Grassau/Unterwössen/ Dresden – Schon seit Jahrzehnten sind Orchideenzüchter und internationaler Experte Franz Glanz wie auch Orchideenkenner Olaf Gruß von den einzigartigen Orchideengewächsen fasziniert, setzen sich für den Erhalt und neue Züchtungen ein und fördern den internationalen Austausch der Orchideenzüchter und Sammler, so wie vor Kurzem auf dem World Orchid Conference Trust (WOC) in Dresden, den die beiden Experten mitorganisieren. Über ihre Erfahrungen, den Kongress, die Ausstellung und Erfolge informierten sie nun gemeinsam im Rathaus.
Noch immer beeindruckt vom Kongress zeigen sich die beiden Orchideen-Liebhaber Gruß und Glanz. Während der eine, Gruß, sich der Beschreibung neuer Orchideen zugewandt hat, liegt es dem Züchter Glanz am Herzen, weitere neue Züchtungen hervorzubringen. Als Biologe und Kenner der heimischen Orchideenwelt war auch Bürgermeister Stefan Kattari auf dem Kongress und stellte dort das Chiemgau von seiner blühenden Seite vor. Er hielt einen viel beachteten Vortrag zum Thema „Erdorchideen im Chiemgau – alte und neue Bedrohungen der Bestände durch Landnutzung und Klimawandel“. Stefan Kattari referierte in Tracht und auf Englisch. Er schilderte die Entwicklung der Orchideenbiotope in Zeiten des Klimawandels. Wie Bürgermeister Kattari ergänzte, wurde das Vortragsprogramm über Monate vorbereitet und von Olaf Gruß mitgestaltet. Da reihte sich Kattari in die 70 Vortragenden aus aller Welt, von den USA bis Japan, über Australien, Afrika und China, ein und stellte dabei den kleinen Chiemgau ins Zentrum der Betrachtung.
Die Eindrücke des viertägigen Weltkongresses, nach Angabe der zwei Mitorganisatoren der bislang größte mit über 58.000 Besuchern, rund 100 Ausstellern und Verkäufern und rund 1.000 registrierten Teilnehmern aus 56 Ländern, hallen nach. Über 70 Referenten widmeten sich in Vorträgen der Orchidee und annähernd 200 Jurymitglieder bewerteten die ausgestellten Pflanzen und Ausstellungsstände in der riesigen Messehalle.
Es war eine logistische Herausforderung und benötigte über ein Jahr Arbeit im Vorfeld, bis der Kongress so, wie es sich die Verantwortlichen vorstellten, durchgeführt werden konnte. Nicht zu vergessen, dass Pflanzen aus allen Teilen der Welt nach Dresden gebracht wurden und dies mit unterschiedlichen Transportmitteln und länderübergreifenden Auflagen.
Wie hoch die Anforderungen sind, schilderte Glanz. „Man weiß in etwa, wie groß der Ausstellungsstand ist und zu Hause wird bereits der Stand probeweise aufgestellt und ausgeschmückt. Doch alle Pflanzen sollten dann auch in voller Blüte stehen. Wir haben da schon ein paar Tricks auf Lager. Manchmal nützt es jedoch nichts und die Pflanze befindet sich im Abblühen. Dann muss eine andere Lösung her.“
Franz Glanz baute, unterstützt von Ehefrau Maria und Tochter Rosi, einen schönen Ausstellungsstand auf. Akribisch wurde darauf geachtet, dass die ausgestellten Orchideen sich in voller Blüte zeigten und mit den benachbarten Pflanzen auch farblich harmonierten. Die Räume zwischen den großen und auch den kleinen Pflanzen wurden liebevoll dekoriert, sodass sich ein gutes Gesamtbild ergab.
Für seinen Stand wurde Franz Glanz mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Zudem wurden zwei Pflanzen mit einem „Blauen Ribbon“, vergleichbar mit einem ersten Platz, das Paphiopedilum Bel Royal und das Zygopetalum Jumping Jack geehrt.
Franz Glanz durfte weitere Preise, zwei zweite und zwei dritte Preise mit den jeweils zugehörigen Silber- und Bronzemedaillen in Empfang nehmen. Ein schöner Erfolg für den Achentaler Orchideenzüchter, der mit seiner Kunst und Gespür für diese Pflanze den Namen des Achentals weit in die Welt trägt. Olaf Gruß besonders ausgezeichnet – einer von weltweit nur acht lebenden Ehrenträgern.
Gleich zwei internationale Auszeichnungen wurden Olaf Gruß verliehen. Bei der Eröffnungsfeier überreichte ihm der Vorsitzende des Weltorchideenkongresses, George Hatfield, die höchste Auszeichnung der Orchideenwelt und dies für seine besonderen Verdienste um die Orchideenkunde.
George Hatfield betonte, dass Olaf Gruß mit seinen vielen Artikeln weltweit zum Thema Orchideen, seinen Büchern und auch seinen Beschreibungen neuer Arten einen wertvollen Beitrag zur Erforschung der Orchideen geleistet habe. Diese besondere Auszeichnung, die nur acht lebenden Würdenträger ihr Eigen nennen können, wird nur alle drei Jahre verliehen und an diesem Tag an drei weitere Wissenschaftler überreicht. Zudem erhielt er eine zweite Auszeichnung, dieses Mal vom Präsidenten der südostasiatischen Orchideenvereinigung, Nicholas Chua, aus Singapur, der Gruß aufgrund seiner Verdienste für die Orchideenkunde auszeichnete.
Chua ging dabei vor allem auf die Publikationen, Vorträge und Artikel zu den Frauenschuhorchideen der Gattung Paphiopedilum und den Phalaenopsen ein, die wichtig für die Fortentwicklung der Orchideenkunde waren.
Was die beiden Experten und auch Bürgermeister Kattari neben besonderen Eindrücken mitnahmen, waren vertiefende internationale Freundschaften, gute Gespräche unter Gleichgesinnten, aber auch viele schöne Fotos. Man freut sich bereits auf den nächsten Weltkongress. Dann werden die beiden Achentaler, Franz Glanz aus Unterwössen und Olaf Gruß aus Grassau, die heimische Region mit ihrem Wissen und ihren außergewöhnlichen Pflanzen und Züchtungen vertreten. tb