Traunstein – Der Traunsteiner Georgiritt am Ostermontag kann heuer mit einem ganz besonderen Jubiläum aufwarten. Der Schwerttanz, der den Sieg des Frühlings über den Winter symbolisieren soll, wurde vor hundert Jahren erstmals wieder aufgeführt. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1530 zurück.
Eifrige Vorbereitungen
für das große Jubiläum
Der historische Tanz wird um 9.30 und um 14 Uhr auf dem Stadtplatz aufgeführt. Die Wallfahrt durch die Stadt hinauf zum Ettendorfer Kircherl beginnt um 10 Uhr. Der Vorsitzende des Georgi-Vereins, Simon Schreiber, hofft, dass ähnlich viele Pferdebesitzer mit ihren Vierbeinern teilnehmen werden wie im vergangenen Jahr. 2025 wurden 385 Pferde gezählt, die größte Zahl seit 2016, als 401 Tiere am Ritt teilnahmen. Beim Vorbeizug am Ettendorfer Kircherl wird Diakon Tobias Raab die Teilnehmer segnen.
Simon Schreiber, Vorsitzender des Georgi-Vereins, hofft auf schönes Wetter und einen unfallfreien Verlauf des Pferdeumritts. In einem Pressegespräch berichtete er diese Woche, dass die Schwerttänzer eifrig geübt haben. Ziel ist es, zum Jubiläum eine saubere Darbietung des historischen Tanzes auf der Bühne am Stadtplatz hinzubekommen.
Auch die übrigen Vorbereitungen für den Festtag seien reibungslos vonstattengegangen, so Schreiber. Seit dem 21. Februar fuhr die Vorstandschaft in 13 Nachbargemeinden zum Rittbitten. Überall habe man die Zusage der örtlichen Rosserer bekommen, zahlreich an der Wallfahrt teilnehmen zu wollen.
Ein Bruch
mit der Tradition
Es war lange Tradition, dass keine Ehrengäste aus der „großen Politik“ zu diesem Festtag eingeladen wurden. Unter den früheren Vorstandsmitgliedern des Georgi-Vereins war oberstes Gebot das „Mia san Mia“. Aber die Zeiten haben sich geändert: In den letzten Jahren haben sich manche Politiker selbst eingeladen und waren von der Veranstaltung begeistert.
Nun hat man mit der Tradition gebrochen – aus gutem Grund, wie Simon Schreiber verriet. In der Kutsche des Georgivereins fuhren alljährlich traditionell die Ehrenmitglieder mit. Von denen habe man momentan nur noch drei. „Was lag da näher, als die Kutsche aufzufüllen?“, fragt er. Ehrengäste in diesem Jahr werden der Erzbischof Kardinal Reinhard Marx sowie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sein. Ebenfalls geladen ist der Vorsitzende des Pferdezuchtverbandes Oberbayern, Florian Schelle.
Bekenntnis zum
christlichen Glauben
Unter dem Geläut der Kirchenglocken von St. Oswald setzt sich der Zug am Ostermontag um 10 Uhr in Bewegung. Die Verantwortlichen des Georgi-Vereins betonen, die Veranstaltung solle eine Mischung aus farbenfrohem Historienspiel, lebendigem Brauchtum und dem Bekenntnis zum christlichen Glauben bleiben. Dabei soll der Wallfahrtscharakter im Vordergrund stehen.
Veranstaltet wird der Ritt vom St.-Georgs-Verein Traunstein sowie der Stadt Traunstein und der Stadtkirche. Seit zehn Jahren stehen Ritt und Schwerttanz im Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Lange Geschichte
des Schwerttanzes
Beim Schwerttanz stellt der rot gekleidete Vortänzer den Frühling dar und die beiden Wurstln, dargestellt von Kindern, die Wintergeister. Ihnen wird am Ende des Tanzes symbolisch die Kehle durchgeschnitten. Der Frühling wird als Zeichen des Sieges auf einer Plattform aus ineinandergesteckten Schwertern emporgehoben. Der Traunsteiner Apotheker Dr. phil. Georg Schierghofer entdeckte 1922 im Stadtarchiv Dokumente, aus denen die lange Geschichte des Tanzes hervorging. Drei Jahre danach begann man damit, die Wiederaufführung zu planen. Die erste Aufführung fand am Ostersonntag 1926 statt. Tags darauf führte man den Tanz im Rahmen des Georgiritts auf. Nach der Pause während des Zweiten Weltkriegs wurde er 1948 erstmals wieder dargeboten.