„Hätten wir einfach aufhören sollen?“

von Redaktion

Hitzige Debatte über Kostenexplosion der Sanierung des Bernauer „Haus des Gastes“

Bernau – Der Kostenstand für die Sanierung des „Haus des Gastes“ lag Mitte April 2026 bei rund 4,15 Millionen Euro netto und damit weit entfernt von den ursprünglich kalkulierten 3,44 Millionen Euro netto (Stand Februar 2025). Die Reaktionen im Bernauer Gemeinderat reichten daher von „verärgert“ über „unglücklich“ bis „weder schockiert“ und „nicht mal verwundert“.

Letztlich aber stimmte der Rat für die Mehrkosten und schloss sich so in seiner Mehrheit der Meinung von Architekt Eik Kammerl an: „Es war richtig, das Haus zu sanieren. Das Gebäude steht jetzt selbstbewusst da und ist historisch wichtig für Bernau!“

„Selbstbewusst
und historisch wichtig“

„Das Grundgerüst war letztlich nicht schlecht und niemand konnte wissen, dass es so ausreißt!“, fasst Franz Praßberger (ÜWG) zusammen, denn „schließlich steckt man nicht drin“. Man habe auch unterm Bauen nicht einfach aufhören können, befand er das Vorgehen der Gemeinde für richtig und stand damit auf der Seite von Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber, die auch zuvor rhetorisch in die Runde gefragt hatte: „Hätten wir einfach aufhören sollen?“ Besonders Matthias Vieweger (CSU) kritisierte zuvor die Kostenentwicklung und erklärte dazu: „Ich bin schon verärgert!“, denn die Gemeinderäte hätten sich den Bau im Vorfeld angeschaut. Seiner Ansicht nach bräuchten die Planer keine Kalkulationen vorzustellen, wenn der Bau sowieso teurer werde. „Ich bin kein Bautechniker“, umschrieb Vieweger das verlorene Vertrauen. Es gehe ja dabei um weit über 500.000 Euro mehr und er sei „verärgert“ und „unzufrieden“.

Bauamtsleiter Bernd Ruth zeigte Verständnis für die Verärgerung Viewegers, verwies aber gleichzeitig auf eine der Ursachen der nun um 20 Prozent gestiegenen Kosten für die Sanierung, die unter anderem von der „Schieflage des Gebäudes herrühren“. Eik Kammerl war zuvor ausführlich darauf eingegangen, dass die Sanierung „anders nicht machbar war“ und konnte die Verärgerung einerseits nachvollziehen, andererseits habe man anfangs auch „keinen Röntgenblick“ gehabt.

Welche Baumaßnahmen und zusätzlichen Sanierungsaufwendungen machten das „Haus des Gastes“ als historisches Gebäude von 1890 mit nun Multifunktions-Charakter so viel teurer? Eik Kammerl und Barbara Kollmeier vom Architektenbüro „Kammerl und Kollegen“ gingen in der Sitzung des Rates explizit auf die Kostenentwicklung ein und schlüsselten die einzelnen Kostenblöcke auf. Mit rund 343.761 Euro schlugen dabei ein erhöhter Aufwand bei der Schadstoffsanierung (120.628 Euro), der Instandsetzung des zuvor maroden Dachstuhls, der Holzbalkendecken und unter anderem der Einbringung von Auflageschwellen, Zimmerer- und Putzarbeiten (festgestellte fehlende Schüttung, dafür Müll und Schutt in den Deckenlagen) zu Buche. Diese Kosten seien im Oktober 2025 dem Gemeinderat auch vorgestellt worden. Ab November im Zuge des Ausbaus stiegen die Aufwendungen dann erneut um drei Prozent (rund 107.000 Euro) an, letztlich für Estrich, Trockenbau, den Brandschutz und eine notwendige neue Fließung.

Um rund 104.500 Euro (nochmals drei Prozent) entwickelten sich die Kosten nach oben, als es an den Umgriff der Außenanlagen ging, denn „vieles war vorher gar nicht sichtbar“, so zum Beispiel ein Außenzugang zum Keller mit einer Außentür, erklärte Kammerl. Die Regenentwässerung und die Gasleitungen mussten neu verlegt werden, gleichzeitig wurden die Stellplätze bei Sailerhäusl erneuert und zusätzliche Fundamente aufgrund der Schräglage eingebracht. Dadurch seien auch letztlich die Honorare für die Architekten und Planer aufgrund des Mehraufwands gestiegen. Hier seien nochmals Mehrkosten in Höhe von 153.970 Euro entstanden.

Sascha Klein (WMG) war sich sicher, dass „niemand mit 20 Prozent Kostensteigerung gerechnet hat“, aber dennoch sei er „nicht schockiert“. Thomas Herian (Bernauer Liste) gab den Rat, „dass wir daraus etwas für die Zukunft lernen“. Letztlich sei ein Neubau mit historischer Außenansicht günstiger gekommen, meinte er. Wenig überrascht zeigte sich auch Dr. Andreas Lang-Ostler (Bernauer Liste): „Ich habe damals schon gesagt, dass es vier Millionen kosten wird“.

„Ein Abriss wäre
kostengünstiger gewesen“

Josef Genghammer (Grüne) argumentierte, dass man kostengünstiger hätte planen können. Jakob Müller (CSU) widersprach der Ansicht, dass ein Abriss kostengünstiger gekommen wäre, denn auch „die Entsorgung hätte uns einen Haufen Geld gekostet“. „Viel wichtiger ist doch, dass es jetzt gescheit dasteht“, stellte er sich hinter die Sanierungsentscheidung.

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