Bernau – Blaulichter blinken, ein Chor von Martinshörnern schallt über den Chiemsee-Park Felden, das ganze untermalt mit den Klängen von „Conquest of Paradise“. Die Musik deutete schon darauf hin, dass sich die Einsatzfahrzeuge zahlreicher Rettungsorganisationen aus der Region erfreulicherweise nicht wegen einem Katastrophenfall am Chiemseeufer eingefunden hatten, sondern zur Einweihung des neuen Quads der Bernauer Wasserwacht.
Das Fahrzeug wird durch seine Geländegängigkeit eine noch schnellere, adäquate Erstversorgung und Hilfestellung auf den Fußgänger- und Fahrradwegen in Bernau und rund um den Chiemsee ermöglichen und damit den Menschen in der Region ein Stück mehr Sicherheit bringen.
„Eine Vision
wird Realität“
Mit einem Frühschoppen und einer „Blaulichtmeile“ hatten die Bernauer Wasserwachtler einen würdigen Rahmen für die offizielle Inbetriebnahme des Quads geschaffen. Benachbarte Ortsgruppen von Wasserwacht, Schnelleinsatzgruppe (SEG), BRK, Feuerwehr, Polizei, Bergwacht und das THW waren mit ihren Fahrzeugen vor Ort. So bot sich neben kulinarischen Schmankerln ein Einblick in Technik und Ausrüstung der verschiedenen Rettungsorganisationen. Außerdem konnten die Besucher ihr Geschick beim „Biertragerlsteigen“ unter Beweis stellen oder eine Spritztour über den See in einem der Wasserwacht-Rettungsboote genießen.
„Wir freuen uns wahnsinnig, dass wir unser Projekt ,Hilf auf’s Quad‘ schon nach sechs Monaten, nachdem das alte Quad nicht mehr einsatzfähig war, umsetzen konnten.“ Mit diesen Worten begrüßte Florian Bickert als Vorsitzender der Ortsgruppe Bernau die anwesenden Ehrengäste, Spender und Zuhörer. „Es ist ein besonderer Tag. Wir feiern aber nicht nur ein neues Fahrzeug, sondern auch was dahintersteht. Kein Quad, kein Boot, keine Ausrüstung kann das leisten, was unsere ehrenamtlichen Helfer leisten.“
Einen Einblick in die verbesserte technische Ausstattung gegenüber dem alten Quad, das zwölf Jahre im Einsatz war, gab Florian Stolba als technischer Leiter. Das Basisfahrzeug des Herstellers CFMoto ist mit Heck- und Allradantrieb und einer Seilwinde ausgestattet, kann in Wasser bis zu ein Meter Tiefe fahren und ist mit 105 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit 25 km/h schneller als sein Vorgänger. Front- und Heckkoffer bieten mehr Stauraum und Schutz zum Beispiel für den Sanitätsrucksack. Frontblitzer und Blaulichtbalken sorgen für Sichtbarkeit und damit Sicherheit. Die neuen Helme ermöglichen die Kommunikation während der Fahrt, was bisher nicht möglich war.
Nach einem Rückblick auf die Arbeit der Projektgruppe dankte Stolba seinen Mitstreitern Florian Bickert, Philip Crauber, Leon Eckl und Fabian Müller aus der Projektgruppe und vor allem allen Spendern, die mit kleinen und großen Beträgen „unsere Vision und Gedanken in die Realität umsetzbar machten“.
Auch wenn das Spendenziel mit 24.200 Euro erreicht ist, würde sich die Ortsgruppe über weitere Zuschüsse freuen, die die Anschaffung einer Drohne ermöglichen würden. Das Quad ist aber sofort einsatzbereit und bis Mai sollen alle Einsatzkräfte für das Fahrzeug geschult werden.
Hervorragende
Jugendarbeit gewürdigt
Für die Kreiswasserwacht Rosenheim hob Stefan Rotter in seinem Grußwort noch die Bedeutung hervor, die schon das alte Quad hatte. Es hätte sich vielfach bewährt, etwa beim Abfahren der Uferbereiche bei der Suche nach Vermissten oder bei Ölunfällen in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, ebenso als Zugpferd bei den „Junior- und Trau-Dich-Helferkursen“ für die Kinder. Aufgrund der geänderten Einsatzszenarien sei die Neuanschaffung mit verbesserter Ausstattung eine richtige Entscheidung gewesen, zumal das Quad bei Hochwasserlagen auch überregional im Wasserrettungszug Inn/Mangfall und im Katastrophenschutz mit eingebunden ist.
Daniela Ludwig, Vorsitzende des BRK-Kreisverbands Rosenheim, hob die Arbeit der Projektgruppe zur Neubeschaffung hervor. Vor allem sprach sie das Trio Stefan Stolba, Philip Crauber und Leon Eckl an. „Mit Eurer Aktion habt Ihr wahre Pionierarbeit geleistet – und das, obwohl Ihr alle noch unter 30 Jahre alt seid.“ Das sei auch ein Zeichen der hervorragenden Jugendarbeit der Bernauer Ortsgruppe.
Zum Stichwort Helfergleichstellung richtete BRK-Präsident Hans Michael Weisky in seinem Grußwort die Aufforderung an die Politik, Mitglieder des BRK und der Wasserwacht zu Übungen und Ausbildungen, für die sie bis jetzt Urlaub nehmen müssen, ebenso freizustellen, wie das beim THW gehandhabt wird. Die Ausstattung des Quads mit einer Drohne befürwortet er und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Ortsgruppe auch hierfür die nötigen Gelder über Spenden generieren kann.
Die ersten 100 Euro kamen von Robert Hoffmann als Vertreter des Bezirksverbands der Wasserwacht. Für die Gemeinde Bernau richtete Franz Praßberger einen Dank an alle Spender, die damit auch ein Zeichen des Zusammenhalts setzten.
Musikalische
Enthüllung und Taufe
Dann war es endlich so weit. Florian Bickert und Stefan Stolba enthüllten musikalisch untermalt das bis dahin mit einem roten Tuch verhüllte neue Einsatzfahrzeug. Zu Ehren des 2024 verstorbenen Kameraden Wolfgang Kink, der 60 Jahre die Wasserwacht Bernau geprägt hatte, wurde das Quad mit Chiemseewasser auf den Namen „Wolfgang“ getauft. Danach gab es von den benachbarten Wasserwachten Geschenke an die Ortsgruppe Bernau, die sich ihrerseits noch mal bei allen großen Spendern namentlich bedankte und für diese eine Dankesurkunde bereithielt.