Unterwössen – Am Ende gab es Applaus im Sonntagsgottesdienst in Oberwössen. Das ist in einem Gottesdienst nicht selbstverständlich und belohnte an diesem dritten Sonntag der Osterzeit, was in der Kuratiekirche Oberwössen gelungen war: ein musikalischer Gottesdienst und eine Predigt, die nachdenken ließ. Die Singgemeinschaft Hechendorf vom Ammersee begleitete die Feier musikalisch. Pfarrer Peter Bergmaier predigte über den Heiligen Don Bosco und die Frage, ob die Kirche den Mut hat, Dinge einmal anders anzugehen. Die Singgemeinschaft Hechendorf ist seit 2022 ein wiederkehrender Gast in Oberwössen. Jedes Jahr verbringen einige der inzwischen 13 Mitglieder ein Probenwochenende auf dem Loiderhof. Dieses Jahr waren es acht – in dem Arrangement, das ihre Leiterin Andrea Eckert ins Leben rief. Eckert kennt den Ort: Seit knapp 20 Jahren macht sie hier Urlaub. Die Singgemeinschaft selbst gründete sie 1988. An diesem dritten Sonntag der Osterzeit gestalteten die acht Sänger den gesamten Gottesdienst mit. Sie eröffneten die Feier mit „Vom Flügel eines Engels berührt“. Immer wieder erklangen die Teile der Liturgie musikalisch in wunderbaren Melodien. Zum Sanctus sang die Gruppe „Du bist heilig, du bringst Heil“, zur Gabenbereitung „Wenn wir unsere Gaben bringen“. Mittendrin erklang Leonard Cohens „Halleluja“ in einer Version, die den Kirchenraum füllte.
Pfarrer Bergmaier nahm die Tageslesung aus dem Johannesevangelium als Ausgangspunkt: „Werft das Netz auf der rechten Seite aus.“ Aus diesem scheinbar banalen Satz entwickelte er eine Frage an die Gemeinde: Hat die Kirche den Mut, Dinge einmal anders anzugehen? Als Gewährsmann diente ihm der heilige Johannes Don Bosco, der Turiner Priester des 19. Jahrhunderts, der sein Leben der Erziehung benachteiligter Jugendlicher widmete. Mehrere Zitate durchzogen die Predigt, darunter: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“
Bergmaier verknüpfte das mit einem aktuellen Bezug: In der Osterwoche waren Gemeindemitglieder mit Pfarrer Martin Straßer auf Pilgerfahrt in Turin und besuchten dort auch Don Boscos Grab in der Maria-Hilf-Basilika. Den Schluss prägte ein offenes Wort: Er, Bergmaier, könne das gute Wort nur zu wenigen Jugendlichen sagen, weil viele nicht mehr kämen. „Vielleicht haben wir sie auch vertrieben“, überlegte er. Bergmaier rief die Gemeinde zur Offenheit auf – offen für die Jugend, für die jungen Eltern, für die jungen Familien, gerade mit Blick auf die bevorstehenden Erstkommunion- und Firmfeiern im Pfarrverband. Am Ende galt der kräftige Applaus dem Chor und dem Gottesdienst, der beides schaffte: zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.