Prien – In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats stand die Projektvorstellung für eine Padel-Tennisanlage westlich der Osternacher Straße im Fokus. Wie Erster Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) erklärte, existiert für das Areal kein Bebauungsplan. Im Flächennutzungsplan ist es jedoch als Sondergebiet für Fremdenverkehr und Kuranlagen dargestellt.
Bauplanungsrechtlich ist das Gebiet als Außenbereich zu beurteilen. Das Vorhaben wurde dem Rat bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung vorgestellt und zur Beratung an die Fraktionen verwiesen. Deren Stellungnahmen fielen unterschiedlich aus. In der Sitzung erläuterte Thomas Neuer sein Vorhaben im Detail. Auf einer 3.000 Quadratmeter großen Fläche sollen vier Padel-Courts mit jeweils zehn mal 20 Metern entstehen. Diese erhalten eine entsprechend hohe Einfriedung aus Glas.
Padel sei ein sehr schnell erlernbarer Trendsport, der Elemente aus Tennis und Squash verbindet. In Europa ist der Sport bereits weit verbreitet. Laut Neuer ist er grundsätzlich für alle Altersgruppen geeignet, spricht aber vor allem die 20- bis 40-Jährigen an. Die Lage in Seenähe mit Anbindung an Hotels und Gastronomie bezeichnete er als ideal.
Geplant ist, zunächst mit zwei Plätzen zu starten. Zudem sollen ein kleines Nebengebäude mit Umkleiden, sanitäre Anlagen sowie vier Stellplätze entstehen. An den Grenzen der Fläche sind elf Laubbäume vorgesehen. Da die Böden in Grün gestaltet werden, füge sich das Vorhaben gut in die Natur ein. Die LED-Lichtanlage werde zentral auf den Platz gerichtet, wobei Natur- und Tierschutz berücksichtigt würden.
Angela Kind (Die Grünen) hinterfragte die Hitzeentwicklung im „Glaskäfig“ und den Schutz der Vögel. Neuer erklärte hierzu, dass moderne Techniken zum Einsatz kämen. Mittels Folien mit Punktmustern könnten Vögel die Glaswände als Hindernis erkennen. Michael Feßler (CSU) bestätigte dies aus eigener Erfahrung mit seiner Schiffshalle.
Bürgermeister Friedrich ergänzte, dass für die Bauleitplanung noch Gutachten zu Licht, Lärm sowie Tier- und Artenschutz in Auftrag gegeben werden. Sonja Werner (Die Grünen) signalisierte jedoch Ablehnung. Sie fragte, ob die Courts nicht am bestehenden Tennisplatz errichtet werden könnten. Dies verneinte Neuer: Dort könne man nicht mit dem Auto hinfahren und es müsse ein Tennisplatz geopfert werden. Deshalb habe man diese Idee verworfen.
Deutliche Kritik kam von Kersten Lahl (Bürger für Prien, BfP). Er zeigte sich frustriert und bezeichnete die Anlage als Fremdkörper. Die Padel-Anlage verursache Lärm und das Flutlicht sorge für Lichtverschmutzung. Zudem nähmen die drei bis vier Meter hohen Glaswände den Spaziergängern den Blick auf die Berge.
Lahl verwies auf die gegenüberliegende Wohnbebauung, ein Pferdegestüt sowie eine Reha-Klinik mit ruhebedürftigen Menschen. Es könne nicht Aufgabe der Gemeinde sein, die Natur an dieser sensiblen Stelle preiszugeben und die Nachtruhe durch Öffnungszeiten ab 7 Uhr zu stören. Auch die Bewohner der Kursana-Residenz seien betroffen.
Er halte die Umsetzung eines Einzelprojekts ohne Gesamtkonzept für einen fatalen Fehler und einen gefährlichen Bezugsfall für weitere Entwicklungen.
Peter Fischer (ÜWG) begrüßte das Neue, mahnte aber an, dass Trendsportarten auch schnell wieder enden könnten. Er fragte nach der Möglichkeit eines Rückbaus, was Neuer bejahte. Gabi Schelhas (SPD) äußerte Bedenken wegen der nahen Pferdekoppel und hielt die vier geplanten Stellplätze für nicht ausreichend. Sepp Schuster (AfD) hingegen fand die Idee gut und sah darin eine sinnvolle Nutzung des privaten Grundstücks. Gunther Kraus (CSU) sprach sich ebenfalls für das Projekt aus. Es passe gut dorthin, da bereits ein Bolzplatz und Basketballkörbe vorhanden seien. Die Toiletten könnten zudem für den Grillplatz genutzt werden. Die eventuelle Lärmbelästigung müsse jedoch geklärt werden.
Neuer verwies hierbei auf Schallgutachten ähnlicher Projekte. Marion Hengstebeck (BfP) und Ludwig Ziereis (CSU) äußerten erneut Zweifel am Standort und der Parkplatzsituation. Bürgermeister Andreas Friedrich fasste zusammen, dass Themen wie Öffnungszeiten, Lärm und Lichtverschmutzung noch offen seien. Diese müssten im Rahmen der Bauleitplanung über Umweltgutachten geprüft werden. Es gehe aktuell nur darum, ob man die Planung starte oder das Projekt verwerfe.
Da das Grundstück der Gemeinde nicht gehöre, sei man darauf angewiesen, was die Eigentümer dort entwickeln wollten.
Wenn alle Prüfpunkte keine Beeinträchtigungen ergeben, müsse man diese Wiese einer Nutzung zuführen. Am Ende stimmte das Gremium mit 15:8 Stimmen für den Start des Projekts. Dagegen stimmten die Fraktion der Grünen, die Vertreter der BfP sowie Gabi Schelhas (SPD).