Prien – Plüschhuhn Henriette hilft am Ende dieses außergewöhnlichen Schultages. Jeder von den etwa 60 Kindern aus den Klassen 5b und 5c des Priener Gymnasiums, der etwas über seine Erkenntnisse nach dem Vormittag auf dem Wastlhof erzählen mag, bekommt die Henne als moralische Unterstützung in die Hand. „Ich nehme mit, dass ich nicht mehr verkohlt werde beim Eierkauf. Wenn die Zahl 2 draufsteht, ist es kein Bio-Ei“, sagt einer. Andere haben gelernt, dass Hühner Familien bilden, und auch, woran man erkennt, welche Tiere weiße oder braune Eier legen. Einem Mädchen hat das Melken am besten gefallen. Und Vincenz nimmt neben „Wissen auch was Materielles mit: Eier.“ Er hat vier gekauft für seine ganze Familie.
„Alle drei Stationen
waren richtig cool“
Der Schultag der komplett anderen Art hat sich für Vincenz gelohnt, auch aus anderem Grund: „Wenn wir keine richtige Schule haben, gibt es auch keine Hausis.“ Damit sind Hausaufgaben gemeint, die nach dem Tag auf dem Land ausfallen. Auch Natalie findet die Schule außerhalb des Klassenzimmers richtig gut: „Man ist nicht in der Schule und Mathe fällt aus. Die drei Stationen hier auf dem Hof waren aber auch richtig cool: Die Hühnchen, die Melkstation und die Waffeln sowieso.“
Am Waffeleisen steht Rosi Hell, die von der Stimmenzahl bei der jüngsten Kommunalwahl beliebteste Politikerin aus Prien, die sich um den Posten des Zweiten oder Dritten Bürgermeisters bemüht. Sie hilft, wie an diesem Vormittag, gelegentlich auf dem Wastlhof aus. Auf ihre Anweisung mixen die Kinder den Teig für die Waffeln, die sie nach dem Backen essen dürfen. Gegenüber steht eine Holzkuh mit Zitzen, an der die Buben und Mädels das Melken ausprobieren können. Dass „Kühe lila“ wie in der Werbung sind, hat vor diesem Besuch auf dem Bauernhof von diesen Kindern glücklicherweise keiner gedacht, verrät Anna Lutz.
Sie ist eine der vier Lehrerinnen, die die Kinder an diesem Tag auf dem Wastl-hof begleiten. Auch sie findet genau wie ihre drei Kolleginnen den Tag so richtig gut: „Die Kinder lernen, woher eigentlich die Lebensmittel kommen und wie wichtig die Landwirtschaft ist, haben Unterricht zum Anfassen und sind mal raus aus dem Klassenzimmer.“ Zwei dieser sogenannten Outdoor-Projekte gibt es pro Schuljahr. Neben dem Besuch auf dem Wastlhof noch eine „Rallye durch Prien“, um die Marktgemeinde so richtig kennenzulernen. Handlungsorientierter Unterricht nennt sich das im Fachjargon. Bezahlen müssen die Kids für den Hoftag – außer für einen möglichen Eierkauf – nichts. Die Hofbesitzer erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung vom bayerischen Landwirtschaftsministerium. Die Ausflüge bringen Bewegung ins Schulleben und das gilt auch ganz wörtlich. Zum Wastlhof in Elperting sind die Kinder eine Stunde zu Fuß hingewandert und die laufen sie danach auch wieder zurück.
Vor allem in Erinnerung bleibt den meisten der Besuch an der dritten Station an diesem Hoftag, im Legegang der Hühner mit der Wastlhof-Chefin Maria Riepertinger. Hier sind immer mal wieder Hühnerfüße zu sehen und wie von Zauberhand rollen plötzlich noch warme Eier in eine Rinne.
Ein Hühnerei
am Tag
„Hier seht ihr Familiennester – die Hühner bilden Freundschaften“, erzählt Maria Riepertinger. Dann fragt sie, wie viele Eier ein Huhn in der Woche legt. Eins pro Tag lautet die Vermutung eines Schülers. Ganz so viele sind es doch nicht: „Nach fünf Tagen mit jeweils einem Ei brauchen sie meist zwei Tage Pause.“ Dann fragt Riepertinger, wie man am Aussehen des Huhnes die Eierfarbe erkennen kann. Ein Junge weiß die perfekte Antwort: Man kann es an der Farbe der Ohrmuschel (weiß gleich weiße Eier) erkennen, nicht an der der Federn. Hat offenbar schlaugemacht, dieser besondere Schultag.