Vom OP-Tisch im Blitztempo auf die Olympia-Piste

von Redaktion

Nur wenige Tage blieben Ski-Freestylerin Muriel Mohr nach einer Knie-OP, um ihren Traum vom OlympiaWettkampf zu realisieren. Dass alles gut ging, verdankt sie auch einer Sportschmiede in der Region: „Sports Innovated“ in Rimsting macht verletzte Leistungssportler wieder fit. Nach den Spielen erzählt die Athletin, welche Risiken mit solchen Blitz-Comebacks einhergehen.

Rimsting – Nach einem Kreuzbandriss hatte es Muriel Mohr gerade rechtzeitig geschafft, für ihren großen Traum, die Olympischen Spiele, wieder fit zu sein. Viele Tage, Wochen und Monate schuftete die Ski-Freestylerin bei „Sports Innovated“ in Rimsting an ihrem Comeback. Das feierte sie im Dezember 2025 im Weltcup und blickte voller Vorfreude auf ihre ersten Olympischen Spiele in Norditalien.

Doch dann verletzte sich die in Aschheim bei München lebende Sportlerin dort erneut am linken Knie. Zunächst stand ein erneuter Kreuzbandriss im Raum, letztlich war es „nur“ ein eingeklemmter Meniskuslappen. „Mein Arzt sagte mir nach dem MRT: ‚Die gute Nachricht, das Kreuzband ist heil, die schlechte, du hast morgen eine OP‘“, erinnert sich Mohr bei einem Besuch in Rimsting.

Die Chancen
standen 50:50

Sie habe dann nach ihren Chancen gefragt, bei den Spielen im Wettkampf zu starten: „50:50, dass ich es schaffe. Da war für mich klar: Ich probiere alles, was geht, nehme jede Hilfe, die ich bekommen kann, und gebe mein Bestes, um mich acht Tage später von der Rampe runterschießen zu lassen.“

Den Slopestyle-Wettbewerb verpasste Mohr, aber den Big-Air-Contest wollte sie unbedingt bestreiten. Der Unterschied der beiden Wettkämpfe: Im Slopestyle gilt es, in einem Parcours aus Hindernissen und Sprüngen verschiedene Tricks zu zeigen, beim Big-Air gibt es einen großen Kicker. Hier wird der eine Sprung von der Jury bewertet und nicht der ganze Lauf wie beim Slopestyle.

Dabei bestand durchaus eine Gefahr für das noch recht junge Kreuzband im Knie, wie Mohr zugibt: „Nach Knie-OPs muss die Ansteuerung der Muskulatur funktionieren, weil die Muskulatur die Gelenke schützt.“ Darüber hinaus sei die Schwellung im Knie ein Thema gewesen: „Aber das ist dann auch täglich besser geworden. Ich habe das Go vom medizinischen Team bekommen und dann stand einem Start nichts mehr im Weg.“

„Sind uns immer bewusst,
was passieren kann“

Wie hoch das Risiko letztlich war, kann die 19-Jährige im Nachhinein nicht sagen. Es gab aber Momente, „in denen ich mir wirklich gedacht habe: ‚Was mache ich hier eigentlich?‘“ Letztlich sei es Leistungssport und eine Risikosportart. Mohr: „Wir sind uns jede Sekunde bewusst, was wir hier machen und wo wir uns in Gefahr begeben und was alles passieren kann – in dem Moment umso mehr.“

Am Start hätte sie „natürlich“ Angst gehabt, „aber ich habe zu mir gesagt: ‚Hab Vertrauen in dein Knie. Es funktioniert, ich muss einfach nur vertrauen.‘“ Sie habe darauf geachtet, dass sie bei der Landung das Gewicht auf beide Beine verteile und nicht zu viel mit dem rechten kompensiere. „Letztlich hat es funktioniert und ich habe mich wohlgefühlt dabei“, sagt die Studentin. Dass das Vertrauen ins Knie groß war, lag auch am Rimstinger sportwissenschaftlichen Kompetenzzentrum „Sports Innovated“. „Hierhergekommen bin ich nach meinem Kreuzbandriss durch eine Partnerschaft zwischen dem Deutschen Skiverband und ,Sports Innovated‘. Es macht mir extrem viel Spaß hier – auch wenn ich mir wünschte, dass ich jetzt nicht hier sein müsste, aber den Umständen entsprechend fühle ich mich hier sehr wohl.“

Bald noch tiefere Einblicke
bei „Sports Innovated“

Das Besondere in Rimsting sei, dass viele andere Leistungssportler auch hier seien: „Alle möchten zu den nächsten Wettkämpfen und alle haben Bock zu trainieren. Außerdem sind hier alle sehr erfahren und sprechen sich untereinander ab. Selbst wenn man mal einen anderen Physio hat, dann weiß der trotzdem sofort Bescheid.“

Nachdem sie viele Reha-Eindrücke gesammelt hat, überlegt sie sich, auch einen Trainingsplan für das Sommertraining in Rimsting erstellen zu lassen. Und außerdem will sie im Sommer ihr Praktikum bei „Sports Innovated“ machen. Mohr studiert Gesundheitswissenschaft an der TU in München und will in alle Bereiche der Sportschmiede reinschnuppern. Dann kann sie auch wieder ihre Lieblingsstellen am Chiem- und Simssee aufsuchen, die sie aus dem vergangenen Reha-Sommer bestens kennt.

Zunächst steht aber noch der weitere Reha-Prozess nach dem Meniskuseingriff an. Denn der sei nicht verkürzt, sondern durch den Olympiastart nur verschoben worden. Für einen Weltcup-Start wäre sie das Risiko nicht eingegangen. „Vielleicht für eine WM. Es waren schon besondere Bedingungen mit Olympia. Ansonsten hätte ich direkt vier bis sechs Wochen Reha gemacht“, so Mohr. Den nächsten Weltcup Mitte März in Frankreich verpasste sie, ebenso das Saisonfinale in der Schweiz.

Große Wertschätzung,
aber auch viel Drama

Trotzdem: An den Olympischen Spielen teilgenommen zu haben, ist für sie eine ganz und gar positive Erfahrung: „Von der Familie und Freunden habe ich viele Nachrichten bekommen, dass sie alle stolz auf mich sind.“ Das Gefühl, bei den Olympischen Spielen anzutreten, beschreibt sie zwiegespalten: „Natürlich sind die Olympischen Spiele das Größte, was du so als Athletin erreichen kannst. Aber letztlich wird auch so viel Drama und Aufsehen um diesen einen Wettkampf gemacht. Dabei ist es das gleiche Starterfeld, ein ähnlicher Parcours und die gleichen Wettkampfrichter wie bei anderen Wettkämpfen auch.“ Die junge Sportlerin findet es schade, dass auf dem Weltcup so wenig Aufmerksamkeit liegt und ihre Sportart nur alle vier Jahre so richtig präsent in den Medien ist.

Eine außergewöhnliche
olympische Geschichte

Die zweimalige Juniorenweltmeisterin im Slopestyle-Wettbewerb bemängelt, dass der Sport gerade in Deutschland kaum bekannt sei. Das liege auch daran, dass im Free-TV hauptsächlich Ski alpin, Biathlon oder Langlauf gezeigt werde. Geändert werden könne dies, indem gezeigt wird, dass Deutsche auch im Freeski am Start sind. So können Kinder Vorbilder auch in dieser Sportart entdecken. Für eine außergewöhnliche olympische Geschichte hat Mohr auf alle Fälle gesorgt – mit einem wichtigen Drehort in Rimsting.

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