Frösche und Kröten vor dem Tod bewahren

von Redaktion

Mit Warnweste und Eimer retten Ehrenamtliche in der Dämmerung Dutzende Amphibien

Chieming/Knesing – Wer zwischen Abenddämmerung und etwa 22 Uhr durch Knesing fährt, sieht in der Ortsdurchfahrt auf beiden Straßenseiten nahe des Dorfweihers täglich meist zwei Personen mit Warnwesten, Taschenlampen, Stirnlampen und Kübeln, die eifrig nach etwas suchen. Die Warnschilder mit dem Frosch im roten Dreieck und dem Zusatz 20 bis 6 Uhr auf Höhe des Weihers deuten darauf hin, dass es sich bei den Personen um Frosch- und Krötenretter handelt.

Ehrenamtlicher
Einsatz für die Natur

Zwei der etwa sechs Helfer, die in Knesing Fröschen und Kröten über die Straße helfen, sind Elisabeth und Peter Lamprecht aus Altenmarkt. Von Anfang März bis etwa 20. April ist das Ehepaar im Schnitt dreimal pro Woche im Einsatz.

Auf die ehrenamtliche Tätigkeit stieß das Ehepaar bei der Lektüre der Chiemgau-Zeitung. Die Kreisvorstandschaft des Bund Naturschutz suchte unter Koordination von Beate Rutkowski ehrenamtliche Amphibienbetreuer im Landkreis. Da Peter Lamprecht beruflich im Dreiseengebiet zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl tätig war, kannte er die Amphibienwanderung im Frühjahr bereits. Er möchte nun einen Beitrag leisten, um für den Wert der Amphibien im Ökosystem einzustehen und deren Leben zu retten. Peter Lamprecht weiß, dass die Amphibien ab Anfang März ihren Instinkten folgen und an den Knesinger Weiher oder an andere Feuchtgebiete zum Laichen kommen. Das Jahr über halten sie sich in bis zu einem Kilometer entfernten Wäldern oder anderen kühlen Orten auf. In Knesing überqueren die Amphibien dann zweimal die Straße: einmal zum Laichen am Weiher und auf dem Rückweg wieder in ihr ursprüngliches Territorium.

An Staatsstraßen stellt das Straßenbauamt des Landratsamtes die etwa 30 Zentimeter hohen Amphibienkorridore als Querungshindernisse für Frösche und Kröten auf. Bei Gemeindestraßen übernehmen dies die Bauhöfe der jeweiligen Gemeinden. An den Enden der grünen Gummimatten ist jeweils ein Kübel im Boden eingegraben, in den die Amphibien fallen und nicht mehr selbstständig heraushüpfen können. Sie werden von den Rettern eingesammelt und 300 Meter von der Kreisstraße entfernt wieder freigelassen. Warum die zwischenzeitlich aufgestellte Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h in der Nacht am Amphibienübergang wieder aufgehoben wurde, konnten die beiden geschulten Retter auch nicht beantworten.

Viel Verkehr
auf der B304

Am Ende eines regnerischen Tages hatten die Lamprechts gegen 21.30 Uhr bereits 40 Frösche und Kröten seit der Dämmerung um 20 Uhr erfolgreich über die Staatsstraße geholfen. Die Zahl der überfahrenen Frösche lag im selben Zeitraum bei fünf, was genau in die Statistik ihrer Dienstschichten eingetragen wird.

Jedenfalls hat sich ihr Einsatz gelohnt: 40 gerettete Amphibien in 90 Minuten. Die fünf toten Tiere wurden Opfer des erhöhten Durchgangsverkehrs aufgrund der Straßensperrung auf der B304 in Höhe Narrenberg.

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