Prien – Die Gemeinderatssitzung begann etwas verzögert: Was am Gremium selbst lag, das sich vor Beginn draußen vor dem Rathaus zum Fototermin versammelte. Quasi ein Abschlussbild, denn es war die letzte Sitzung des Rates in dieser Zusammensetzung, im Mai beginnt der am 8. März gewählte neue Rat.
Alle Anlagen
stammen aus China
Die Verspätung machte aber nichts. Im Sitzungssaal warteten keine Zuschauer. Bürgermeister Andreas Friedrich freute sich in der Begrüßung ganz besonders darüber, dass es Themen auf die Tagesordnung geschafft haben, die der alte Rat noch gemeinsam auf den Weg gebracht habe. So viel vorweg: Es wurde eine harmonische Sitzung ohne eine einzige Gegenstimme bei den Abstimmungen. Ganz besonders begeistert zeigte sich Friedrich, dass in den Tagesordnungspunkten fünf bis sieben bereits Angebote für Beschlüsse zur Errichtung von Solaranlagen auf drei Dächern von gemeindlichen Liegenschaften vorliegen. Der Energiebeauftragte der Marktgemeinde, Christoph Kurz, beschrieb dem Gremium das Vorgehen der Verwaltung: Das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) untersuchte sechs Liegenschaften und berechnete daraufhin den Tagesverbrauch der Gebäude. Daraufhin schrieb die Gemeinde sechs Firmen an, um sich Angebote einzuholen. Alle Anlagen seien inklusive Speicher geplant, der Bauhof und das Feuerwehrhaus auch mit einer Notstromversorgung. Laut Kurz würde sich innerhalb von sieben bis neun Jahren die Investition amortisieren, „wir sparen dadurch circa 60 Tonnen CO2 ein.“
Allen Firmen wurde empfohlen, sich die Gebäude anzuschauen – das hätten welche wahrgenommen, andere nicht. Gabriele Rau (Grüne) hatte nach Kurz‘ Vorstellung Fragen zur Qualität und Herkunft der Solarmodule: „Nicht, dass wir hier Äpfel mit Birnen vergleichen“. Friedrich antwortete darauf, dass alle Solaranlagen aus China kommen würden. Deutsche Hersteller gibt es trotz der chinesischen Marktdominanz dennoch.
Annette Resch (CSU) bedankte sich, dass die Umsetzung so schnell ging. Erst in der Haushaltsklausur 2026 wurde beschlossen, die Dächer mit Solaranlagen zu bestücken. Marion Hengstebeck (BfP) schloss sich diesem Lob an, wollte zusätzlich wissen, ob der überschüssige Strom über den Priener Strommarkt verfügbar sei. Dies bejahte Friedrich grundsätzlich, als Werbung sei das definitiv gut, schränkte aber ein, dass die Größen der Anlagen zu klein für die Direktvermarktung – gelistet werden die Anlagen dennoch. Die erzeugte Energie sei primär für den Eigenverbrauch der Liegenschaften gedacht. Nacheinander wurden die Angebote der drei Gebäude – Bauhof, Feuerwehrhaus und das ehemalige BRK-Heim – vom Gremium durchgewinkt. Durch die Beschlüsse wurde jeweils die Firma Wachter mit einer Zweigstelle in Prien mit der Errichtung der Solaranlagen beauftragt, sie hatte für alle drei Gebäude das jeweils wirtschaftlichste Angebot abgegeben.
Das Angebot für das Dach der Lagerhalle der Gärtnerei des Bauhofes lag mit 70.000 Euro genau auf der im Haushalt dafür vorgesehenen Summe. Für das Feuerwehrhaus waren 100.000 Euro veranschlagt, das Angebot liegt mit knapp 93.000 Euro etwas darunter. Auch beim ehemaligen BRK-Heim fällt das Angebot von knapp 34.000 Euro niedriger aus als die 50.000 Euro im Haushalt, allerdings gilt hier die Netto-Summe, da die Größe steuerliche Erleichterungen vorsieht.
Schon zuvor wurden Bauarbeiten vergeben, deren Ausgaben höher geplant waren: Die Firma Wagner wurde mit den Zimmereiarbeiten für Containerhallen am Feuerwehrhaus und am Wertstoffhof beauftragt, knapp 60.000 Euro liegen hier zwischen Angebot und Haushaltsschätzung. Die Gerüstarbeiten für die Hallen wurden für rund 2.500 Euro weniger als geschätzt an die Firma Inntal Gerüstbau vergeben.
Ein Tagesordnungspunkt mit Beschluss war hingegen kein „Wohlfühltagesordnungspunkt“, wie Bürgermeister Friedrich einleitete: Das Kinderhaus Wildenwart legte der Gemeinde einen Antrag auf Übernahme des höheren Defizitbetrages für das Jahr 2025 vor. Den Betrag von 70.585,90 Euro genehmigte der Rat.
Defizitübernahme des
Kinderhauses Wildenwart
Friedrich erläuterte zuvor noch, dass der Betrag so hoch ausfalle, da das neue Kinderhaus zum einen noch nicht voll ausgelastet sei, zum anderen die Leitung des Hauses schon beschäftigt war, bevor das Haus eröffnete. Rau betonte zu den Übernahmen der Defizitbeiträge der Kinderbetreuungen allgemein, dass die Bevölkerung es durchaus honorieren dürfte, „was der Markt Prien hier leiste, um Eltern zu entlasten“. Dem stimmte Friedrich zu: „Wenn der Elternbeitrag für die Kinderbetreuung kostendeckend gestaltet wäre, wäre er um das Dreifache höher.“