Schleching – Die Verbandsversammlung des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Ettenhausen zeigte, dass für die Bereitstellung von Trinkwasser viel Fachwissen und Zeit nötig ist, um den gesetzlichen Regularien Rechnung zu tragen. Allerdings war bei dem ausführlichen Bericht von Vorsitzendem Andreas Müllinger auch ein enormer Bürokratieaufwand ersichtlich, den die ehrenamtliche Vorstandschaft erfüllen musste.
Lecksuche und
Verwaltungsaufwand
Allein die regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch. So werden viermal jährlich im Beisein eines Vorstandsmitglieds Wasserproben entnommen und durch Agrolab nach der Trinkwasserverordnung und verschiedenen Parametern untersucht, sowie einmal jährlich mit erweiterten Parametern. Ebenso fallen Wartungsarbeiten an den UV- und UF-Anlagen an. Nach Bedarf muss die Reinigung des Hochbehälters (Sammelbecken) durchgeführt werden; im Jahr 2025 gab es hierfür keine Notwendigkeit. Weitere Arbeiten sind die jährlichen Mäharbeiten rund um den Hochbehälter und die Quellsammler, der Unterhalt der Straße zum Hochbehälter und der Zuwege zu den insgesamt drei Quellsammlern sowie die Zaunreparatur um die enge Schutzzone. „Hier helfen alle zusammen in dem sehr steilen Gelände“, erklärte Andreas Müllinger. Reihum sind der wöchentliche Bereitschaftsdienst und die Kontrolle der Versorgungsanlagen für alle Vorstandsmitglieder nötig.
Um Wasserverluste so gering wie möglich zu halten, legt der Vorstand großes Augenmerk auf den Tagesverbrauch, um ein mögliches Leck schnellstmöglich zu entdecken und zu beseitigen. Sechs Lecks wurden 2025 gefunden. Die laufenden Verwaltungsarbeiten nehmen auch immer mehr Zeit in Anspruch. Bei jeder Baugenehmigung muss auch der WBV eine Stellungnahme abgeben. Bei den Jahresberichten an das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sind viele Seiten Formulare auszufüllen. Auch der Schriftverkehr mit anderen Behörden (Landesamt für Umwelt, Berufsgenossenschaft, Bayerisches Landesamt für Statistik) wird immer umfangreicher.
Einmal im Monat wird die Quellschüttung (Quelle eins bis fünf, Quelle sechs und sieben) in Liter pro Sekunde gemessen. Die Zahl war im Jahresverlauf 2025 schwankend zwischen 4,70 und 7,10 Liter pro Sekunde. Das ist abhängig von den Niederschlägen. Im Jahr 2025 lagen die Erträge zwei Liter darunter, im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren. Der Vorsitzende will diesen Umstand im Auge behalten und die Entwicklung der Quellen genau beobachten. Der Tagesbedarf liegt zwischen 100 bis 180 Kubikmeter. Die gesamt entnommene Wassermenge betrug 38.631 Kubikmeter im Jahr 2025 für 199 Haushalte. Der Wasserverlust war mit 0,6 Prozent sehr gering.
Vorsitzender Müllinger erklärte die neue Trinkwassereinzugsgebieteverordnung (TrinkwEGV) der EU. Diese beinhaltet diverse administrative Aufgaben für den WBV Ettenhausen. Gefordert wurde eine Dokumentation über die Bewertung des Trinkwassereinzugsgebietes. Diese wurde gemeinsam mit einem Diplom-Geologen auf 41 Seiten erstellt. Weitere Dokumentationen müssen ausgearbeitet werden. Auf Nachfrage des Vorstandes, was mit den Berichten passiert, da die meisten Prüfberichte ja schon bei den Behörden bekannt sind, gab es keine befriedigende Antwort.
Das Thema „Wassercent“ wurde bisher in Bayern nicht umgesetzt, bis im November die Novelle des Bayerischen Wassergesetzes verabschiedet wurde. Die Einführung beginnt ab 1. Juli. Der Wassercent wird auf alle Nutzer, die Grundwasser entnehmen, umgelegt für zehn Cent pro Kubikmeter. Es gibt eine Freigrenze von 5.000 Kubikmetern. Das bringt geschätzt jährliche Einnahmen von 80 Millionen Euro für den Staat. Die Verwendung soll zweckgebunden sein für den Wasserschutz, die Trinkwasserversorgung, nachhaltige Wasserbewirtschaftung und den Hochwasserschutz.
Der WBV Ettenhausen wird einen Kostenbescheid vom LRA Traunstein für den Wassercent erhalten. Durch das „Kostendeckungsprinzip“ der Wasserversorger sind die Kosten des Wassercents bei der Gebührenkalkulation zu berücksichtigen und auf den Wasserpreis umzulegen. Dem WBV entstehen knapp 4.000 Euro an Mehrkosten pro Jahr.
Der WBV Ettenhausen wird den Wasserpreis von 40 Cent auf 50 Cent pro Kubikmeter erhöhen. Aber für 96 Prozent der Haushalte werden keine Mehrkosten entstehen, da im Rahmen der Bereitstellungsgebühr 150 Kubikmeter pro Wohneinheit enthalten sind. Für jeden weiteren Kubikmeter über 150 Kubikmeter werden circa vier Prozent Mehrkosten entstehen. Der Bruttopreis beträgt inklusive sieben Prozent Mehrwertsteuer 50 Cent.
Ausgeglichener
Haushalt
Kassier Christian Summerer verlas einen ausgeglichenen Kassenbericht. Entlastung konnte erteilt werden. Kassenprüfer Hartmut Rihl vermerkte, dass „die Bürger in Ettenhausen froh sein können, eine neue und junge Vorstandschaft beim WBV zu haben, die die große Expertise und das Pflichtbewusstsein des ‚alten‘ Vorstandes weiterführen und die ihre Freizeit für die vielen oben beschriebenen Aufgaben einsetzen.“