Traunstein – Mit einer guten Nachricht haben Polizeipräsident Frank Hellwig und sein Stellvertreter Michael Siefener beim Sicherheitsgespräch mit Landrat Andreas Danzer im Landratsamt Traunstein aufgewartet: Im ohnehin schon sicheren südlichen Oberbayern nimmt der Landkreis Traunstein als zweitbester hinter Bad Tölz-Wolfratshausen erneut einen Spitzenplatz ein. 5.069 Straftaten wurden im Jahr 2025 gezählt – ein Minus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Häufigkeitszahl, also der Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner ohne ausländerrechtliche Delikte, liegt der Landkreis mit 2.894 Straftaten deutlich unter dem Durchschnitt in Bayern (4.094 Fälle) und Oberbayern (3.534 Fälle).
Aufklärungsquote
liegt bei 68,7 Prozent
Die Aufklärungsquote im Landkreis Traunstein ist im Vergleich zu 2024 um fast vier Prozentpunkte auf 68,7 Prozent gesunken, liegt damit aber immer noch über dem Durchschnitt von Bayern (66 Prozent) und dem Bundesdurchschnitt von 57,9 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Gewaltkriminalität, die gegenüber 2024 um acht auf 197 Fälle gestiegen ist, lag die Aufklärungsquote zwischen 87,2 Prozent (Körperverletzung) und 97,2 Prozent (Tötungsdelikte).
Täglich mussten die Beamten der sieben Polizeidienststellen im Schnitt zu 55 Einsätzen ausrücken. 2.703 Tatverdächtige wurden dabei ermittelt, gut 300 weniger als im Vorjahr. Auch der Anteil an Ausländern unter allen ermittelten Straftätern wurde genannt: Er liegt bei 33,2 Prozent und ist damit leicht gesunken, wenn man rein ausländerrechtliche Vergehen wie illegale Einreise herausrechnet. „Das bereitet uns trotzdem Sorge“, erklärte Polizeipräsident Hellwig mit Blick auf einen Ausländeranteil von 11,4 Prozent im Landkreis.
Nicht weniger Bedenken bereitet den Gesetzeshütern die Tatsache, dass immerhin jeder fünfte Tatverdächtige im Landkreis noch minderjährig oder unter 21 Jahre alt ist. Im Gesamtbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern liegt der Anteil sogar bei 34 Prozent, also mehr als jeder Dritte.
Hellwigs Stellvertreter Michael Siefener verwies auf ein weiteres Delikt, das mit einer Schadenssumme von über fünf Millionen Euro in 67 Fällen im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern immer noch zu den Hauptbrennpunkten zählt: der Betrug durch hochspezialisierte Callcenter in Osteuropa, auch bekannt als „Schock-Anrufe“ oder „Enkeltrick“. „Das Dunkelfeld ist trotz intensiver Aufklärungsarbeit immer noch sehr groß“, sagte der Vizepräsident. Die Betrugsmethoden würden dabei immer raffinierter. Insgesamt ermittelten die Gesetzeshüter in Traunstein bei 286 Fällen von Internetbetrug mit einer Schadenssumme von über 1,4 Millionen Euro.
Intensive Ermittlungsarbeit leisteten die Gesetzeshüter auch bei den 1.482 im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern erfassten Sexualdelikten (Traunstein: 199 Fälle). Hier spielt speziell der Austausch mit einer Nichtregierungsorganisation in den USA eine wichtige Rolle, um per Datenabgleich Kinderpornografie-Ringen auf die Spur zu kommen. Auch Kinderpornografie auf dem Schulhof gibt Anlass zu Ermittlungen. „Das ganze Ausmaß, das durch die Erhellung des Dunkelfeldes deutlich wird, hat uns doch sehr betroffen gemacht“, sagte Polizeipräsident Hellwig.
Stark beschäftigt war die Polizei auch mit der Absicherung von über 1.000 größeren Veranstaltungen oder Versammlungen. Was die Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Oberbayern zudem deutlich in Atem hielt, war eine Verdoppelung der Einsätze am Berg auf 717 im vergangenen Jahr.
Grund sei ein „deutlich verändertes Freizeitverhalten“, so Hellwig. Vor zwei Jahren hat die Polizei deshalb einen Alpinen Einsatzzug mit 25 speziell ausgebildeten Beamten ins Leben gerufen, die in Piding, Kiefersfelden und Mittenwald stationiert sind. Sie ermittelten bei zahlreichen Unfällen und immerhin 42 tödlichen Unglücksfällen.
Stark gefragt war die Polizei zudem bei 1.066 Diebstahlsdelikten und 21 Wohnungseinbrüchen. Letztere seien stark rückläufig, wie es hieß. Aufgrund der Cannabis-Legalisierung sei die Zahl der Rauschgiftdelikte weiter auf 208 Fälle (2023: 469) zurückgegangen.
Sorge bereite den Ermittlern allerdings, dass durch den fehlenden Fahndungsdruck der Einblick in die Szene schwieriger werde.
Angestiegen ist auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit 4.704 Einsätzen, bei denen 1.042 Verletzte und elf Tote zu beklagen waren. „Das nimmt offenbar keiner so recht ernst“, sagte Siefener mit Blick auf den vergangenen Blitzmarathon, bei dem Hunderte von Verkehrsteilnehmern zu schnell unterwegs waren.
Weniger
unerlaubte Einreisen
„Wir stellen eine deutlich rückläufige Tendenz bei illegalen Einreisen über die Grenze fest“, resümierte Ludger Otto, Chef der Bundespolizeiinspektion in Freilassing. Ebenso wie der Rückgang unerlaubter Einreisen um fast 30 Prozent auf noch 3.561 sei offensichtlich dank abschreckender Gerichtsurteile auch die Skrupellosigkeit der Schleuser zurückgegangen. 874 Haftbefehle „sprechen für einen Fahndungserfolg“, so Otto. Zudem wurden 5.500 Fahndungstreffer unter anderem im Bereich Rauschgift, Geldwäsche und Kfz-Diebstähle erzielt.
Landrat Andreas Danzer begrüßte die „sehr gute Sicherheitslage im Landkreis“. Er berichtete, dass der Landkreis aktuell auch gefordert sei, zusammen mit den entsprechenden Organisationen Strukturen für einen besseren Zivilschutz zu erarbeiten.