Marquartstein – Auf dem ehemaligen Bahngelände soll die Zukunft der Gemeinde Marquartstein zum Leben erwachen. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es um die Vorstellung und Genehmigung der Auslobung zum Planungswettbewerb für die neue Kindertagesstätte, die Grundschule und den Bürgersaal, die dort entstehen sollen. Auch die Gestaltung der öffentlichen Freiräume auf dem ehemaligen Bahngelände stand im Fokus.
Neue Anforderungen
für den Schulsport
Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) erläuterte den aktuellen Sachstand. In einer Videokonferenz mit der Regierung von Oberbayern wurde demnach erstmals mitgeteilt, dass für die schulaufsichtliche Genehmigung von Neubauten höhere Anforderungen an den Sportunterricht gestellt werden als bei Bestandsbauten.
Nachgewiesen werden müssen nun spezifische Flächen: eine Kleinsporthalle (12 x 18 Meter), ein Rasenspielfeld (40 x 60 Meter), Laufbahnen sowie ein Allwetterplatz mit Weitsprunganlage. Diese Flächen müssen laut Vorgaben nicht zwingend direkt an der Schule liegen. Sie müssen jedoch entweder fußläufig in fünf bis zehn Minuten erreichbar sein oder es muss ein Bustransport sichergestellt werden.
Ohne Bustransfer kämen nur die Räumlichkeiten der Achental-Realschule infrage. Ein Gespräch mit der Schulleitung ist zwar bereits vorgesehen, allerdings müssten dort elf freie Wochenstunden für die Grundschule zur Verfügung gestellt werden, so der Bürgermeister.
Bürgersaal wird zum
Mehrzwecksaal umgeplant
Andreas Scheck zog als Fazit, dass entweder ein Bustransport zu einer Halle mit freien Kapazitäten in Kauf genommen werden oder die Gemeinde eigene Räumlichkeiten schaffen müsse. Hier kam der geplante Veranstaltungssaal ins Gespräch. Dieser könnte als Mehrzwecksaal auch für den Sportunterricht der Grundschule genutzt werden, so die Idee.
Die Aufgabenstellung des Planungswettbewerbs wurde deshalb angepasst: Der ursprüngliche Bürgersaal wird nun durch einen funktionalen Mehrzwecksaal ersetzt. Beispiele aus anderen Kommunen zeigen, dass diese kombinierte Nutzung erfolgreich umsetzbar ist.
Auf Empfehlung der Regierung von Oberbayern wurde das bisher geplante fünfte Klassenzimmer aus dem Programm gestrichen. Sollte ein geburtenstarker Jahrgang dennoch eine Aufteilung erfordern, kann das Musikzimmer übergangsweise als Klassenraum genutzt werden.
Die Verwaltung legte zudem einen Vergleich der Flächen vor. Die Bruttogeschossfläche (BGF) der jetzigen Grundschule beträgt 1.487 Quadratmeter. Im Wettbewerb sind nun 1.913 Quadratmeter für den Neubau vorgesehen. Die Nutzfläche steigt von 726 auf 1.148 Quadratmeter. Besonders der Lehrer- und Verwaltungsbereich sowie die Offene Ganztagsschule inklusive Mensa (270 statt 133 Quadratmeter) erhalten deutlich mehr Platz.
Dritte Kindergartengruppe: Entscheidung vertagt
Ob eine dritte Kindergartengruppe nötig ist, bleibt vorerst offen. Aufgrund rückläufiger Geburtenzahlen und freier Kapazitäten in Nachbargemeinden wurde eine Aktualisierung der Sozialraumanalyse beauftragt. Die Ergebnisse des Büros Demosplan werden in Kürze erwartet und sollen als Grundlage für die endgültige Entscheidung dienen.
Startschuss für den
Planungswettbewerb
Architekt Ralf Wehrhahn betreut den Planungswettbewerb und erläuterte dem Gemeinderat den Ablauf. Der Wettbewerb erfordert Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und Landschaftsarchitekten. Wehrhahn schilderte das Verfahren mit Kolloquium und Preisgericht und stellte den Zeitplan vor.
Im Rat wurde zudem über den Einsatz von BIM (Building Information Modeling) zur virtuellen 3D-Planung diskutiert. Während Martin Riedl (CSU) die Methode befürwortete, riet Toni Entfellner (Grüne/Offene Liste) davon ab, dies als zwingendes Kriterium in die Auslobung aufzunehmen. Letztlich genehmigte der Gemeinderat mit einer Gegenstimme die Auslobung für den Realisierungswettbewerb. Die Kosten belaufen sich auf rund 129.000 Euro netto, wobei das Projekt über die Städtebauförderung bezuschusst wird. Sybilla Wunderlich