Grassau – Jonas Deichmann ist mit allen Wassern gewaschen. Ein Bad im fünf Grad kalten Chiemsee ist für den Extremsportler keine Herausforderung – ebenso wenig ein Lauf über zehn Kilometer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Für die Teilnehmer seines Kurses „High Performance Mindset“ sieht das jedoch anders aus. „Raus aus der Komfortzone“: Dieses Motto spüren die Neu-Abenteurer mit jeder Faser ihres Körpers, und das bereits wenige Stunden nach der Ankunft in Grassau.
Mentale Stärke
durch kleine Schritte
Ein junger Mann mit Schweizer Dialekt fragt den Profi-Abenteurer neugierig in der Hotellobby: „Wie, ich brauche also nicht nur meine Laufschuhe, sondern auch meine Badehose? Was machen wir denn?“ Deichmann lächelt nur: „Das ist eine Überraschungsaktion.“ Er vermittelt damit sofort eine der wichtigsten Tugenden eines Abenteurers: einfach ins kalte Wasser springen – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Noch vor dem Start des offiziellen Programms geht es bei Regen und Schnee vom Hotel „Das Achental“ in Grassau zum Chiemgauhof. Für Deichmann ist das ein „lockeres Läufchen“. Für manche Teilnehmer stellt es jedoch die erste echte Herausforderung dar. Das anschließende Bad im Chiemsee bedeutet für viele den ultimativen Sprung aus der Komfortzone.
„Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn du alles gibst und dann spürst, da geht ja noch mehr?“ Deichmann will die Menschen genau dorthin bringen. In den zwei Tagen geht es für die Gruppe immer wieder über die eigenen Grenzen hinaus – vor allem mental. Genau dort setzt er an: Wo es unangenehm wird und Zweifel kommen. Denn genau dort beginnt die Entwicklung.
Der 38-Jährige weiß, wovon er spricht. Kaum ein anderer hat die Grenzen von Körper und Kopf so oft verschoben wie er. Er verkörpert das Prinzip, das er vermittelt: Große Ziele in kleine Schritte zerlegen – immer nur bis zum nächsten „Schokoriegel“.
Tausende Kilometer durch Wüsten und Gebirge
Tausende Kilometer durch Wüsten und Gebirge, ein Triathlon um die Welt oder 120 Ironman an 120 Tagen: Deichmanns Projekte sind extrem. Es ist jedoch nicht die Leistung allein, die ihn antreibt. Es ist die Leidenschaft für das, was er tut, und der Wunsch, sich diese Freiheit zu bewahren.
Am 25. April startet der gebürtige Stuttgarter in sein nächstes Abenteuer. Es geht 24.000 Kilometer mit dem Gravelbike rund um Europa. An seiner Seite ist Josefine Rutkovski. Für ihn ist das eine neue Herausforderung, da er erstmals im Duo unterwegs ist. Was gleich- bleibt, ist die Lust auf das Ungewisse sowie die Bereitschaft, sich immer wieder neu herauszufordern.
„Auf dem Sofa hat noch niemand mentale Stärke entwickelt“, sagt Deichmann. Gerade eine Region wie der Chiemgau biete dafür perfekte Bedingungen. „Du hast hier alles – See, Berge, Natur. Du musst es nur nutzen.“
Der Chiemgau als
perfektes Trainingsgelände
Sein Tipp für alle lautet: klein anfangen. „Einfach mal rausgehen, vielleicht das erste Mal ins kalte Wasser springen oder draußen übernachten“, sagt Jonas Deichmann. Das sind laut dem Abenteurer kleine Schritte, aber genau daraus entstehe eine echte persönliche Entwicklung.