Achentaler Institution steht kurz vor dem Aus

von Redaktion

Traditionsreicher Brand-Unterstützungsverein soll nach 130 Jahren aufgelöst werden

Schleching – Mit 13 zu 1 Stimmen beauftragte die Generalversammlung des Privat-Unterstützungsvereins bei Brandfällen im Achental die Vorstandschaft, die Auflösung des gesichert 130 Jahre alten Versicherungsvereins vorzubereiten.

15 Teilnehmer, 14 stimmberechtige Mitglieder saßen jüngst im Lesesaal des Bürgerhauses Schleching. 15 von 936, die bekannt sind. Schon diese Zahl umreißt das Dilemma des PrivatUnterstützungsvereins bei Brandfällen im Achental VVaG, dessen älteste bekannte Satzung aus dem Jahr 1896 stammt: Der Verein versichert knapp 1.500 Gebäude zwischen Reit im Winkl und Übersee – doch bei vielen weiß er nicht einmal mehr, wem sie gehören.

Versammlungsleiter Wolfgang Bachmann, der im Auftrag von Vorsitzendem Josef Hinterholzer durch den Abend führte, machte den Anwesenden per PowerPoint-Präsentation deutlich, wo das Problem liegt. Nahezu alle Mitglieder haben mittlerweile neben einer Gebäudeversicherung auch vollwertige Inventarversicherungen bei regulären Versicherern. Bachmann schilderte einen Brandfall, der rund zehn Jahre zurückliegt: Der Geschädigte habe das angebotene Geld des Vereins abgelehnt, weil seine Versicherung zahle alles, auch die Brotzeit für die Feuerwehr. „Wie sinnvoll ist es, dass wir den Aufwand betreiben und eigentlich nur denen helfen, die sich nicht ordentlich versichert haben?“, fragte Bachmann in die Runde. Die Antwort der Vorstandschaft fiel eindeutig aus: Der Nutzen stehe in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand.

Die bestehende Satzung macht ein Weitermachen zusätzlich schwer. Bachmann nannte zwei Beispiele: Beim Tod eines Mitglieds geht die Mitgliedschaft automatisch auf die Erben über. Kündigt der neue Besitzer nicht innerhalb von vier Wochen, bleibt er Mitglied – oft, ohne davon zu wissen. Die Folge: haufenweise Karteileichen in der Datenbank.

Gravierender noch: Die Satzung regelt nicht, dass der Vereinsausschuss im Amt bleibt, bis ein neuer gewählt ist. Nach Ablauf der dreijährigen Wahlperiode habe der Verein deshalb schon einmal ohne handlungsfähige Vorstandschaft dagestanden. Ein Sonderbeauftragter musste bestellt werden: Kostenpunkt für die Ernennung durch die Regierung von Oberbayern 300 Euro.

Einfach den Schlüssel umdrehen und aufhören – das geht nicht. Die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde hat dem Verein auf Nachfrage in einem Schreiben das Prozedere skizziert: Alle 936 Mitglieder sollten persönlich angeschrieben werden. Eine Bekanntmachung über die Gemeindezeitungen reiche bei einer Auflösungsversammlung nicht aus. Nach einem Auflösungsbeschluss mit Zwei-Drittel-Mehrheit folge ein einjähriges Sperrjahr, in dem das Vereinsvermögen nicht angetastet werden dürfe. Bis zur endgültigen Abwicklung bleibt der Versicherungsschutz bestehen. Brennt in dieser Zeit ein versichertes Gebäude, muss der Verein weiterhin zahlen.

Das Vereinsvermögen liegt derzeit unter 20.000 Euro. Bei knapp 1.000 Mitgliedern mit rund 1.500 Gebäuden käme bei einer Auszahlung an die einzelnen Mitglieder ein Betrag heraus, der die Verwaltungskosten kaum rechtfertigt, zumal der Verein nicht von allen Mitgliedern eine aktuelle Anschrift oder Kontonummer hat. Der Vorstand schlägt deshalb vor, das Restvermögen anteilig nach dem Versicherungsbestand an die Ortsfeuerwehren im Vereinsgebiet zu spenden. Der Vorschlag muss noch mit der Aufsichtsbehörde abgestimmt werden.

Wolfgang Bachmann fragte die Mitglieder einzeln nach ihrer Meinung. Das Bedauern über ein Ende war groß, doch bei den meisten überwog, was sich für eine Fortsetzung ändern müsste.

Der neue Vorstand müsste gefunden werden. Bisher habe niemand seine Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung gezeigt. Es müsste eine zeitgemäße Satzung her. Bachmann schilderte, er habe bei der Regierung von Oberbayern nach einer Mustersatzung gefragt. Es gab damals keine. Eine Satzung eines anderen Unterstützungsvereins habe er erhalten, aber die passe vorne und hinten nicht.

Ein weiteres Mitglied warf ein, der Verein habe durchaus seinen Wert. Im Brandfall sei der Verein sofort zur Stelle und lindere erste Not mit einer Abschlagszahlung. Innerhalb einer Woche bekomme man zumindest schon einmal Geld, während man bei der regulären Versicherung oft Monate auf die Auszahlung warte.

Bachmann räumte ein, die Auflösung werde nicht einfach. Das Weitermachen aber auch nicht. Er stehe im Kontakt mit ähnlichen Vereinen, die sich ebenfalls auflösten – etwa im Raum Siegsdorf und im Bayerischen Wald. Es folgte die Abstimmung mit klarer Mehrheit für eine Auflösung.

Der Vorstand bereitet nun die formellen Schritte vor: persönliche Anschreiben an alle Mitglieder, eine Auflösungsversammlung mit den vorgeschriebenen Tagesordnungspunkten und die Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern.

Der Kassenbericht von Kassier und Schriftführer Wolfgang Bachmann für 2025 wies Einnahmen von 76 Euro an Zinsen aus, die Hauptausgabe war eine nach den Statuten fällige Akontozahlung von 12.000 Euro für einen noch nicht abgerechneten Brandfall in Übersee. Der Kassenbestand zum Jahresende betrug knapp 20.000 Euro. lfl

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