Immer wieder wird in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft von einer Spaltung geschrieben oder gesprochen. In den vergangenen Wochen, aufkeimend durch die Wahl der Stellvertretung von Bürgermeister Andreas Friedrich, hätte das auf den ersten Blick auch in Prien der Eindruck sein können. Auch die spannende Wahl und das knappe Ergebnis für den neuen und alten Zweiten Bürgermeister Michael Anner könnte darauf hindeuten. Meiner Wahrnehmung nach ist das keineswegs der Fall. Zum einen war da nicht nur vor der Sitzung von allen Seiten der Wunsch auf gute Zusammenarbeit, dies wurde in der Sitzung und danach betont. Zum anderen machten die Wahlen und auch Wahlvorschläge zu den Stellvertreterposten deutlich, dass es unter den Fraktionen Absprachen gibt. Nicht von und mit allen, aber es gibt in viele Richtungen Drähte – manche deutlich sichtbar, andere kleiner und etwas verborgener. Dass es insgesamt dennoch unterschiedliche Ansichten gibt, ist nicht nur völlig normal, sondern sollte als großer Vorteil gesehen werden. Eine Bevölkerung lebt von ihren Unterschieden und befruchtet sich dadurch im Idealfall. So sind auch die unterschiedlichen Perspektiven im Gemeinderat wichtig. Dieser sollte bestenfalls die gesamte Bevölkerung repräsentieren. Das gilt für das Geschlecht genauso wie für Alter, Bildung oder Herkunft.
Prien ist bunt und lebendig
Gelingen kann eine erfolgreiche Zusammenarbeit vor allem, wenn einander ernsthaft zugehört wird. Ohne Vorurteile, ohne vorherige Etikettierung. In diese Richtung ging auch Anners Rede nach seiner Wahl, daran wird er sich messen lassen müssen. War bisher alles schlecht in Prien? Dem würden die wenigsten zustimmen, genauso wie der Aussage, dass alles perfekt war in der Marktgemeinde am Chiemsee. Die Grautöne und Gemeinsamkeiten sollten wieder sichtbarer werden. Dabei können die Erfahrenen vom frischen Wind genauso profitieren wie umgekehrt. Prien ist bunt und lebendig, hat Tradition und Potenzial. Und die neuen und alten Gemeinderäte und Gemeinderätinnen werden nicht müde, eines zu betonen: Sie wollen das Beste für Prien.
Darauf vertraut die Bevölkerung: 24 Menschen aus Prien wurden dafür in den Gemeinderat gewählt – dazu natürlich Bürgermeister Andreas Friedrich. Aber die Priennerinnen und Priener scheinen in dieser Legislaturperiode etwas genauer hinschauen zu wollen, was viele Leserbriefe und viele Gäste bei der ersten Sitzung zeigten. Der Gemeinderat ist gut beraten, bei den anstehenden großen Projekten wie Bahnhofsumfeld, Gestaltung der Ortsmitte wie dem Wendelsteinplatz oder der Radinfrastruktur auch die Bevölkerung aktiv mitzunehmen – durch Zuhören, auch hier ohne Vorbehalte.
Frauen dominieren bei Referatsposten
Die Frauenquote ist bei 9:16 (inklusive Friedrich) noch nicht ausgeglichen, dafür dominieren die weiblichen Ratsmitglieder die Referatsposten mit fünf zu zwei. Durch die Wahl Anners zum ersten Stellvertreter gibt es keinen großen Umbruch und zwei CSU-Leute als Vize stehen auch für keine allzu große Vielfalt. Eines machte die erste Sitzung aber auch deutlich: Bei einigen Wahlen, im Geheimen wie öffentlich, zeigte sich, dass hinter den von vielen Fraktionen und Personen oft betonten Worten, „es gebe keine Fraktionsrichtlinie“ keine Floskel war, sondern auch so gelebt wurde: Die Fraktionen stimmten nicht immer geschlossen dafür oder dagegen, für die eine oder die andere Person. Davon gerne mehr.