Prien – Er sticht sofort ins Auge, wenn man aus dem Priener Zentrum unter den Bahngleisen in Richtung Hafen fährt: Auf dem Kreisverkehr ragt inmitten von rot-gelben Tulpen ein rund drei Meter großer, gelb-blauer Holzaufsteller in der Form eines Basketballtrikots empor. Aufsteiger steht in weißen Versalien am unteren Trikotrand, am angefügten Basketball ist die wichtigste Botschaft erneut angebracht. Es ist ja auch ein doppelter Aufstieg, den die beiden Priener Basketballteams feiern. Die Herren 1 schafften den langersehnten Sprung in die Bezirkliga, die Herren 2 stiegen in die Kreisliga auf. Basketball war in der Chiemseegemeinde dank der Brigennas noch nie so hochklassig.
„Die Leute
finden das super“
„Die Jungs haben sehr viel Energie, auch was das Feiern betrifft. Sie wollten publik machen, was wir dieses Jahr geschafft haben“, erklärt der Trainer der beiden Teams, Sebastian Bittner, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Wie es zur ganzen Aktion kam? „Einer von unseren Jungs ist Handwerker, der hat den Holzaufsteller gebaut. Dann kennen sie noch einen, der Folien erstellt und bedruckt und dann wurde das Ding in einer Nacht-und-Nebel-Aktion dahingestellt.“ In der Nacht auf vergangenen Samstag war Prien um eine Kreisverkehr-Attraktion reicher. Wer den Aufsteller unweit der Heimspielstätte der Franziska-Hager-Halle letztlich aufstellte, ist nicht bekannt. „Danke an den Unbekannten für diese Überraschung“, schrieb der Vereins-Account auf Instagram.
Bisher seien „nur positive“ Reaktionen eingegangen, Bittner: „Die Leute finden das super, sogar der Bürgermeister hat gesagt, er hat es gesehen und es ist sehr gut angekommen.“ Andreas Friedrich war nicht zu erreichen, dafür Donat Steindlmüller, Geschäftsleiter der Marktgemeinde: „Ich find das sehr lustig und finde es ganz in Ordnung. Ein Doppelaufstieg ist ein besonderes Ereignis. Da darf man auch mal besondere Sachen machen.“ Eine Genehmigung von Priens Geschäftsleiter Steindlmüller persönlich gab es nicht, er habe aber gehört, dass es Gespräche und von der Gemeindeseite ein Einverständnis gab.
Trainer Bittner, der in der Basketballabteilung des TuS Prien auch für die Leitung des Spielbetriebs zuständig ist, sprach von einer „illegalen Aktion“, die durchaus Kalkül und eine Woche Planung gebraucht habe. Am Tag nach der öffentlich wirksamen Aufstiegsmitteilung, feierten die Teams am Mittag im großen Kreis die Aufstiege. „Wir haben schön gegrillt mit vielen Leuten. Es war eine schöne Feier und dauerte so lange, bis es dunkel wurde“, berichtet der Trainer – von weiteren nächtlichen Aktionen ist bisher nichts bekannt.
Das Erfolgsrezept der erfolgreichen Saison liegt für Bittner, der vor acht Jahren als Jugendtrainer im Verein anfing, in der guten Jugendarbeit: „In den vergangenen Jahren waren wir öfter Zweiter oder Dritter. Uns haben immer ein paar Leute gefehlt, ein paar Mal verletzt. Durch gezielte Ausbildung in der Jugend konnten wir die Teams im Herrenbereich so verstärken, dass wir diese letzte kleine Hürde überspringen konnten.“ Seine Jungs seien „erwachsen geworden und geben uns den nötigen Schub, dass wir diese Saison erfolgreich gestalten konnten.“ Vor allem der Schlussspurt ist beeindruckend, die letzten zwölf Spiele in Folge wurden gewonnen.
Auf der Rückseite des Holzaufstellers finden sich zahlreiche Unterschriften der beteiligten Personen. Verwaltungschef Steindmüller lobt das besondere Zeichen: „Es ist sauber und nicht irgendwie billig gemacht. Lieber so etwas, als dass irgendwelche Kästen oder sonst irgendwas besprüht und mutwillig kaputt gemacht wird.“ Er kündigte an, dass der sportliche Erfolg von Gemeindeseite auch noch mal gewürdigt werde. Und wie lange soll der Aufsteller am Kreisverkehr stehen? „Spätestens an Weihnachten muss der Christbaum dort stehen“, sagt Steindlmüller erheitert und hat noch was ganz anderes im Blick: „Mal schauen, was die Fußballer fabrizieren, wenn die jetzt dann aufsteigen.“ Fünf Spiele vor Rundenschluss führt der TuS Prien die Kreisligatabelle mit zehn Punkten Vorsprung an. Die Feierlatte haben die Korbjäger hochgehängt.