Eines der seltensten Ehejubiläen haben jetzt Josefine und Konrad Bergmann gefeiert: ihre Kronjuwelenhochzeit. Das entspricht sagenhaften 37.375 Tagen.
Josefine hatte 1932 im „Radlerhof“ von Anna und Josef Wölkhammer in Gstadt das Licht der Welt erblickt. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf und musste früh am Hof mitarbeiten. Konrad wurde als Sechstes von sieben Kindern 1931 in das „Weingartnerhäusl“ von Anna und Johann Bergmann hinein geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Lehre zum Schreiner. In die Arbeit ging es neben dem Radl schon auch mal im Winter auf Skiern. Die „Radler Sephi“, wie sie allseits genannt wurde, habe er bereits durch regelmäßige Trachtlerproben gekannt, erinnert sich der Jubilar im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Auf einem Tanzkurs im Hausgang vom Gstadter „Huababauern“ hätten sich ihre Wege erneut gekreuzt. „Eigentlich wollte ich mit ihrer Freundin tanzen, aber die hatte, Gott sei gedankt, schon einem anderen zugesagt“, so der Jubilar. Während einer Busfahrt mit dem Heitauer zur Hochzeit von der „Schmied Liesl“ sei auf dem Rückweg nur noch der Notsitz frei gewesen „und so musste Sephi die Heimfahrt auf meinem Schoß antreten. Ein damals filmreifes Fensterln bei seiner Sephi war nicht „ohne Folgen“ geblieben und so beschloss das Paar zu heiraten. Hierfür war aber Mitte der 1950er-Jahre eine Bescheinigung vom örtlichen Pfarrer Lipp über die Heiratsfähigkeit von Minderjährigen unter 21 Jahren notwendig. Zusätzlich musste das Ansinnen vom Landratsamt genehmigt werden.
Auf dem Weg zum Gollenshausener Standesamt mit dem Heitauer-Auto lief ihnen der Standesbeamte, der Stich Kaspar, über den Weg, der den Trauungstermin scheinbar vergessen hatte. Sie packten ihn ins Auto und fuhren bei ihm zu Hause vorbei, sodass er sich noch umziehen konnte.
„Da wir arm wie die Kirchenmäuse waren“, so Konrad Bergmann, „war guter Rat für eine Hochzeitsfeier teuer“. Die sieben Markl Salär für die Priener „Uhl’n-Buam“ wurden zum Beispiel über Ehrentänze oder das Tellergeld fürs „Spielen übers Mahl“ eingespielt. Fürs Hochzeitsessen hatte der Schwiegervater ein Kalb geschlachtet und dem Wirt zur Zubereitung überlassen. „Sauber z´sammg´richt“ schlossen sie im April 1951 den Bund eines bewegten Ehelebens.
Das Paar bekam die Söhne Herbert und Gerhard und 1961 entstand bereits das erste von mehreren Eigenheimen. Bei 50 Mark Lohn und 35 Mark für Miete wurde es manchen Monat eng. Das Paar betrieb viele Jahrzehnte den Breitbrunner Gasthof „Koniwirt“. Bekannt als singender Wirt lockte Bergmann über Jahre seine Gäste nach Breitbrunn. Als Musikant der „Vier Chiemseer“ hatte er sogar Auftritte auf dem Pariser Eifelturm.
Schon im Rentenalter beschloss das Paar, nochmals die „Ärmel hochzukrempeln“ und mit einem Neubeginn im eigenen Lokal durchzustarten, erinnert sich das Jubelpaar stolz. Aber mit Anfang 80 legte das Paar Kochschürze und Instrument zur Seite, um sich endlich in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden. Im kleinen Kreise feierten sie nun Kronjuwelenhochzeit. „So lange war nur noch die Queen Elisabeth verheiratet“, schmunzelt der Jubilar in seiner gewohnten Weise. Fotos / Text wastl