Schleching – Als Franz Strohmayer, der legendäre Wirt vom Berggasthof Streichen, vor sechs Jahren starb, war lange unklar, wie es mit dem beliebten Wanderziel unterhalb der St. Servatiuskirche weitergehen soll. Die Familie des Wirtes konnte und wollte den Berggasthof nicht in eigener Regie fortführen. Nach wilden Spekulationen um den traditionsreichen Ort ergab sich der Zufall – oder die vielen Heiligen im Streichenkircherl hatten ihre Hand drauf –, dass die Stiftung Kulturerbe Bayern auf den besonderen Ort aufmerksam wurde.
Die gemeinnützige Stiftung „Kulturerbe Bayern“ erwarb im Jahr 2021 zusammen mit der ortsansässigen „Familienstiftung Yvonne und Thomas Wilde“ und der Unterstützung der Schlechinger Initiative „Die Streichenfreunde“ den Berggasthof. Ziel aller nun Beteiligten ist es, den Gasthof in der Tradition des verstorbenen Wirtes Franz Strohmayer weiterzuführen und für alle zugänglich zu erhalten.
Herausforderungen
bei der Sanierung
Was einfach klingt, ist in Wahrheit eine große Aufgabe. Moderne Anforderungen treffen hier auf jahrhundertealte Substanz. Brandschutz, Hygiene und Barrierefreiheit müssen neu gedacht werden – ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Gleichzeitig wurden im Ensemble historische Schätze freigelegt, die nun mit großer Sorgfalt restauriert werden. Jeder Eingriff ist ein Balanceakt zwischen Bewahren und Erneuern. Und doch wächst hier mehr als nur ein renovierter Gasthof: Es entsteht ein Ort, der auch kommenden Generationen offenstehen soll – nachhaltig, behutsam und mit Blick auf die Natur.
Auch wirtschaftlich wird der Gasthof neu aufgestellt und erweitert. Die Eckdaten der künftigen Gastronomie und des Beherbergungsbetriebs: Es wird 90 Sitzplätze im Gasthof geben in drei historischen Gaststuben und einem komplett neuen Gastraum sowie 60 Sitzplätze im Kaser (Almhütte) und 140 Sitzplätze im Biergarten. Der Kaser ist für private Feiern ausgerichtet. Übernachtet werden kann in elf Gästezimmern, davon vier historische Gästezimmer im früheren Mesnerhaus.
Der Berggasthof kann jetzt auch auf einem neuen und ganz besonderen Wanderweg erreicht werden. Angelegt wurde dieser von der Familienstiftung Yvonne und Thomas Wilde. Fernab vom Verkehr startet der Weg an der „Faschingswiese“. Entlang des Weges gibt es Ruhe- und Aussichtspunkte, an denen man unvergleichliche Blicke über das Achental und die Gebirgswelt genießen kann. Höhepunkte sind zwei vier Meter hohe Hutschen – Riesenschaukeln. Kinder und Erwachsene sind begeistert vom besonderen Erlebnis „ins Tal zu schaukeln“.
Zwei Hutschen
für die Kinder
Jetzt wurde ein weiterer Schritt getätigt. Ein Pachtvertrag zwischen der Stiftung „Kulturerbe Bayern“ und Augustiner-Bräu wurde unterschrieben. Nikolaus Walther, Vorstand der Stiftung, erzählt, dass auch noch die älteste Brauerei der Welt, die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan-Freising, dabei ist. Da kommen einige tausend Jahre Tradition zusammen, Weihenstephan bringt es auf fast 1.000 Jahre, Augustiner-Bräu als älteste Brauerei Münchens auf fast 700 Jahre und der Berggasthof Streichen auf knapp 600 Jahre.
„Der Berggasthof Streichen soll eine lebendige Begegnungsstätte mit gelebter Gastlichkeit werden“, betont Stiftungsvorsitzender Nikolaus Walther. Ein Ort, an dem nicht nur gegessen und getrunken wird, es sind auch bayerische Abende und Kulturveranstaltungen geplant. Noch wird ein Wirt gesucht, der diesen besonderen Ort mit Leben füllt.
Staatsminister Blume
trinkt die erste Mass
Die offizielle Eröffnung des Berggasthofs Streichen ist für Samstag, 27. Juni, geplant. Staatsminister Markus Blume wird erwartet, der schon 2023 beim symbolischen ersten Spatenstich und bei der Hebauf-Feier im Juli 2025 dabei war. Er wird mit der ersten Mass Bier auf ein neues Kapitel anstoßen. Vielleicht wird man dann spüren, was den Streichen ausmacht: das Gefühl, an einem besonderen Ort zu sein.