sei es, das Objekt wieder mit Leben zu füllen und langfristig eine funktionierende Gastronomie zu etablieren. Vorerst bleibt das Papillon jedoch geschlossen. Zurück bleibt ein Ort mit bewegter Geschichte und ungewisser Zukunft.