Kleine Auszeit für Pflegende

von Redaktion

Neues Angebot „Zeitinsel“ entlastet Angehörige vor Erschöpfung

Prien – Mit der „Zeitinsel“ startet die Ökumenische Sozialstation Prien jüngst in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde und dem Bürgerverein ein neues Projekt, das sowohl Pflegebedürftigen als auch Pflegenden zugutekommen wird. Für Pflegebedürftige wird Abwechslung in den Alltag gebracht, während Pflegende ein Zeitfenster für persönliche Anliegen erhalten, in dem sie ihre Angehörigen gut versorgt wissen.

Niederschwelliges
Angebot

Gedacht ist an ein niederschwelliges Angebot einer Gruppenbetreuung für Pflegebedürftige mit und ohne Pflegegrad, das einmal monatlich am letzten Montag des Monats von 10 bis 14 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum stattfindet. Hauptverantwortlich sind Betreuungskräfte der Ökumenischen Sozialstation.

Zusätzlich wird parallel dazu in allen geraden Monaten eine Angehörigengruppe stattfinden. Hier können alle Fragen rund um Pflege und Finanzierung gestellt und Lösungen erarbeitet werden. Die Gruppe dient dem Austausch, dem Aufbau und der Alltagsverbesserung. Es gibt auch Raum für Stille und einfach nur Dasein, um zu spüren, nicht alleine zu sein mit all den Herausforderungen.

„Wir, die wir im Pflegedienst tätig sind, wissen, wie anstrengend und herausfordernd der Alltag für einen pflegenden Angehörigen ist oder sein kann“, so Beate Bolz, Leiterin der Ökumenischen Sozialstation in Prien. Es geht zum einen um die Entlastung der Angehörigen. Rund 80 Prozent der zu pflegenden Menschen werden auch aufgrund der steigenden Kosten im Gesundheitswesen ohne annähernde Erhöhung des Pflegegeldes so lange wie möglich ausschließlich von der Familie versorgt, und das ohne informelle oder professionelle Unterstützung.

Persönliche Termine
wahrnehmen

Deshalb sei es schwierig, eine Auszeit für eigene Termine zu nehmen, weil man die auf Unterstützung angewiesenen Angehörigen, sei es der Partner, Eltern oder Kinder, nicht guten Gewissens alleine lassen kann und keinen Ersatz für sich hat.

Oder um sich einfach mal mit Freunden zu treffen. Dabei sei gerade diese Zeit für Selbstfürsorge so wichtig, um nicht selbst aufgrund der psychischen und physischen Dauerbelastung zu erkranken. Zum anderen bietet sich für die Pflegebedürftigen die Gelegenheit für einen „Tapetenwechsel“. Sie können ein paar Stunden in Gemeinschaft mit anderen in vergleichbarer Lebenssituation verbringen, mit Gelegenheit zum Austausch oder Abwechslung durch ein interessantes Programmangebot. Das Programm orientiert sich an den Fähigkeiten und Ressourcen der Teilnehmer und wird vom Betreuer-Team der „Zeitinsel“ dementsprechend zusammengestellt.

Bei der Betreuung geht es nicht um „Beaufsichtigung“, hier geht es um „Animation“, Motivation, Spaß, Freude, Gemeinschaft und Entspannung. Wobei der Leitsatz gilt: „Alles kann – nichts muss“. Das Team setzt sich zusammen aus sozialen Berufsgruppen wie Krankenschwestern, Erziehern, Ergotherapeuten, Gesundheits- und Sportpädagogen sowie speziell für solche Angebote geschulten Ehrenamtlichen. Diese kommen aus vielfältigen Berufen wie Technikern, Sängern oder Lehrern. Mit dieser bunten Mischung lässt sich leicht ein vielfältiges Programm zusammenstellen, in dem für jeden etwas Passendes dabei ist.

Die Leitung übernehmen Katrin Markl und Jasmin Pertl von der Ökumenischen Sozialstation, beide mit der Zusatzausbildung „Betreuungskraft“. Zudem fand mit der Dozentin Jenny Kubitza eine gesonderte Schulung des Lehrstuhls „Spiritual Care“ der TU München statt, bei der die Team-Mitglieder befähigt wurden, den Gästen der „Zeitinsel“ auf Augenhöhe zu begegnen und mit geschultem Blick für ihre Situation auch ihre weiterreichenden Bedürfnisse zu erkennen.

Zielgruppe sind alle Pflegeempfänger, auch aus den Nachbargemeinden, die in der Lage sind, ins evangelische Gemeindezentrum in Prien gebracht zu werden und die drei bis vier Stunden sitzen können. Für Priener besteht auch die Möglichkeit zur Abholung durch den Verein „Bürger für Bürger“. Das Gemeindezentrum ist behindertengerecht, und es wurden Stühle mit Armlehnen angeschafft, wofür jedoch noch Spender gesucht werden. Wer einen Pflegegrad besitzt, kann einen Zuschuss zu den Kosten von der Pflegekasse erhalten.

Neun geschulte
Fachkräfte

Weitere Infos erhalten Interessierte direkt bei der Ökumenischen Sozialstation; sie können sich auch jetzt schon frühzeitig für einen Termin anmelden. Die Zusammensetzung der Gruppe wird variabel sein, und die Anmeldung muss zwecks Planung spätestens eine Woche im Voraus erfolgen, da bei jedem Treffen eine Kleinigkeit zum Essen angeboten wird.

Für die Betreuung der „Montags-Gäste“ stehen neun geschulte Kräfte zur Verfügung. Über Verstärkung durch weitere Ehrenamtliche, die nach entsprechender Schulung das Team ergänzen könnten, würde sich Beate Bolz als leitende Gesamtverantwortliche freuen: „Je größer das Team, desto geringer die Belastung des Einzelnen und desto höher die Qualität für die Gäste“.

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