Unterwössen – Einzig Hauptfigur Ignaz Igel fand es wenig lustig, als ihm Emerenz, seine Schwägerin, den 18. Tag in Folge Breznknödel servierte. Das Lachen des Publikums riss nicht ab. Am Ostersonntag feierte in der Achentalhalle das Wössner Bauerntheater mit Ralph Wallners Komödie „Breznknödl-Deschawü“ Premiere.
Ignaz Igel erlebt jeden Tag genau wie den davor. Der Humor des Stückes geht aber weit über das Erwartete hinaus. Ohne jede Länge nutzte Autor Ralph Wallner das Skurrile dieser Situation, ehe er dem Verwirrspiel mit einem unerwarteten Perspektivwechsel eine ganz neue Richtung gab. Das und die Darsteller holten die rund 150 Besucher des Premierenabends ins Stück.
Der Vorhang im Alten Bad öffnete sich am Ostersonntag zur Premiere des ländlichen Lustspiels. Auf der zweigeteilten Bühne fiel der Blick der Zuschauer links auf ein Autorenzimmer mit Bücherregalen an der Wand, rechts daneben auf eine bäuerliche Stube. Im Mittelpunkt der Handlung steht Ignaz Igel, ein mittelloser Heimatromanschreiber.
Er hängt in einer Zeitschleife fest. Jeden Tag tauchen dieselben Dorfbewohner auf, stellen exakt die gleichen Fragen und die Schwägerin serviert Breznknödl.
Autor Wallner zieht das Tempo der Handlung nach einer stringenten Einführung massiv an. Das Publikum ließ sich gern mitnehmen und lachte viel.
Ignaz Igel, Hauptdarsteller Peter Steiner, stand in seiner Rolle nahezu in jeder Szene im Scheinwerferlicht und bewältigte ein massives Textvolumen. Wenn der Lichteffekt einen neuen Tag anriss, wechselte er übergangslos zwischen Wut, Verzweiflung, Nervenzusammenbruch und Gleichgültigkeit. Später folgten Schadenfreude und Begeisterung, als sich die Konstellation drehte.
„Das Schwierige daran ist, die unterschiedlichen Stimmungen im so raschen Wechsel darzustellen“, erklärte Steiner, der seit rund 25 Jahren Theater spielt. „Eine so lange Rolle hatte ich noch nie.“ Die Umstellung erfordere jedes Mal eine hohe Konzentration, aber die Mitspieler helfen: „Von ihnen bekomme ich den nötigen Input zum Umschwenken.“
Neben Steiner agierte eine Mischung aus langjährigen und neueren Mitgliedern des Bauerntheaters. Der langjährige Akteur Wolfgang Färbinger verkörperte gelungen den leicht dementen, aber bauernschlauen Bürgermeister Hopfmoser. „Nachdem wir in den Vorjahren zwei moderne Stücke aufführten, war es für uns besonders, wieder ein echtes Bauerntheater zu spielen“, sagte Färbinger. Das Arbeitsklima im Ensemble sei hervorragend und man harmoniere auf der Bühne. Andreas Heubach mimte den stolzen Gestütsbesitzer Rosserer Flori. Sophia Wimmer spielte Igels Tochter Hanni. Die Schwägerin Emerenz gab Claudia Schweinöster, Leiterin der Theatergruppe. Vitus Mittermayr ergänzte das Ensemble als Fips.
Regisseurin Johanna Steiner lobte die Textvorlage: „Das Stück ist einfach gut geschrieben.“ Sie findet es spannend, dass jeder in seiner Rolle sein eigenes Süppchen kocht und andere Ziele verfolgt.
Regisseurin Johanna Steiner nutzte für die Übergänge zwischen den Tagen kurze Lichteffekte, welche die zeitlichen Sprünge auf der Bühne markierten. Das hielt die Aufführung in Schwung, Längen gab es keine.
Einige Szenen ließ die Regisseurin vor dem geschlossenen Vorhang spielen. Dort tauschten sich die Gschaftlingerin (Ute Schlechter) und die Betbichlerin (Conny Hagemann) aus. Ein anderes Mal mischte sich Ignaz Igel direkt ins Publikum.
Das Publikum zeigte sich am Ende durchweg begeistert von dem dichten Stück und seinen Wendungen. Stimmen danach lobten die Darsteller, insbesondere Peter Steiner. Die Texte, prall gefüllt mit Wortwitz, strapazierten die Lachmuskeln der Besucher nachhaltig.
Eine Premiere gab es bei der Bühnengestaltung: Erstmals formten bedruckte Planen das Hintergrundbild. Regisseurin Steiner freut sich für die Zukunft über die neuen gestalterischen Möglichkeiten, die das bietet. Wegen der starken Auslastung der Halle stand das endgültige Bühnenbild erst drei Wochen vor der Aufführung. Der Bauhof lieferte die Bühnenteile an, die Männer des Vereins übernahmen den Aufbau.
Weitere Aufführungen in der Achentalhalle finden am heutigen Freitag, Samstag, 11. April, Sonntag, 12. April, Freitag, 17. April, und Samstag, 18. April, statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. Karten gibt es in den Tourist-Informationen im Achental, online über Ticket Scharf sowie an der Abendkasse.