2.700 Kilometer alleine zum Nordkap

von Redaktion

Nach einem traumatischen Jahr wanderte der Aschauer Max Baudrexl allein durch die Wildnis Norwegens. Nun berichtet der Fotograf von seiner Tour zum Nordkap. Bei Veranstaltungen in Traunstein und Bergen erzählt er von seinen Erlebnissen, dem Mut zum Neuanfang und von seiner Suche nach Freiheit.

Aschau/Prien – Es ist ein Vorhaben, das erst einmal ungeheuerlich erscheint: Norwegen der Länge nach zu durchqueren. Eine Strecke von 2.700 Kilometern. Allein, zu Fuß, mit Zelt und nur mit dem Nötigsten im Rucksack. Max Baudrexl verbrachte vier Monate in der Einsamkeit und großteils abseits der Zivilisation.

Er war begeistert von erhabenen Landschaften, dem Polarlicht und Momenten absoluter Ruhe und inneren Friedens. Aber er war auch getrieben von Tagen voller Zweifel mit Dauerregen, Mückenplagen, sumpfigen Wegen und Hindernissen. Er sei oft „mental komplett am Ende“ gewesen, wie Baudrexl es ausdrückt.

2.700 Kilometer zu
Fuß durch die Wildnis

Max Baudrexl (44), Filmemacher und Fotograf aus Aschau, hat sich dem Abenteuer einer Reise ins Unbekannte gestellt. Bei Vorträgen mit atemberaubenden Fotografien, Buchvorstellung und Lesung in der Region nimmt er die Besucher mit auf einen faszinierenden Weg.

Es geht um die Erkundung des inneren Kompasses und der Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Die kommenden Termine sind: am morgigen Mittwoch, 1. April um 19 Uhr im Lehmhaus in Traunstein und am Donnerstag, 9. April um 19.30 Uhr in Bergen (Rudolf-Alexander-Schröder-Haus).

Zwei belastende Ereignisse setzten den Auftakt für die wohl größte Herausforderung, die der gebürtige Bochumer bisher angenommen hat. Da war die Nachricht vom Absturz seiner Frau Nicole bei einem Gleitschirmflug in Frankreich mit schweren Verletzungen. Zudem ereignete sich ein tödlicher Flugunfall einer befreundeten Pilotin am gleichen Tag in Slowenien. Beide Ereignisse trafen Max Baudrexl tief. Er begriff, dass das Leben von einem Moment auf den anderen die Richtung ändern oder zu Ende sein kann.

Nach Monaten voller Bangen und Stress beschloss der selbstständige PR-Experte, eine Auszeit zu nehmen. Er wollte Orientierung finden, durchatmen und das Leben spüren. Baudrexl entschloss sich zunächst zu einer 120 Kilometer langen Wanderung um den Lysefjord im südlichen Norwegen. Das Land mit seiner wilden Schönheit war immer schon ein heimlicher Sehnsuchtsort von ihm gewesen. Der Wahl-Chiemgauer spürte, wie die Getriebenheit im Beruf mit jedem Schritt der Leichtigkeit des Daseins wich.

Kampf gegen
Zweifel und Kälte

Nach der Rückkehr stieß er auf den Blogeintrag einer Frau, die Norwegen mit ihrem Hund durchquert hatte. Die Erzählungen über die einsame Natur des hohen Nordens und die Polarlichter ließen ihn nicht mehr los. Der Gedanke an eine eigene Reise zu Fuß quer durch Norwegen bis zum Nordkap nahm Gestalt an. Knapp acht Monate später stand die Planung. Im Mai 2023 ging es los.

In seinem Buch schildert Max Baudrexl, wie der einsame Marsch durch die Wildnis für ihn zum Sinnbild für das Leben wurde. Schneefelder, Kälte, Sümpfe und Schlafmangel waren Hindernisse, denen er sich stellen musste. „In einer krassen Situation war ich kurz davor, die Reise abzubrechen“, sagt er im Gespräch mit dem OVB. Er kämpfte mit Hungerattacken und der Konfrontation mit existenziellen Fragen.

Immer mehr entwickelte der Weg bis zum Nordkap seine eigene Dynamik. Das Durchwandern erhabener Landschaften und die Begegnung mit beeindruckenden Menschen verschafften ihm Gelassenheit.

Begleitet von Bildern voller Schönheit berichtet der Nordkapwanderer aus dem Chiemgau nun von dem Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. „Fühlt sich nach Leben an“, lautet das aktuelle Buch von Max Baudrexl, das am 2. April im Malik-Verlag erscheint.

„Fühlt sichnach Leben an“

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