Traunstein – Mit einem glanzvollen und bunten Jubiläumsabend feierten die Traunsteiner Schwertertänzer zusammen mit zahlreichen Gästen in der Aula der Berufsschule an der Wasserburger Straße ein ganz besonderes Jubiläum. Im Jahr 1926 wurde der traditionelle Tanz in seiner heutigen Form erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und hat sich seither kaum verändert. Traunsteins Stadtarchivar Franz Haselbeck trat dabei als Festredner auf. Landrat Andreas Danzer und Oberbürgermeister Christian Hümmer richteten jeweils Grußworte an die Gäste. Den glanzvollen Höhepunkt des Abends setzten mit ihrem Auftritt die Schwertertänzer selbst und erhielten dafür stehenden Applaus. Darüber hinaus wurden einige verdiente Mitglieder geehrt.
„In Gottes Namen
wir treten herein“
„In Gottes Namen wir treten herein“ – so beginnt alljährlich der Ostermontag in Traunstein und passt somit sehr gut zum Georgiritt, der als Wallfahrt mit Pferden ein Bekenntnis zum christlichen Glauben darstellt. Vor 100 Jahren wurde der Traunsteiner Schwertertanz neu inszeniert und gehört seitdem zum festen Jahreskalender der Stadt Traunstein.
Die Uraufführung war exakt am Sonntag, 4. April 1926, in Traunstein. Dieses Jubiläum nahm der St.-Georgs-Verein Traunstein zum Anlass, den Schwertertänzern einen Festabend zu widmen. Dieser wurde mit über 200 geladenen Gästen in der Aula der Berufsschule I gefeiert. Neben ehemaligen Schwertertänzern, Ehrenmitgliedern des Georgi-Vereins und Mitgliedern der historischen Gruppe beim Georgiritt waren auch Traunsteins Stadtoberhaupt Dr. Christian Hümmer und Landrat Andreas Danzer geladen.
Eröffnet wurde der Festakt durch die Fanfarenbläser des Georgi-Vereins, ehe die Schwertertänzer aufmarschierten. Unter den Klängen der Pfeiferl und Trommler marschierten sie in den Saal ein. Der Vorsitzende des St.-Georgs-Vereins, Simon Schreiber, ging in seiner Begrüßung auf die Bedeutung des Schwertertanzes ein. „Dieser ist ein fester Bestandteil des schönsten Festtages im Chiemgau, wenn im Anschluss der Georgiritt am Ostermontag vom Traunsteiner Stadtplatz aus nach Ettendorf zieht“, sagte er stolz. Sowohl der Ritt als auch der Schwertertanz sind seit zehn Jahren immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Simon Schreiber hob auch die Bedeutung dieser Tradition hervor, „die auf Altes besinnen lässt und zugleich in die Zukunft geführt werden soll“. Gemeinsam mit Tanzmeister Karl Weilharter nahm er die Begrüßung vor, hob allerdings besonders die Schwertertänzer, die Pfeiferl und die Landsknechte hervor. Ein großes Dankeschön richtete er auch an die Stadtmusik Traunstein. „Ohne eure musikalische Begleitung wäre diese Aufführung nicht möglich“, stellte der Vorsitzende fest. Traunsteins Stadtoberhaupt Dr. Christian Hümmer betonte: „Der Schwertertanz prägt seit Generationen die Stadt Traunstein“, und ergänzte: „Die Kostüme, die Musik und der Tanz machen Geschichte erlebbar.“ Gleichzeitig würdigte er in seiner Ansprache Karl Weilharter, Simon Schreiber sowie den gesamten Georgi-Verein für deren Wirken rund um den Schwertertanz sowie den Traunsteiner Georgiritt und wünschte allen Verantwortlichen, „dass nicht die Asche, sondern das Feuer und die Glut an die kommenden Generationen weitergegeben werden“.
Traunsteins Landrat Andreas Danzer sprach in seinem Grußwort von „einem gelebten Stück Geschichte“ und ergänzte: „Es ist schön, zu sehen, dass Tradition lebendig bleibt, wenn sie von Menschen getragen wird, die sich ihr verbunden fühlen.“ In seinen Augen seien in einer Zeit der schnellen Veränderungen derartige Traditionen identitätsstiftend und gäben Orientierung. Daher richtete er einen Dank an alle, die den Schwertertanz über Generationen hinweg getragen haben.
Die Ehre des Festredners wurde Traunsteins Stadtarchivar Franz Haselbeck zuteil. In seinem Vortrag griff er sowohl die 500-jährige Geschichte des Traunsteiner Lindlbrunnens auf als auch die Ursprünge des heutigen Traunsteiner Georgiritts, die in den Jahren 1762 beziehungsweise 1785 ihre ersten Erwähnungen als Pferdesegnungen am Ostermontag fanden. Als dritten großen Punkt rückte er den Traunsteiner Schwertertanz in den Blick seiner Ausführungen. Dabei führte er aus, dass es eine Quelle gebe, die bereits im Jahr 1530 auf den Schwertertanz verweise. Diese Quelle nahm der Traunsteiner Georg Schierghofer in den 1920er-Jahren zum Anlass, für die bevorstehenden Feierlichkeiten „400 Jahre Lindlbrunnen“ und „800 Jahre Stadt Traunstein“ im Jahr 1926 den Schwertertanz zu neuem Leben zu erwecken.
Da es aus früherer Zeit jedoch nicht einmal mehr Anhaltspunkte zur Ausführung oder zum Umfang gab, musste die heutige Fassung komplett neu ausgearbeitet werden. Georg Schierghofer setzte alle Hebel in Bewegung, um neue Kostüme fertigen zu lassen, die allerdings zunächst entworfen werden mussten. Ebenso gab es weder Text noch Noten zum Tanz. Die Komposition übernahm der Münchner Professor Alfons Singer. Den Text für das Schwerttanzlied verfasste Irene Peetz, die wie ihr Vater, der Heimatschriftsteller Hartwig Peetz, einen ganz besonderen Bezug zur Heimat und zu den Bräuchen hatte. Der Prolog der Schwertertänzer wurde von Franziska Hager geschrieben, die es wie kaum eine andere verstand, auch den Bezug zum Glauben und die Treue zur Heimat zu verdeutlichen. „Der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht“, betonte der Festredner zum Abschluss seiner Ausführungen und würdigte die Brauchtumsveranstaltung „als eine der größten und schönsten Umritte ganz Bayerns“. In seinen Augen gehören der Schwertertanz und der Georgiritt „ohne Wenn und Aber völlig zu Recht auf die Liste der immateriellen Kulturgüter“.
Mit dem Zitat „Dahoam ist da, wo’s Gfui is“ von Ottfried Fischer aus der Kultserie „Irgendwie und Sowieso“ schloss er seinen Vortrag ab und brachte dadurch sehr schön das Traditionsbewusstsein und die Heimatverbundenheit vieler Menschen in der Region zum Ausdruck.
Die Verantwortlichen des St.-Georgs-Vereins nutzten den Abend auch, um einige verdiente Personen zu ehren. Schwerttanzmeister Karl Weilharter durfte Martin Lenz zu 25 Jahren und Uwe Steinmetz zu 50 Jahren Hauptmannsjubiläum gratulieren und ihnen jeweils eine Urkunde überreichen. Eine weitere besondere Ehrung wurde Josef Parzinger zuteil. Neben seiner langjährigen aktiven Zeit als Schwertertänzer befasst sich der Geehrte seit vielen Jahren mit dessen Historie und hält mit seiner Aufgabe als Chronist die Geschehnisse für die Nachwelt fest. Simon Schreiber überreichte ihm deshalb eine Ehrenurkunde sowie die silberne Vereinsnadel für 40-jährige Mitgliedschaft. Gleichzeitig wurde er mit der Ehrennadel des Vereins für besondere Verdienste ausgezeichnet.
Die Traunsteiner Stadtmusik spielt seit 40 Jahren die Melodie zum Schwertertanz. Bis 1985 wurde das Festspiel von der Bergknappenkapelle aus Neukirchen gespielt.
1986 übernahm Augustin Spiel diese Aufgabe mit der Blasmusik der Traunsteiner Musikschule. Daraus entwickelte sich dann die Traunsteiner Stadtmusik, die auch in diesem Jahr den Schwertertanz am Stadtplatz begleiten wird. Vorstand Bernhard Schultes, der musikalische Leiter Daniel Schmid und Augustin Spiel erhielten dafür stellvertretend für alle Musiker jeweils eine Urkunde sowie ein Ehrenabzeichen.
Immaterielles
UNESCO-Kulturerbe
Den Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung des Schwertertanzes selbst. Nach dem Aufmarsch der Schwerttanzgruppe, die aus 16 Tänzern, dem Hauptmann, zwei Wursteln und vier Fahnenschwingern besteht, verlas Tambourmajor Hermann Daxenberger den traditionellen Prolog. Mit Liebe und großer Freude, aber auch mit Stolz und Ehre präsentierten die Protagonisten unter den Klängen der Traunsteiner Stadtmusik den Tanz.
Den Beteiligten gelang es auch beim Ehrenabend, den Winter – dargestellt durch die beiden Wursteln – auszutreiben und den Frühling in die Höhe zu heben. Das aus Schwertern zusammengesteckte Symbol konnten sie zusammen mit dem diesjährigen Hauptmann Franz Schuhböck, der den Frühling darstellte, in die Höhe heben. Dieses Bild des sich drehenden Schwerterkranzes mit dem Frühling in der Höhe wurde von den Zuschauern mit viel Applaus bedacht.
Abgerundet wurde der Abend mit einem Stehempfang, bei dem sicherlich noch die eine oder andere Anekdote aus den vergangenen Jahren erzählt wurde.