Edelstahl-Kammern für autarke Versorgung

von Redaktion

Die Pläne für die neue Trinkwasserversorgung in Staudach-Egerndach stehen. Für 1,7 Millionen Euro entstehen moderne Edelstahl-Kammern, die eine autarke Versorgung sichern. Bürgermeisterin Martina Gaukler präsentierte Details, wonach die Bürger ab Herbst wieder ungechlortes Quellwasser genießen können.

Staudach-Egerndach – Bewusst zweigeteilt wurde in diesem Jahr die Bürgerversammlung. Die Gelegenheit wurde genutzt, um speziell und ausführlich auf die wohl größte Baumaßnahme der vergangenen und künftigen Wahlperiode zu verweisen: den Bau eines neuen Wasserhochbehälters. Neben Bürgermeisterin Martina Gaukler informierte Georg Hacher, Wasserwerksleiter in Marquartstein, der mit der Projektierung bestens vertraut ist.

Besondere
Herausforderung

„Die Wasserversorgung ist eine besondere Herausforderung“, so Bürgermeisterin Martina Gaukler. Insgesamt wurden knapp 63.000 Kubikmeter Wasser verkauft. In der letztjährigen Bürgerversammlung habe sie angekündigt, dass man in die Trinkwasserversorgung investieren müsse. Bereits 2022 habe man angefangen, sich Gedanken zu machen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Dabei wurde untersucht, ob der erdüberdachte, betonierte Hochbehälter mit zwei Kammern zu je 100 Kubikmetern Fassungsvermögen saniert werden kann. Die Studie zeigte jedoch, dass eine Sanierung teurer als ein Neubau sei.

Man habe sich, so die Rathauschefin weiter, verschiedene Varianten angesehen und sich früh auf eine Edelstahlausführung geeinigt. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Im Juli wurde ein Keim im Wasser entdeckt und eine Abkochverfügung erteilt. Diese wurde zwar wieder aufgehoben, doch seither muss das Wasser gechlort werden. Das Gesundheitsamt äußerte die Sorge, dass die Verunreinigung vom überalterten Hochbehälter stamme. Folglich werde die Verfügung zur Chlorung erst wieder aufgehoben, wenn Ersatz besteht.

Gaukler betonte, dass die Gemeinde über bestes Bergwasser aus einer Quelle oberhalb von Straßberg verfüge und man dieses reine Wasser auch nutzen sollte. Sie zeigte auf, wie das Wasser im Freispiegel seinen Weg in den Hochbehälter und von dort in die Wasserhähne findet. Auch künftig solle möglichst auf Pumpen verzichtet werden. Folglich wurde nach einem Standort gesucht, der begünstigt durch die Hanglage das Wasser wiederum im Freispiegel transportiert. Dies sei gegenüber dem „Staudach-Denkmal“ möglich. Hier wird der neue Hochbehälter stationiert.

Unaufschiebbar sei zudem die Ertüchtigung der Aufbereitungsanlage Hafenberg. Die Anlage müsste um eine Ultrafiltrationsanlage erweitert werden. Doch dies sei im vorhandenen Gebäude nicht umsetzbar. So einigte man sich darauf, auch die Aufbereitungsanlage zu erneuern. Die neue Anlage wird 16 Meter lang sowie drei Meter breit und um einen kleinen Hochbehälter ergänzt. Die Aufbereitungsanlage wird an einem Stück produziert. Aktuell geht man von Kosten für den Unterbrecherschacht in Höhe von 300.000 Euro aus.

Das weit teurere Gebäude wird der neue Hochbehälter werden. Die Standortsuche war schließlich beim Denkmal erfolgreich. „Sollte einmal der Strom ausfallen, dann haben wir trotzdem Wasser“, betonte Gaukler. Der Standort ermögliche es, dass durch das natürliche Gefälle alle Haushalte Wasser erhalten, da keine Pumpen benötigt werden. Die Hochbehälter werden liegend auf einem Sandbett in den Boden eingebracht. Der Eingriff in die Natur sei dabei gering, so die Bürgermeisterin.

Jede der drei Röhren ist 18 Meter lang und drei Meter breit. Georg Hacher fügte an, dass dieser liegende Einbau viele Vorteile bringe. So seien die Kammern vor fallenden Bäumen, Sturmschäden und auch vor Hochwasser geschützt. Auch seien die Kosten durch die Gründung auf einem Sandbett geringer, da keine Ausgaben für Beton anfallen. Jede Röhre wird einzeln auf einem Sattelschlepper angeliefert und das Bauwerk vor Ort zusammengefügt. Die Bauarbeiten werden rund eine Woche dauern, und bereits nach vier Wochen kann der Hochbehälter in Betrieb gehen.

Dies wird voraussichtlich ab Herbst der Fall sein. Dann wird es in Staudach-Egerndach wieder ungechlortes Wasser geben. Die Planung schlägt mit 120.000 Euro, das Gebäude mit 600.000 Euro und die Anlagensteuerung mit 60.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen Nebenkosten von 20.000 Euro sowie der Tief- und Leitungsbau mit 600.000 Euro netto. Insgesamt investiert die Gemeinde 1,7 Millionen Euro. Die ursprüngliche Machbarkeitsstudie war noch von 2,5 Millionen Euro ausgegangen. „Durch ein wahnsinniges Engagement aller Beteiligten können die Kosten geringer gehalten werden“, lobte Gaukler. In der Wasserversorgung gilt das Kostendeckungsprinzip. Somit müssen Investitionen über Beiträge und Gebühren wieder refinanziert werden. Wie letztlich die Kosten auf die 1.200 Bürger umgelegt werden, steht noch nicht fest. Über die Rücklagen der Gemeinde wird die Investition zwischenfinanziert, somit müssen keine Vorauszahlungen verlangt werden. Die Baustelleneinrichtung läuft bereits, und schon im April wird mit der Anlieferung der Aufbereitungsanlage gerechnet. Dann beginnt der Leitungs- und Trassenbau. Es könne dabei auch zu Wassersperrungen kommen. Dennoch sei der Gemeinde stark daran gelegen, die Beeinträchtigungen gering zu halten. „Wenn das geschafft ist, haben wir über Jahrzehnte Ruhe“, so Gaukler. Georg Hacher fügte hinzu, dass der Hochbehälter als „Modell Staudach-Egerndach“ bezeichnet werde, da er direkt auf den Bedarf zugeschnitten sei.

Alter Hochbehälter
bleibt Löschwasserreserve

Zum alten Hochbehälter ergänzte Martina Gaukler, dass dieser als Löschwasserreserve weiter existieren werde. Er wird vorab von der Trinkwasserleitung getrennt. Somit bleibt für den Ortsbereich Mühlwinkl eine Reserve von zweimal 100 Kubikmetern Löschwasser vorhanden. Auf Nachfrage zur Lebensdauer erklärte Hacher, dass diese mit 60 bis 80 Jahren angegeben werde. Die Technik sei nicht neu, und Erfahrungen nach 20 Jahren zeigten keinerlei Abnutzung.

Gefragt wurde zudem, ob die liegenden Rohre auch Umwelteinflüsse wie Bergdruck aushalten. Die Fläche werde natürlich befestigt und ein statischer Unterbau hergestellt. Auch Dränagen werden gesetzt, damit Starkregen abgeführt werden kann. Mit den ausführlichen Informationen, die reichlich mit Bildern dokumentiert waren, zeigten sich die Bürger zufrieden.

Artikel 1 von 11