Skepsis gegenüber E-Schiffen

von Redaktion

Die Chiemsee-Schifffahrt startet bald in den Sommer. Doch die Blockade der Straße von Hormus sorgt für Unsicherheit bei der Treibstoffversorgung. Steigende Kosten sind ein Thema für Geschäftsleiter Michael Feßler. Ein Umstieg auf E-Schiffe ist für ihn aber derzeit keine Alternative.

Prien – Unter den Namen Edeltraud, Josef, Irmingard oder Barbara schippern mehrmals täglich die Schiffe von Prien auf die Chiemsee-Inseln, nach Gstadt oder an die anderen Häfen am Chiemsee. Ab dem 14. Mai sogar deutlich öfter, wenn der Sommerfahrplan für dieses Jahr gilt. Betrieben werden die Schiffe alle mit GTL, einem synthetischen Dieselkraftstoff auf Erdgasbasis, wie Michael Feßler, Geschäftsleiter der Chiemsee-Schifffahrt, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung sagt. Der Treibstoff sei auch von der Blockade der Straße von Hormus betroffen. „Im Moment haben wir noch genug. Wie es weitergeht, werden wir sehen“, so Feßler, der auch sagt, dass die Preise gestiegen sind.

Störanfälligkeit
des Elektrokonzepts

Die Preise für die Fahrten über das Bayerische Meer sind zu Jahresbeginn erst angehoben worden, „ganz normal inflationsbereinigt“. Die große Chiemseetour kostet für Erwachsene heuer 19,80 Euro und damit 60 Cent mehr als im Vorjahr. Die Hin- und Rückfahrt Herreninsel von Prien kostet aus 30 Cent mehr, jetzt 11,50 Euro, und der Preis für die Inseltour West stieg um 40 Cent auf 13,40 Euro. Wie lange und wie viel vom Treibstoff die Chiemsee-Schifffahrt benötigt, will Feßler nicht genauer definieren: „Wir brauchen im Sommer alle paar Wochen einen kompletten Tankzug.“

Steigen also bald die Preise für die Schiffe auf dem Chiemsee erneut? „Wir hoffen, das zu vermeiden. Aber wenn Sie mir sagen, was Herr Trump die nächsten 14 Tage tut, dann kann ich Ihnen die Frage beantworten.“

Also, wann wird der Umstieg auf Elektroschiffe auf dem Chiemsee vollzogen? „Ja, da muss man natürlich überlegen. Auch eine Umrüstung eines Schiffs auf elektrischen Antrieb ist teuer – und so ganz begeistert bin ich von diesem ganzen Elektrokonzept noch nicht“, teilt Feßler mit und begründet dies auf Nachfrage mit der Störanfälligkeit: „Einen Dieselmotor kann jeder Mechaniker richten. Mit der Hochleistungselektronik, die wir bei Elektroantrieben haben, benötige ich jedes Mal Fachleute.“

Unsicherheit mit
Blick auf Weltpolitik

Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt, sieht das anders. Auf dem Königssee werden die Menschen seit 1909 elektrisch befördert. Auf dem Starnberger See gibt es mit dem Schiff „Berg“ seit 2021 ein elektrisches Passagierschiff und auf dem Tegernsee soll in diesem Jahr ein E-Schiff angeliefert werden. Grießer: „Das ist wie bei Autos, einen Käfer konnte man früher selbst reparieren, heute ist das durch die ganze Elektronik im ganzen Fahrzeug anders und man muss zur Werkstatt. Es wird uns, wie alle anderen Betreiber von Verkehrsmitteln, auch treffen, dass wir uns über kurz oder lang Gedanken machen müssen, wie man da Emissionen verringert oder vermeidet.“

Aber auch, wie man autarker wird. Grießer sagt, am Königssee sei die Schifffahrt dort durch einen Stromvertrag, der über das ganze Jahr läuft, in einer „komfortablen“ Lage und spüre keine Auswirkungen der Weltpolitik. Seit dem Wochenende fahren die Schiffe durch den Sommerfahrplan auch wieder bis nach Salet, auch die Tickets sind hier zum Jahresbeginn angehoben worden. An den anderen Seen – Ammersee, Starnberger See und Tegernsee – gebe es aktuell zumindest keine Lieferengpässe, aber eben gestiegene Preise. Am Königssee sei immer mal wieder ein Wasserkraftwerk ein Gedankenspiel, um noch unabhängiger zu werden, dieses habe aber aktuell nicht die höchste Priorität.

Als das Elektroschiff auf dem Starnberger See 2021 getauft wurde, war es mit 35 Metern Länge für rund 300 Personen das größte vollelektrische Binnenschiff in Deutschland. „Da hat sich in den vergangenen Jahren schon sehr viel getan in der Entwicklung, wie bei der Automobiltechnologie auch, und das wird im Schiffsbereich genauso immer weiterentwickelt“, sagt Grießer. Wobei er auch sagt, aktuell sei eine Umrüstung der aktuellen Schiffe auf Elektrobetrieb aufgrund der Schwere der Batterien nicht so einfach möglich.

Batterien sind
sehr schwer

In einem Punkt sind sich Feßler und Grießer aber einig: Sie hoffen auf eine gute Sommersaison auf den bayerischen Gewässern. Je nachdem, wie sich Flugpreise entwickeln, liebäugeln beide mit mehr Gästen an den Seen in Oberbayern. „Wir haben uns das tatsächlich schon durchgedacht. Wir könnten mehr Gäste befördern als normalerweise“, so Feßler. 2025 waren es rund 770.000 Gäste, Mit der gleichen Flotte wurden 2021 zur damaligen Landesausstellung über eine Million Gäste befördert. Der Chiemsee-Schifffahrt-Chef hofft auch auf einen anderen Effekt: „Wir sind auch auf die ganze Weltkulturgeschichte eingestellt, wo wir auch nicht wissen, was da passiert. Wir haben noch Kapazität.“ Zumindest solange die Füllmenge der Treibstoffspeicher kein Thema am Chiemsee wird.

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