Zum Thema „Postenpoker in Prien und mehr Frauen in die Kommunalpolitik“ (Lokalteil):
Es ist gut, dass sich Bürger öffentlich entrüsten über den achtlosen Umgang mit Wählerstimmen: Die Mehrheit unter den CSU-Wählern gab ohne Zweifel Frau Hell ihr Vertrauen. Sie knüpfen daran die Erwartung, dass Frau Hell das hohe Amt des ehrenamtlichen Zweiten Bürgermeisters übernimmt. Der Wähler will – sportlich formuliert – eine Auswechslung, weil im bisherigen Team (1./2. Bürgermeister) offenkundig doch nicht alles so „rund“ gelaufen ist. Wer nimmt sich dennoch das Recht, Zweifel oder Misstrauen an der Wahl von Rosemarie Hell als Zweite Bürgermeisterin zu säen?! Es sind nicht nur „Parteifreunde“, welche die personellen Neuausrichtungen des Amtes untergraben und Misstrauen an den Fähigkeiten von Frau Hell säen. Skandalös, dass sich auch der Bürgermeister einbringt nach dem Motto „weiter wie bisher“: Beim Bergsport nennt man so etwas Seilschaft, im Schwäbischen Gschäftle, im ethischen Sinn unmoralisch und vor dem Grundgesetz demokratiefeindlich, weil niemand Anspruch haben sollte ohne überzeugendes beziehungsweise mehrheitliches Bürgervotum „am Amt zu kleben“. Wir Bürger und Wähler haben ein gutes Gedächtnis dafür, wenn ein starker Bürgerentscheid missachtet wird. Niemand sollte sich wundern, wenn wenig Präsenz unter den Bürgern beziehungsweise Zuhörern bei den Ratssitzungen vorhanden ist, beziehungsweise die Öffentlichkeit Zweifel hat, ob Politik wirklich Bedeutendes in der Ortsentwicklung bewegt.
Frau Hell ist an der Reihe. Sie hat sich seit Jahren erfolgreich in und für die Gemeinde eingebracht. Alle drei Bürgermeisterposten in Prien gehören bislang der Männerwelt. Es wäre allein schon deswegen ein Gewinn – nicht nur der Frauenquote wegen, wenn sich aus dem Blickwinkel einer Frau neue Perspektiven im politischen Alltag auftun. Ergebnisse angesichts der seit Jahrzehnten ungelösten Probleme in der Ortsentwicklung (Verkehr, Architektur, Grün) sind gefragt. Frau Hell – so steht zu erwarten – wird mit anpacken, nicht nur verwalten, sondern auch helfen, „dicke Bretter“ zu bohren. Ich hoffe, die Mitglieder des neu gewählten Gemeinderats entscheiden sich mit Verstand und Gewissen für das, was nach Wählerwillen selbstverständlich sein sollte: für Frau Hell als Zweite Bürgermeisterin und zum Wohle und für den Zusammenhalt in der Gemeinde.
Dirk Waltenbauer
Prien