Grassau – Die Grassauer Bauernbühne präsentierte an Ostern die Premiere ihres neuen Stücks „Boandlgeheimnis“ von Ralph Wallner. Das gruselige, abwechslungsreiche und zudem spannende Theaterstück wurde vom Publikum im vollen Hefter Kultursaal gefeiert.
Wer die Premiere verpasst hat, kann dies am Samstag, 11. April, und am Freitag, 17. April, jeweils um 19.30 Uhr, im Hefter-Kultursaal nachholen. Eine Nachmittagsvorstellung ist am Sonntag, 12. April, um 17 Uhr.
Einblicke in die
Welt des Jenseits
Ungewöhnlich, aber so sind die Grassauer Theaterleute, meldeten sich zunächst die Regisseure Michael Strehhuber und Martin Kropf zu Wort und führten in das Stück ein, sodass der Einstieg in die Geschichte der Komödie bestens gelang. Noch bei geschlossenem Vorhang eroberte eine kleine Gruppe den abgetrennten Bühnenbereich und trauerte gemeinsam um den Boandl, den Totengräber, der eine doppelte Lücke hinterlässt. Er hob nicht nur die Gräber für die Verblichenen aus, er führte diese als Sensenmann auch ins Jenseits. Wer übernimmt nun diese Aufgabe?
Die Reise ins Jenseits koordiniert das Schattenamt. Ripperl-Reni, alias Mona Pavlak, muss dies gemeinsam mit ihrem Handlanger, dem Schnitter-Fesl, organisieren. Zur Ausübung ihrer Macht bedarf es zudem des Zauberbuches, das der
Boandl versteckt hat. Die lebenslustigen Geschwister Nepo (Sepp Brunnhuber) und Flora (Lilian Pavlak) haben die alte, gruselige Hütte des Boandl, eines entfernten Verwandten, geerbt. Sie sind entsetzt vom Zustand und auch von der Nachbarschaft, einem Friedhof. Beide wissen nichts von dem überirdischen Beruf ihres Verwandten und finden das mysteriöse Buch, ohne zu wissen, was es damit auf sich hat. Verschiedene Gäste besuchen das Geschwisterpaar. Darunter ist die junge Mali (Melanie Mayer), in die sich Nepo, der nichts anbrennen lässt, sofort verliebt. Flora hingegen stößt auf den Giaßkannen-Bene (Wolfgang Ullrich), den schlauen, verkannten Einzelgänger, der erstmals von Flora, die selbst sehr ungeschickt ist, gesehen wird. Dauergäste im Haus des
Boandl sind die Mehrfachwitwen Hiltrud (Regina Petermüller) und Waltrud (Carolin Troibner), stets auf der Suche nach neuen potenziellen Ehemännern. Während das Geschwisterpaar noch überlegt, was mit dem Erbe angefangen werden kann, und sich im Dorf neue Freundschaften sucht, ist dem Personal aus dem Schattenamt nur daran gelegen, das Zauberbuch sowie einen neuen Boandlkramer zu finden. Mona Pavlak als resolute Boandlchefin konnte in ihrem schwarzen Gewand und mit ihrem Ausdruck Angst verbreiten, was Albert Strehhuber, dem eher ungeschickten Laufburschen, trotz Spinnenhänden und Leichenblässe nicht gelang. Beide füllten ihre Rollen perfekt aus. Auch das jüngere Pendant, die Geschwister, begeisterte. Lilian Pavlak mimte die tollpatschige, aber empathische junge Frau und Nepo den verliebten Luftikus. Besonders gefiel zudem der autistisch wirkende Bene, der zum Rendezvous mit Petersilie erscheint, über seine Witze selbst am meisten lacht und Himbeeren liebt. Die zwei schnatternden und überinteressierten Witwen Regina Petermüller und Carolin Troibner trugen ebenfalls Geheimnisse mit sich und spielten ihre Rollen ausgezeichnet. Die Sympathien des Publikums gehörten zudem Melanie Mayer, die als Mali eine liebenswürdige, verständnisvolle junge Frau mimte. Alle acht Darsteller verkörperten ihre Rollen perfekt.
Kreative Inszenierung und
begeistertes Publikum
Besondere Anerkennung gebührt dem besonders kreativen Bühnenbild, das einen Blick in die Hütte mit Sarg sowie vor das Haus auf den Friedhof gestattete und somit das Spiel auf der Bühne noch abwechslungsreicher machte. Es war ein wahrlich lustiges Stück, nicht ganz von dieser Welt, mit lustigen Dialogen, Spezialeffekten, besonderen Kostümen und zudem einer spannenden, überraschenden Geschichte. Für den anspruchsvollen Bühnenbau zeichneten Albert Strehhuber, Martin Kropf, Stefan Hofmann und Oliver Pavlak verantwortlich. Das Bühnenbild wurde von Barbara Gschwendner entworfen. Die Technik übernahm Hans Göls, und Monika
Noichl soufflierte. Mit langanhaltendem Applaus wurde die hervorragende Vorstellung honoriert.