Traunstein – Für herausragende Leistungen und Verdienste um die Kultur hat der Landkreis Traunstein jetzt erstmals den Chiemgauer Kulturpanther verliehen. Er steht in der Reihe des Chiemgauer Panthers für besondere Leistungen im Bereich Sport und des Chiemgauer Wirtschaftspanthers.
„Kultur hält die
Region zusammen“
Der erste Preisträger ist Wolfgang Diem, ein „Begeisterer“ und Motor für das Musikleben der Region. Der Grassauer ist seit 2002 Leiter der dortigen Musikschule und seit 2004 Leiter des Grassauer Blechbläserensembles. Er ist Stiftungsratsvorsitzender der „Wolfgang Sawallisch Stiftung“ sowie Initiator und Intendant des „Chiemgau Alm Festivals“. Von 1995 bis 2022 war Diem zudem Dirigent der Marktkapelle Grassau.
„Kultur ist weit mehr als das, was auf der Bühne passiert. Kultur ist das, was eine Region zusammenhält. Sie stiftet Identität, schafft Gemeinschaft und sie verbindet Generationen.“ Mit diesen Worten umriss der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser als Laudator die Leitgedanken des Chiemgauer Kulturpreises, der auf seine Initiative hin geschaffen worden ist.
Was Diem in besonderer Weise auszeichne, so Konhäuser, sei nicht nur dessen Wirken als hervorragender und versierter Musiker. Als Musikschulleiter, Dozent, Dirigent, Initiator und Netzwerker habe er über Jahrzehnte hinweg Menschen zusammengebracht und „Strukturen geschaffen, die tragen und weit über den Ort hinaus wirken“. Dazu komme Diems einmalige Art, mit anderen, speziell jungen Menschen, zu arbeiten, sie zu fördern und zu fordern und vor allem seine Fähigkeit, andere für die Musik zu begeistern und „gemeinsam etwas entstehen zu lassen“ – und dafür auch mal eigene Interessen zurückzustellen.
Diem habe durch seinen wertschätzenden Umgang Generationen von jungen Musikern geprägt und den Grundstein für deren Verbundenheit mit der Region gelegt. Mit dieser Art der Kulturbegeisterung sei er prädestiniert als erster Preisträger des Chiemgauer Kulturpanthers. Als Sinnbild dafür verwies Konhäuser auf eine Szene aus Diems Jugend, als er bei seiner Rückkehr als einer der ersten regionalen Bundespreisträger von „Jugend musiziert“ am Bahnhof in Übersee „wie ein Olympiasieger“ vom Bürgermeister und der Blaskapelle empfangen wurde.
Landrat Andreas Danzer verwies darauf, dass der Chiemgauer Kulturpanther eine Lücke nach dem Wegfall des ARTS-Kulturförderpreises schließen wolle, aber andere Akzente setze: Er stehe für das Gesamtwirken und ein Lebenswerk im Engagement für die Kultur. Ausdruck dafür sei auch die einfühlsam aus Lindenholz gestaltete Skulptur der Holzbildhauer-Meisterin Theresa Springl aus Inzell. „Sie steht damit selbst für das, was wir heute auszeichnen: Handwerk, Kreativität und Verwurzelung in der Region“.
Wolfgang Diem selbst zeigte sich bewegt angesichts vieler bekannter Gesichter und Weggefährten, die zur Preisverleihung ins Casino des Landratsamtes nach Traunstein gekommen waren.
Darunter auch Diems Sohn Valentin als „Überraschungsgast“ an Gitarre und Bass, der zusammen mit Felix Dürringer für die musikalische Umrahmung sorgte. Diem bedankte sich für die Auszeichnung und die Unterstützung durch viele Kultur- und Musikbegeisterte.
In einer kurzen Rede verriet er, dass die Karriere als Profimusiker mit einer Posaunenstelle im Münchner Gärtnerplatztheater anfänglich verlockend gewesen sei. Letztlich sei jedoch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Gestaltungsmöglichkeiten als Lehrer und Musiker und die Reize der Region unter dem Motto „ein Konzert und ein Gipfel pro Woche“ sowie die kurzen Arbeitswege reizvoller gewesen.
Unermüdlicher
Förderer der Jugend
Prägend für ihn sei der Austausch mit Persönlichkeiten gewesen, die bestimmend für das Musikleben in Grassau gewesen seien und die mit ihrer Konstanz für „Stabilität in Zeiten voller Veränderungen“ gesorgt hätten: Hans-Josef Crump und Wolfgang Sawallisch. Wichtig für ihn sei auch, Kindern und Jugendlichen „Alternativen zur digitalen Welt aufzuzeigen“ und mit Fördersystemen „Musik als festen Bestandteil im Leben zu verankern“.
In zwei kurzen Grußworten bekundeten auch Grassaus Bürgermeister Stefan Kattari und Alt-Landrat Hermann Steinmaßl ihre besondere Wertschätzung für Preisträger Nummer 1, Wolfgang Diem.