Grassau – Dreiste Diebe haben in der Nacht von Freitag, 10. April, auf Samstag, 11. April, sieben großformatige Bilder des Agenda Kunstkreises aus dessen Ausstellungshalle im ehemaligen Katek-Werk gestohlen und sogar die Leisten zum Aufhängen mitgenommen. Nun fragt sich der Sprecher des Kunstkreises, Helmut Bielenski, wo diese Bilder geblieben sind – mehrere davon 1,40 mal einen Meter groß, eines davon sogar 4,20 Meter lang.
Einbruchspuren
nicht feststellbar
Erst fünf Tage nach dem Diebstahl, am Mittwoch, 15. April, fiel den Mitgliedern des Agenda Kunstkreises der Raub auf. Sie treffen sich nur sporadisch, jeder arbeitet für sich in dem großen Atelier, manche nachts, andere tagsüber, und nicht immer ist der Blick auf die große Hallenwand geheftet. Nur einmal wöchentlich, am Mittwochabend, findet ein offener Treff statt – und da fiel der Diebstahl auf. Der Raub der sieben Bilder unterschiedlicher Künstler wurde zur Anzeige gebracht. Einbruchspuren konnte die Polizei nicht feststellen.
Bielenski ist entsetzt von der Kaltschnäuzigkeit der Räuber, die sich Zugang zur Halle verschafft und die Bilder höchstwahrscheinlich mit einem Transporter abtransportiert haben. Die Werke sind nicht auf Leinwand, sondern auf Spanplatten gemalt und wiegen folglich mehrere Kilo. Den Dieben war scheinbar auch die Überwachungskamera egal. Allerdings zeichnet diese nur fünf Tage auf und überspielt dann wieder – so konnte zumindest der Tatzeitraum eingegrenzt werden.
Abgesehen vom monetären Wert der Bilder, der naturgemäß nicht dem bekannter, in Kunstgalerien gehandelter Werke entspricht, haben die Arbeiten für die Künstler zusätzlich einen emotionalen Wert. An vielen wurde lange gefeilt, und einige stellen besondere Orte dar – so etwa das Bild „Rom“ von Bielenski, das ihn stets an diese besondere Stadt sowie an den Schaffensprozess erinnert und unverkäuflich war.
Ein besonderes, auffälliges, bereits mehrfach ausgestelltes und oft fotografiertes Gemälde ist das 4,20 Meter lange Bild, das zur „Langen Nacht in Grassau“ von mehreren Künstlern gemeinsam geschaffen wurde und als Schaufensterdekoration diente. Auch dieses lebensfrohe, bunte, bayerische Traditionen zeigende und unverwechselbare Bild ist verschwunden. Darüber hinaus fehlen Werke von Bärbel Straub sowie zwei Arbeiten des Nachwuchskünstlers Philip Craubner, der den Nachwuchspreis des Kunstvereins Traunstein gewonnen hatte. Was von den sieben Werken blieb, sind die Dübellöcher in der Wand.
Schaden beläuft sich
auf etwa 4.000 Euro
Im besten Fall stehen die Bilder einfach wieder in der Halle, da sie mittlerweile bekannt und folglich für den oder die Diebe unverkäuflich sind, so hofft der Agenda-Sprecher. Monetär wird der Schaden auf rund 3.500 bis 4.000 Euro geschätzt, der emotionale Wert liegt bedeutend höher.
Kurios ist dabei, dass die Diebe scheinbar einige Bilder übersehen haben, die um die Ecke hingen. Trotz des Diebstahls kann der Kunstkreis ironischerweise ein wenig stolz sein: Die Werke wurden von den Räubern offenbar so hoch eingestuft, dass sich ein Diebstahl zu lohnen schien. Sicher ist, dass das Atelier nun mit noch mehr Sicherheit ausgestattet wurde. Wer sachdienliche Hinweise geben kann, möge sich an die Polizeidienststelle Traunstein oder an den Agenda Kunstkreis wenden.