Bergen – Nach einer langen Tagesordnung wechselte die Stimmung in der letzten Sitzung der vergangenen Wahlperiode von amtlich zu freundschaftlich und emotional. Als letzte Amtshandlung lag es an Bürgermeister Stefan Schneider, die scheidenden Gemeinderatsmitglieder zu verabschieden. Sehr persönlich widmete er sich seinen Kollegen und hob deren Vorzüge und Eigenschaften hervor.
„Du bist ein
Tausendsassa“
Nach sechs Jahren Zusammenarbeit sei es ihm ein Anliegen, persönlich zu werden, und er habe die zwölf Jahre als Bürgermeister genossen. Die Wahlanalyse sei erstaunlich: Drei Leute der CSU/BBU-Liste wie auch drei der Grünen Liste verlassen das Gremium. Nicht alphabetisch, sondern der Sitzfolge am großen Tisch folgend, wandte sich Schneider zunächst Toni Rechenmacher, CSU-Fraktionssprecher, zu. „Rechenmacher ist ein Unternehmer, der etwas unternimmt und es ist herrlich, wie er sich traut, die eigene Meinung konsequent zu vertreten“, sagte Schneider. Rechenmacher habe ein klares Bild und treffe klare Aussagen. Schneider lobte Rechenmachers Einsatz für Schule und Kindergarten, aber auch dessen vorsichtige Seite. Rechenmacher sei eine erfrischende Hilfe und so gewesen, wie man sich einen Gemeinderat wünsche. „Du bist ein Tausendsassa“, so Schneider an den scheidenden Rat.
„Was haben wir uns da eingefangen, eine Fränkin“, sagte Schneider an Annemarie Funke gerichtet. Sie sei eine Geschäftsführerin, die alle im Bezirk in die Tasche gesteckt habe – und diese Frau komme nun in den Gemeinderat, sagte Schneider, sich an seine ersten Überlegungen erinnernd. Annemarie Funke verdiene seinen allerhöchsten Respekt und sei als Mitarbeiterin eine Bereicherung gewesen. Sachlich fundiert und perfekt im Ton habe sie agiert. Von ihr habe er gelernt, wie man es im Ruhestand nicht machen sollte, so Schneider mit Blick auf das besonders große Engagement von Funke.
„Es war
mir eine Ehre“
„Nun geht es uns gleich. Beide sind wir nun in Zukunft ohne Amt, ohne Verantwortung und das ist für uns beide eine Art von Befreiung“, sagte Schneider an Tobias Schwaiger gerichtet. „Du warst gscheid mühsam“, so Schneider, und meinte, dass beide nun nicht mehr an Entscheidungen beteiligt werden. Trotz allem habe Schwaiger den Rat vorwärtsgebracht und Themen wären wahrscheinlich nicht so ausführlich diskutiert worden. Mit der ausscheidenden Gemeinderätin Monika Mitterer verbindet Schneider einiges, darunter die obligatorischen Besuche zum ersten Schultag, zu denen er von der ehemaligen Schulleiterin eingeladen wurde.
Ihn verbinde aber noch mehr, denn beide seien gemeinsam in die Bergener Volksschule gegangen. Damals waren es in der ersten Klasse noch 56 Schüler. „Das hat uns auch nicht geschadet“, meinte er und erinnerte an Schulbusfahrten. Die Rätin der Grünen Liste sei ihm eine große Stütze gewesen und immer ein Garant für Demokratie. Lobend erwähnte er den Umgang von Monika Mitterer mit den geflüchteten Kindern aus der Ukraine, die verständnisvoll in der Schule aufgenommen wurden.
Ein Weggefährte im Gremium war auch Klaus Frank, und hier fiel es dem scheidenden Bürgermeister schwer, Worte zu finden, ohne zu emotional zu werden. „Wir waren eine parteilose Einheit, haben uns Sonntagabend zu Fraktionssitzungen getroffen und das war uns wichtig“, so Schneider zu dem sozialengagierten Frank, der ebenfalls der Grünen Liste angehört. Frank sei immer da gewesen, habe Kritik geübt, hinterfragt und nach Lösungen gesucht. „Wir sehen uns weiterhin“, so Schneider.
Schließlich galt es, einen weiteren Parteifreund zu verabschieden: Andreas Auer, Grüne Liste, war für die Kultur wichtig. Schneider fasste dies so zusammen: „Kultur ist, was wir leben, ist Zusammenleben, Kultur ist alles, auch Leute treffen miteinander ratschen.“ Er lobte Andreas Auer für die Idee des Festivals „grimmig und grantig“, aber auch für die Idee „Kleiner Markt“, der wieder auflebt, und dankte ihm für dessen besondere Sichtweise.
Insgesamt bezeichnete Schneider das Gremium, das von 2020 an im Amt war, als unheimlich stark. Ein paar Mal habe der Rat auch anders entschieden, als er gedacht habe. Vor allem aber sei der Rat fernab von jeder Parteipolitik gewesen. Die Bergener Fahne sei immer hochgehalten und Herausforderungen seien gemeistert worden, meist auf Basis einer sachlichen und offenen Diskussionskultur.
Konsequent
und ehrlich
„Es war mir eine Ehre, Gemeinderat gewesen sein zu dürfen“, betonte Toni Rechenmacher. Vor neun Jahren, als er ins Gremium eintrat, habe er nicht gewusst, was ein Bürgermeister macht. Er schilderte seine damaligen Vorstellungen von einem alten Mann mit Bauch und wenig Arbeit. Er habe nicht auf dem Schirm gehabt, was es bedeute, Bürgermeister zu sein. Er habe oft überlegt, was bleibe, wenn Schneider nun aufhöre – und wenn er losfahre, komme er immer an der Kläranlage vorbei, einem prägenden Objekt. Schneider sei es gelungen, das lange Projekt der Kläranlage in kürzester Zeit mit seinem Team umzusetzen. Schneider hinterlasse tiefe Fußspuren und Bergen könne sich glücklich schätzen, einen solchen Bürgermeister gehabt zu haben, der mutig, manchmal gnadenlos ehrlich und konsequent Entscheidungen getroffen habe. Er werde ihn vermissen.
Zweiter Bürgermeister Sepp Gehmacher pflichtete den Ausführungen bei und dankte Schneider als Stellvertreter im Amt. Schneider habe das Beste für Bergen erreicht.