Ein besonderer Segen vom Kardinal

von Redaktion

Rittnachlese in Traunstein: Über 22.000 Zuschauer beim Georgiritt 2026 – Keine Zwischenfälle

Traunstein/Chiemgau – Zufriedene Gesichter gab es bei den Verantwortlichen des Georgivereins, der Stadt und der Kirche: Bei der offiziellen Rittnachlese im Gasthaus Schnitzlbaumer wurde ein erstes Fazit gezogen. In den Ansprachen wurde deutlich, dass die diesjährige Pferdewallfahrt vom Stadtplatz zum Ettendorfer Kircherl ohne nennenswerte Zwischenfälle und so ruhig wie selten zuvor verlief. Mehr als 22.000 Zuschauer säumten die Straßen und konnten 345 prächtig geschmückte Pferde bewundern.

„Der Wettergott ist vermutlich ein Chiemgauer“, freute sich Simon Schreiber in seiner Ansprache. Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass der Ostermontag trocken blieb und die Schwertertänzer am Nachmittag sprichwörtlich „den Frühling in die Stadt getanzt haben“, als sich schließlich sogar die Sonne durchsetzte. Auffallend sei gewesen, „dass die Rösser heuer extrem ruhig waren – so habe ich das in all den Jahren noch nie erlebt“.

Bereits die 13 Rittbitten im Vorfeld des Georgiritts verliefen durchwegs erfolgreich. Mit 345 beteiligten Pferden waren in diesem Jahr etwa 40 weniger als im vergangenen Jahr dabei.

Teilnehmer und
prominente Ehrengäste

Die Landgemeinde Kammer stellte mit 62 Pferden die größte Gruppe. 29 Pferde kamen aus der Gemeinde Surberg, und 26 Reiter machten sich aus Erlstätt auf den Weg in die Große Kreisstadt.

Ein ebenso farbenprächtiges wie beeindruckendes Bild boten erneut die Teilnehmer der Historischen Gruppe: Pfeiferl, Landsknechte, Schwerttänzer sowie die Ritter Herold und Schaumburg – begleitet von Burgfräulein – ebenso wie der Eiserne Ritter. Allein die Pfeiferlgruppe bestand aus 45 Personen.

Als Ehrengäste nahmen unter anderem die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sowie der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, in den Kutschen Platz. Ebenfalls vertreten waren Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer und Landrat Andreas Danzer.

„Benjamin Krause setzt sich seit seiner Kindheit für den Georgiritt ein. Heute durften wir ihm mit einem Platz in der Ehrenkutsche danken“, erklärte Simon Schreiber.

Sichtlich bewegt zeigte sich der Geehrte auch bei der Rittnachlese durch den anhaltenden Applaus. Zudem nahmen Florian Schelle vom Pferdezuchtverband Oberbayern und Augustin Spiel, ehemaliger Leiter der Stadtmusik, in den Kutschen Platz. Der evangelische Dekan Peter Bertram und sein katholischer Amtsbruder Dr. Florian Schomers komplettierten die Mitfahrer.

Mit den mehr als 22.000 Zuschauern dürften etwas weniger Menschen als im vergangenen Jahr nach Traunstein gekommen sein. „Gerade der Stadtplatz, aber auch der Maxplatz waren so voll wie selten zuvor“, betonte der Vorsitzende. Er zeigte sich zudem erfreut darüber, dass auch rund um das Ettendorfer Kircherl zahlreiche Zuschauer die vorbeiziehenden Pferde bestaunten.

Die Segnung in Ettendorf wurde in diesem Jahr von Diakon Tobias Raab durchgeführt, der gemeinsam mit Kardinal Marx vor Beginn des Rittes einen feierlichen Gottesdienst in der Kirche zelebrierte. Am Stadtplatz spendeten Stadtpfarrer Konrad Roider und Kardinal Reinhard Marx den kirchlichen Segen. Während der gesamten Wallfahrt kam es zu keinerlei Schwierigkeiten mit den Pferden. „Sogar an neuralgischen Punkten wie der Wiese in Ettendorf verlief alles störungsfrei“, so Schreiber.

Für die Verkehrsabsicherung sorgten die Feuerwehren Haslach, Hochberg, Kammer, Traunstein und Wolkersdorf sowie die Aktiven der Feuerwehr Surberg. Auch der Sanitätsdienst konnte den Georgiritt weitgehend ohne Einsätze verfolgen. „Es waren lediglich zwei Behandlungen wegen kleinerer Blessuren notwendig. Ein Zuschauer wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht“, informierte Schreiber.

Ein besonderes Lob richtete der Vorsitzende an die Beamten der bayerischen Polizei und der Bundespolizei. „Gerade an der Bahnunterführung in Ettendorf ist es in diesem Jahr gelungen, die Wartezeiten bei durchfahrenden Zügen sehr kurz zu halten. Dadurch konnte der gesamte Georgiritt flüssig und ohne größere Lücken durchgeführt werden.“ Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ galt zudem den Mitarbeitern der Stadt, insbesondere der Verwaltung, dem Bauhof und der Gärtnerei. Zum Abschluss seines Berichts gab Simon Schreiber die Gewinner des diesjährigen Pferdelottos bekannt. Dabei tippen Verantwortliche und Helfer im Vorfeld die Anzahl der teilnehmenden Pferde. „In diesem Jahr gab es sogar zwei Gewinner“, so Schreiber. Jeweils eine Flasche Wein geht an die beiden Kammerer Zugführer Martin Schmalzbauer und Georg Söldner, die exakt 345 Pferde getippt hatten.

„Erst im Nachgang merkt man, wie schön der Georgiritt auch in diesem Jahr wieder war“, sagte Oberbürgermeister Christian Hümmer. Er dankte ausdrücklich allen beteiligten Rosserern: „Ohne euch und eure Pferde gäbe es den Traunsteiner Georgiritt nicht.“ Besonders würdigte er Simon Schreiber: „Du prägst den gesamten Georgiverein und schaffst es immer wieder, dass alle Beteiligten mit Begeisterung dabei sind.“

Großen Raum nahm in Hümmers Ansprache der Dank an die zahlreichen Helfer ein: „Viele arbeiten im Hintergrund am Gelingen des Rittes. Ohne euch wäre dieser große Festtag im Chiemgau nicht möglich.“ Er ergänzte: „Was wir am Ostermontag in Traunstein erleben, ist etwas Besonderes und für Verein, Kirche und Stadt von großem Wert.“

Kassenwartin Andrea Maier berichtete von einem erfolgreichen Zeichenverkauf: „Unsere Verkäufer haben in diesem Jahr Vollgas gegeben.“ Die Einnahmen tragen unter anderem dazu bei, Ausrüstung und Gewänder instand zu halten. Stellvertretend für die bayerische Staatsregierung dankte sie dem Stimmkreisabgeordneten Konrad Baur für einen Zuschuss zur Erneuerung der historischen Gewänder. Die „Jungpfeiferl“ spielten am Mittag am Stadtplatz mehrere Ständchen und spendeten ihr Trinkgeld ebenfalls dem Verein.

Geselliger Ausklang mit
heiteren Anekdoten

„Unsere 41 Kuchen waren bereits kurz nach Mittag vollständig vergriffen“, berichtete Monika Stockinger, die für das Georgicafé im Rathaus verantwortlich war. Sie dankte den Traunsteiner Bäckereien sowie den privaten Unterstützern für ihre Spenden. Auch Astrid Angerer und ihr Team konnten mit der Hütte am Stadtplatz eine erfreuliche Umsatzsteigerung verzeichnen.

Mit einem gemeinsamen Abendessen und musikalischer Begleitung durch die „Vierteloim Musi“ klang der Abend im voll besetzten Saal gesellig aus. Dabei wurden zahlreiche Anekdoten ausgetauscht. So berichtete Georg Jobst augenzwinkernd, dass sein zweites Jahr als Eiserner Ritter zwar unfallfrei verlaufen sei, „mein Physiotherapeut diese Woche aber dennoch einiges zu tun haben wird“.

Auch über Kardinal Reinhard Marx wurde schmunzelnd erzählt, er habe bei der Segnung „rechts den Weihwassersprenger und links das Schnapsglas“ in der Hand gehabt. „Obwohl ich selbst lange Ministrant in Haslach war, habe ich so etwas noch nicht gesehen“, sagte Christian Hümmer mit einem Augenzwinkern – und ergänzte: „Entsprechend fröhlich ging es dann auch beim gemeinsamen Mittagessen zu.“

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