Zum Thema „Posten-Poker in Prien und mehr Frauen in die Kommunalpolitik„ (Lokalteil):
Schon vor der Kommunalwahl signalisierten CSU und ÜWG, ihre Zusammenarbeit nahtlos fortsetzen zu wollen: kein eigener CSU-Bürgermeisterkandidat, stattdessen ein „Weiter so“ mit dem bisherigen Duo an der Spitze. Das hat mich als Wählerin irritiert – gewählt werden schließlich ein Bürgermeister und ein Gemeinderat, kein eingespieltes Tandem. Beim Kinoabend „Bavaria ruft“ stellten sich engagierte Kandidatinnen vor, die für Demokratie einstehen und frischen Wind ins Rathaus bringen wollen. In Bayern werden weitere Bürgermeisterposten vom Rat gewählt – nicht vom Amtsinhaber bestimmt. Das Wahlergebnis ist klar: CSU (9 Sitze), ÜWG und Grüne (je 5), BfP und FP (je 2), SPD (1). Für mich läge es nahe, dieses Ergebnis auch bei der Besetzung der Bürgermeisterposten abzubilden: Die CSU stellt mit Stimmenkönigin Rosi Hell die Zweite Bürgermeisterin, die Grünen, mit Anna Schlemer, die Dritte.
Umso befremdlicher wirkt es, dass CSU und ÜWG sich offenbar bereits vor der konstituierenden Sitzung auf ein „Weiter so“ verständigt haben. Dabei entscheidet der Gemeinderat. Es wäre ein Leichtes, das Wahlergebnis fair abzubilden und die Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit zu legen. Stattdessen entsteht der Eindruck, die wichtigsten Posten würden unter sich ausgehandelt. Andere Fraktionen – und insbesondere ihre gewählten Frauen – bleiben außen vor. Viele Bürgerinnen und Bürger empfinden das als Missachtung des Wählerwillens. Besonders irritierend ist, dass ein hoher Frauenanteil zwar bei der Listenaufstellung betont wurde, bei der Postenvergabe jedoch kaum eine Rolle zu spielen scheint. Das ist weder zeitgemäß noch ermutigend für junge Menschen, sich politisch zu engagieren. Es wäre schade, wenn Bavarias Ruf in Prien ungehört verhallt.
Nadine Lange
Prien