Traunstein – Über Jahrzehnte hinweg war das Kürzel bjr in den Heimatzeitungen in Südostbayern ein Markenzeichen für seriöse und schnörkellose Lokalberichterstattung. Der Mann, der hinter diesem Kürzel stand, war Günter Buthke aus Traunstein. Er ist nun im Alter von 74 Jahren verstorben.
Alle Jahre im Fasching schlug der Journalist jedoch ganz andere Töne an. Als „Nachtlichtl“ – so signierte er auch seine Beiträge – war er in Traunstein und den umliegenden Orten an jedem Faschingswochenende unterwegs. Zum Höhepunkt der närrischen Zeit war er sogar auf zwei oder mehr Veranstaltungen gleichzeitig anzutreffen. Seine Beobachtungen der Menschen im Narrenkostüm formulierte er zu witzigen und unterhaltsamen, manchmal auch hintergründigen Anekdoten.
Diese Berichte waren in der närrischen Zeit ein beliebter Lesestoff. Man konnte schmunzeln oder auch herzhaft lachen, wenn das Nachtlichtl seine Ballbeobachtungen schilderte. Dabei hatte Buthke die Gabe, nie verletzend zu sein. So empfanden es auch jene, die er aufs Korn nahm, oft als große Ehre.
Man würde dem Lokaljournalisten Günter Buthke jedoch nicht gerecht werden, würde man seine Arbeit nur auf seine Rolle als Nachtlichtl reduzieren. Er berichtete jahrein, jahraus über Vereinsversammlungen, Grundsteinlegungen, Einweihungen und Eröffnungen. Auch Großveranstaltungen wie der Georgiritt gehörten zu seinem festen Repertoire. Für die Chiemgau-Zeitung war er ein zuverlässiger Chronist über das Geschehen in Traunstein, Vachendorf und weiteren Gemeinden im Chiemgau.
Jeder Vereinsvorsitzende war froh, wenn ihm aus der Redaktion mitgeteilt wurde, dass Buthke zur Berichterstattung kommen werde. Man wusste, dass wenige Tage später ein seriöser Bericht im Blatt stehen würde. Dabei blieb es nicht aus, dass sich Günter Buthke in manchen Vereinen besonders wohlfühlte und aus Sympathie Mitglied wurde. Dennoch wurde er nie zum „Vereinsmeier“, der überall mitredet und „mitgschaftelt“. Meist hielt er sich im Hintergrund, leistete aber dennoch wertvolle Arbeit.
Dies galt zum Beispiel für die Gebirgsschützenkompanie Traunstein, für die er lange als „Kompanieschreiber“ berichtete. Thomas Gätzschmann, der Hauptmann der Kompanie, erzählt, dass der Verstorbene ein aktives Gründungsmitglied war und ihr seit 1985 angehörte. Als hohe Auszeichnungen erhielt er den Orden in Bronze (2004) sowie den Orden in Silber (2018). In diesem Jahr hätte er die Auszeichnung in Gold erhalten sollen. Diese konnte er jedoch nicht mehr persönlich entgegennehmen.
Mehr als 30 Jahre lang engagierte sich Günter Buthke zudem als Sprachrohr nach außen für den VdK-Ortsverband Traunstein. Dort war er mehrere Jahre als stellvertretender Ortsvorsitzender tätig. Als Seniorenbeirat setzte er sich neun Jahre lang für die Belange der älteren Mitbürger in der Großen Kreisstadt ein.
Was den Journalismus betraf, war Günter Buthke familiär vorbelastet. Sein gleichnamiger Vater übernahm Anfang der 1980er-Jahre die Berichterstattung aus den Traunsteiner Gerichtssälen. Dessen Beiträge wurden mit dem Kürzel „bu“ gekennzeichnet. Dies animierte den Sohn, ebenfalls für die Heimatzeitungen tätig zu werden. Um sich von seinem Vater abzugrenzen, wählte er das Kürzel bjr für „Buthke junior“. Diesem Kürzel blieb er bis zum Ende seines journalistischen Schaffens treu.
Einer, der ihn als Berichterstatter besonders schätzte, war Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl. Gegenüber der Chiemgau-Zeitung sagte er dieser Tage über den Verstorbenen: „Er war ein feiner, edler Mensch, ein sachlicher Berichterstatter, der es immer vermieden hat, Sachverhalte zu Sensationen aufzubauschen.“ Buthke habe stattdessen Zusammenhänge einfach und gut verständlich dargestellt.
Hauptberuflich arbeitete Günter Buthke von 1996 bis 2015 für die Kreiskliniken in Traunstein und Trostberg. Nach einem schweren Verkehrsunfall auf dem Arbeitsweg blieb er körperlich eingeschränkt. Dennoch blieb er seiner Leidenschaft, dem Schreiben, noch viele Jahre in Teilzeit treu. Erst als die gesundheitlichen Probleme zunahmen, zog er sich nach und nach zurück. Nun ist er im Alter von 74 Jahren in Vogtareuth gestorben. Mit ihm verlieren die Leser einen aufrechten und ehrlichen Berichterstatter.