Sie kennt die Pfarrkirche bis ins kleinste Eck

von Redaktion

Abschied von Anneliese Strehhuber – Über 20 Jahre lang ehrenamtlich Kirchenführungen angeboten

Grassau – Welche besonderen Schätze in der Grassauer Kirche im Verborgenen liegen und nicht sofort ins Auge fallen, das weiß Anneliese Strehhuber nur zu gut. 20 Jahre lang führte sie Gäste wie Einheimische interessant und informativ durch das imposante Gotteshaus. Schweren Herzens musste sie diese Aufgabe nun abgeben, da sie die Führungen nicht mehr machen kann. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz dankten ihr Bürgermeister Stefan Kattari und Tourist-Informationsleiter Max Felber.

„Es war eine schöne Zeit“, schwärmt die Kirchenexpertin. Sie erinnerte daran, dass ihr Gatte, Altbürgermeister Konrad Strehhuber, die Kirchenchronik geschrieben und hierfür viel recherchiert habe. Dadurch sei auch sie noch enger mit der Geschichte der Pfarrkirche verbunden gewesen. Zudem habe sie alte Schriften, darunter an die 200 Jahre alte Briefverkehre, gelesen und transkribiert, die für sie äußerst spannend gewesen seien. „Da gab es früher durchaus streitbare Pfarrer“, erklärt sie. So manches Mal habe sie dabei auch lachen müssen. Dieses Wissen habe ihr bei den Führungen geholfen, denn die schöne, üppig ausstaffierte Kirche mit ihren vielen Figuren, Fresken und Gemälden biete viele interessante Einblicke in die Geschichte und in das Leben der Menschen von damals. Anneliese Strehhuber ist immer noch fasziniert von ihrer Kirche.

In den über zwei Jahrzehnten habe es viele lustige Begegnungen gegeben. In Erinnerung seien ihr unter anderem ein paar japanische Damen geblieben, die sehr geschichtsinteressiert gewesen seien und zudem noch ausgesprochen gutes Deutsch gesprochen hätten. Einen besonderen Blick seien die Zunftstangen und die blaue Madonna wert. „Ein bisschen gruseln durften sich die Führungsteilnehmer auch“, erklärt sie, bei der Besichtigung der Totenkapelle mit den vielen Schädeln und dem Gemälde, auf dem ein Schädel ohne Gesicht den Betrachter und dessen Endlichkeit symbolisieren soll.

In den über zwei Jahrzehnten gab es alle zwei Wochen von Mai bis September eine Führung. Je nach Wetterlage kamen viele Besucher, manchmal war es jedoch nur ein einziger. „Da gab es eben eine exklusive Führung“, so Anneliese Strehhuber. An eine Führung, die dann ausfiel, erinnerte sie sich gut. Damals habe sie auf eine Radwandergruppe gewartet. Über eine Stunde habe sie gewartet, doch die Gruppe sei nicht gekommen. Im Radio habe sie dann gehört, dass eine Radlergruppe einen Unfall hatte, und da habe sie gewusst, wo die Gruppe abgeblieben war. Mit den Jahreszahlen habe sie es nicht so genau genommen, gibt sie zu. „An die erinnert sich hinterher eh keiner mehr“, meinte sie. Wohl aber an die Geschichten drumherum. Einmal habe sich jemand beschwert, weil eine Fliege im Taufbecken war, sagte sie und meinte, da müsse man dann schlagfertig sein. Den meisten Leuten habe es immer sehr gut gefallen. Dies bestätigte auch Max Felber. Die Kirchenführungen seien auch immer für alle Geschichtsinteressierten, unabhängig von der Religion, spannend gewesen. Das Interesse an dem Gotteshaus konnte Bürgermeister Kattari nachvollziehen. Er meinte, dass Kirchen immer dazu da gewesen seien, die Menschen zu beeindrucken. Und die Grassauer Kirche sei sicherlich beeindruckend. Felber versicherte, dass es weiterhin Kirchenführungen geben werde, jedoch nur noch an speziellen Terminen, die in der Tourist-Information zu erfragen seien.tb

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