Traunstein – Die Große Kreisstadt scheint am zweiten Sonntag nach Ostern, dem Lindlsonntag, regelmäßig vom Besucheransturm überrollt zu werden und aus allen Nähten zu platzen. Das stimmige Angebot lockt Menschen aus dem gesamten Chiemgau und angrenzenden Regionen an. Auch an diesem Sonntag war es nicht anders, wozu auch das günstige Wetter einen großen Anteil hatte.
Gute Lage
am Stadtplatz
Die Zahl der Besucher, die an diesem Tag in die Stadt im Herzen des Chiemgaus kamen, ließ sich nicht zuverlässig ermitteln. „10.000 waren es mindestens, eher 20.000, vermutlich aber deutlich mehr“, vermutete ein Insider, der die Veranstaltung seit vielen Jahren besucht. Ein älterer Mann, an dessen Flohmarktstand altes Werkzeug, geschnitzte Heiligenfiguren, Computerspiele und vieles mehr zu bestaunen war, nannte das Wetter als einen Hauptgrund für den Andrang: Am Morgen war es bewölkt und es regnete leicht, weshalb ein Ausflug in die Berge für viele nicht infrage kam. Im Laufe des Vormittags wurde es jedoch immer schöner, was den Besuch des Lindl-sonntags und einen Einkaufsbummel durch die Stadt attraktiv machte.
Seit die Fieranten im Jahr 2015 erstmals wieder am Stadtplatz und nicht mehr am Karl-Theodor-Platz in der Au ihre Stände aufschlagen dürfen, laufen die Geschäfte bei den meisten wieder deutlich besser. Damals war man schon drauf und dran, den Jahrmarkt nicht mehr abzuhalten, weil von Jahr zu Jahr weniger Fieranten gekommen waren. Ein positiver Nebeneffekt des neuen Standortes ist, dass für die Besucher des Lindl-sonntags seither die mehr als 300 zentrumsnahen Parkplätze in der Au zusätzlich zur Verfügung stehen. Ämter und Behörden hatten ihre Stellplätze am Lindlsonntag ebenfalls geöffnet, sodass die Parkplatzsuche kein großes Problem darstellte.
Neben dem Jahrmarkt und dem Flohmarkt gab es eine Reihe weiterer Angebote. Am Eingang vom Stadtplatz zur Höllgasse, beim Jacklturm, informierten die fünf Traunsteiner Feuerwehren und warben um Nachwuchs. Interessierte durften sich mit der großen Drehleiter in die Höhe fahren lassen und hatten einen atemberaubenden Ausblick über die Dächer von Traunstein.
Mit „Rauschbrillen“
in den Mini-Parcours
Die Kreisverkehrswacht ließ Interessierte mit sogenannten „Rauschbrillen“ einen Mini-Parcours begehen, um zu demonstrieren, wie sich ein Rausch anfühlt. Katrin Tratz aus Inzell, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Verkehrswacht, informierte gemeinsam mit anderen Mitgliedern vor allem Jugendliche über die Gefahren von Suchtmitteln. Von den Brillen wurde eifrig Gebrauch gemacht. Sie simulieren die Blickwinkel des Menschen unter Einfluss von geringen oder auch größeren Mengen von Alkohol oder beispielsweise nach dem Genuss von Cannabis. „Junge Leute bekommen mit der Brille ein Gefühl für die Beeinträchtigungen, denen sie nach dem Genuss von Rauschmitteln ausgesetzt sind“, erläuterte Katrin Tratz.
Die Malteser informierten ein paar Meter weiter über den Hausnotruf für ältere Mitbürger. Rund 1.000 solcher Sender der Malteser helfen Menschen im Notfall, Hilfe zu erreichen, erzählte Malteser-Mitarbeiterin Claudia Schweiger. Dazu kommen in unserer Region noch die Geräte anderer Anbieter, wie beispielsweise des Roten Kreuzes und der Diakonie.
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) veranstaltete wie schon seit rund 30 Jahren auf dem Maxplatz seinen beliebten Radl-Flohmarkt, bei dem man sein altes Fahrrad zu Geld machen konnte. Wie Dagmar Heid informierte, vermittelt der Verein bei diesem Flohmarkt alljährlich an die 50 gebrauchte Drahtesel. Verkäufer bringen das Rad am Morgen und können es nach der Veranstaltung wieder abholen, sofern es keinen Käufer gefunden hat. Vereinsmitglieder prüfen das Rad auf Verkehrssicherheit, beraten Interessenten und wickeln den Verkauf ab. Zehn Prozent des Erlöses, mindestens aber fünf Euro pro Fahrrad, behält der Verein für diesen Service ein.
Nicht ums Rad, aber auch um etwas Rundes ging es einen Steinwurf weiter, in der Klosterkirche, beim Markt, bei dem sich alles um alte Schallplatten dreht. Plattenliebhaber Andreas Auer aus Bergen, der für das Stadtmarketing Traunstein arbeitet, organisiert hier seit 2023 eine Börse, bei der die schwarzen Tonträger im Mittelpunkt stehen. Er ist selbst Sammler, leidenschaftlicher Discjockey und hatte schon vor 2023 in seinem Heimatort Bergen solche Schallplattenbörsen organisiert.
Mehr als 20 Anbieter stellten hier ihre Schätze aus, und den Besuchern machte es sichtlich Spaß, eine bunte Plattenhülle nach der anderen anzuschauen und die eine oder andere Langspielplatte zu kaufen.
Die Chancen, für seine LP-Sammlung viel Geld zu bekommen, stehen heutzutage nicht gut, verriet Fachmann Andreas Auer. „Im Grunde muss man froh sein, wenn man einen Liebhaber findet, der sie übernimmt“, erzählte er. Es finden sich aber immer wieder Raritäten, die bei Sammlern gesucht und hochbegehrt sind.
Ein Anbieter hatte beispielsweise eine LP von Alice Cooper in seinem Sortiment, für die er stolze 333 Euro verlangte.
LP von Alice Cooper
für 333 Euro
Nach dem Flanieren und dem Besuch des einen oder anderen Fachgeschäftes hatte so mancher Besucher Lust auf eine Kaffeepause, auf ein Eis oder ein kühles Bier. Bisweilen musste man länger suchen, ehe man einen freien Platz in einem Gastgarten, einem Café oder einem Wirtshaus fand. Klar, dass es nach einem so erfolgreich verlaufenen Tag überwiegend zufriedene Gesichter bei den Marktbeschickern, der örtlichen Gastronomie und den meisten Geschäftsinhabern gab.