Marquartstein – Um das Planfeststellungsverfahren für das Geschieberückhaltebecken des Tennbodenbachs ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Freistaat Bayern – vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Traunstein – beabsichtigt am Tennbodenbach (Wildbach) im Bereich der Gemeinde Maßnahmen zum Rückhalt von Geschiebe und Wildholz umzusetzen. Das Vorhaben dient dem Schutz der Ortsteile Niedernfels und Piesenhausen vor Hochwasserereignissen.
Hohes Gefälle im
Ober- und Mittellauf
Der Tennbodenbach weist entsprechend seines Wildbachcharakters im Ober- und Mittellauf ein hohes Gefälle, verbunden mit einer hohen Transportkapazität und erheblichem Geschiebe- und Wildholzpotenzial, auf. Hierdurch sind die Ortsteile Niedernfels und Piesenhausen im Hochwasserfall von weitläufigen Überflutungen und erheblichen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur (Schule, Parkplatz Talstation der Hochplattenbahn, Hochwasserbehälter) bedroht. Daher sollen oberhalb der gefährdeten Ortsteile dem aktuellen Stand der Technik entsprechende Maßnahmen zum Rückhalt von Geschiebe und Wildholz umgesetzt werden.
Auf Höhe der Talstation der Hochplattenbahn wird ein umfangreicher Hochwasserschutz errichtet. Als sein Herzstück wird ein großes Geschiebe- und Wildholz-Rückhaltebecken entstehen, das dem Becken vorgeschaltet wird. Zusammen mit dem geplanten Gewässerausbau im Anschlussbereich sollen die bestehenden Siedlungsbereiche vor einem HQ 100 (hundertjährliches Hochwasser) geschützt werden.
Das Projekt soll wie folgt ausgeführt werden: Unterhalb der bestehenden Wildbachsperre wird der Tennbodenbach in ein neues Bachbett geführt. Im Bach entstehen fünf neue Querbauwerke. Geröll und Totholz sollen über das neue Bachbett in ein ebenfalls neues Rückhaltebecken transportiert und dort aufgefangen werden.
Ein Auslauf samt Rechen soll dafür sorgen, dass sich im Becken die gesamten Geschiebe- und Schwemmholzmengen sammeln, sodass am Ende lediglich Wasser in das nachfolgende alte Rückhaltebecken nördlich des Trinkwasser-Hochbehälters der Gemeinde fließt. Ein Ablenkdamm wird parallel zum Tennbodenbach gebaut, in Fließrichtung rechts. Er soll das Areal Richtung Seilbahn und Parkplatz im Extremfall auch vor einem Murengang schützen. Aufgrund des geplanten Umbaus muss die Wanderwegbrücke am Parkplatz der Talstation abgerissen werden. Die neue stabilere Querung über den Bach entsteht dann zwischen den neuen Querbauwerken.
Anton Entfellner (Grüne/Offene Liste) merkte an, dass trotz des Baues des Geschieberückhaltebeckens ein Erhalt der oberliegenden Sperrbauwerke für die Sicherung von Hangrutschungen und Bergstürzen von größter Bedeutung und zur Sicherung des Ortes unerlässlich scheint. Vorrangiges Ziel des Hochwasserschutzes muss es sein, großflächige Murenabgänge bereits im oberen Bereich der Gräben durch den Erhalt der Talsperren zu verhindern. Insoweit widersprach die Gemeinde den Ausführungen und Plänen des Vorhabenträgers, dass das geplante Geschieberückhaltebecken die bisherigen obenliegenden Talsperren ersetzen kann, und fordert eine konkrete Prüfung der Machbarkeit zum Erhalt dieser. Der Einwand wurde in den Beschluss aufgenommen.
Auch die Forderung von Klaus Hell (BfM) wurde in den Beschluss aufgenommen: Er forderte für die Gemeinde die Vorlage eines Verkehrskonzeptes über die Durchführung des Baustellenverkehrs unter Berücksichtigung der Abwicklung in Anspruch genommener Straßen und Verkehrsverhältnisse. Als Beispiel nannte er den Schulbusverkehr in der Schloßstraße.
Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) begrüßte grundsätzlich die Maßnahme zum Schutz der Ortsteile und der gemeindlichen Infrastruktur, auch wenn sie einen großen Eingriff in Natur und Landschaft bedeutet und die Auflassung zahlreicher Verbauungen im Oberlauf fraglich bleibt. Es müsse nun endlich ein wirksamer Hochwasserschutz für die beiden Ortsteile hergestellt werden und die bereits vor zehn Jahren angekündigte Umsetzung erfolgen. Es wäre nicht auszudenken, was eine Ausuferung des Tennbodenbaches für Auswirkungen haben kann. Manfred Hollmann (CSU) erinnerte an den 26. Juli 2025, wo sich deutlich gezeigt habe, welche Naturgewalt der Tennbodenbach entwickeln kann.
Parkplatz ist
keine Lagerfläche
Die Gemeinde – als Betreiber der Hochplattenbahn – stellte darüber hinaus noch spezifische Anforderungen. Insbesondere dürfen während des Betriebs der Bahn keine Arbeiten im Bereich der Seilbahntrasse ausgeführt werden. Außerdem sprachen sich die Gemeinderäte gegen die Nutzung des Parkplatzes der Hochplattenbahn für die Baustelleneinrichtung und als Lagerfläche aus. Einerseits sind die bestehenden Parkplätze an der Seilbahn schon jetzt oft knapp, andererseits wurde eine Trennung von Baustellenverkehr und Erholungssuchenden für einen reibungslosen Ablauf der Baumaßnahmen für unerlässlich gehalten. Als Alternative sah Bürgermeister Andreas Scheck die Nutzung eines Grundstücks nördlich des Baufeldes, welches auch als Hauptzufahrt vorzusehen ist.